Presse - Infomationen:

 

Presseinformation 11-24

 
 
Schaurige Rufe und spektakuläre Flüge:
      
Eulen und Greifvögel sind im Liebesrausch
Frühlingsgefühle trotz winterlicher Temperaturen bei Waldkauz, Mäusebussard und Falken – Balz in Bayern hören und erleben
 

 

Hilpoltstein, 30.01.2024 – Jetzt Gruselstimmung unter Bayerns Bäumen erleben: Während eines Abendspaziergangs bei Einbruch der Dämmerung kann jede und jeder mit etwas Glück die Balzrufe der heimischen Eulen hören, die schon manchem Krimi das schaurig-schöne Flair verliehen haben. „Trotz des Winters ist die Balz, also das Liebeswerben der Eulen, bereits in vollem Gang. Derzeit sind der Waldkauz und der Uhu, die größte Eule der Welt, in Bayern besonders aktiv“, sagt der LBV-Biologe Torben Langer. Die länger werdenden Tage bringen aber auch andere Vögel in Balzstimmung. „Während die Eulen mit ihren Rufen nachts beeindrucken, versuchen Greifvögel am Tag mit akrobatischen Balzflügen zu imponieren“, erklärt Langer weiter. In den kommenden Wochen kann jede und jeder mit etwas Glück das Naturschauspiel Balz miterleben. Am besten gelingt das bei Spaziergängen in Parks und Wäldern mit alten Baumbeständen.

„hUUUUuh … hu, hu‘hu‘huhUUUUuh“ schallt es jetzt während der Dämmerung wieder durch die Parks, Wälder und Friedhöfe Bayerns. Urheber dieser Rufe ist Europas häufigste Eulenart, der Waldkauz. „Bereits im Herbst haben sich junge Paare zusammengefunden und bleiben nun ihr Leben lang beieinander. Sie suchen sich ein Revier in alten Wäldern oder baumreichen Parks mit möglichst vielen Mäusen" erklärt der LBV-Biologe. Der Waldkauz ist einer der ersten, der Ende Januar mit der Frühjahrsbalz beginnt. Aber auch einige andere bayerische Eulen, wie der Uhu und der kleinere Raufußkauz, sind bereits aktiv. Bald werden auch weitere Arten, wie Waldohreule, Sperlingskauz und Schleiereule nach und nach mit ihrer Balz starten und so das Eulenkonzert vervollständigen. „Früher als viele andere Vogelarten beginnen die Eulen dann meist im März mit der Brut, Uhu und Waldkauz gelegentlich schon im Februar. Sie gewinnen damit wertvolle Zeit für die Jungenaufzucht, denn die strenge Witterung des ausgehenden Winters kann ihnen nur wenig anhaben und ausreichend Nahrung ist bereits verfügbar“, so Torben Langer.

Im Gegensatz zu der gut hörbaren Eulenbalz, ist die Balz der Greifvögel tagsüber vor allem sichtbar. „Mit akrobatischen Balzflügen will das Männchen dem Weibchen imponieren, aber auch gemeinsame Flugmanöver gehören zur Balz. Besonders spektakulär sind diese beispielsweise beim Seeadler“, sagt Torben Langer. Der häufigere Mäusebussard beginnt im März mit seinen sogenannten Girlandenflügen, die der Revierabgrenzung dienen. Auch die Übergabe von Nistmaterial, der gemeinsame Horstbau oder die Renovierung eines bestehenden Horsts gehören zur Balz.

Besonders rasant sind die Balzflüge der Falken, wenn sie sich in raschem Gleitflug nach unten stürzen. Zur Balz zählen auch Futtergeschenke, um die Beziehung zu festigen. So übergeben Wander- und Turmfalke zunächst in Horstnähe und später auch direkt am Horst Beute. „Falkenmännchen wollen mit dem Beweis ihres Jagdgeschicks ihre Artgenossinnen von sich überzeugen, indem sie zeigen, dass sie Weibchen und Junge während der Brutphase gut mit Futter versorgen können“, sagt der Biologe.

Über die zahlreichen LBV-Webcams unter www.lbv.de/webcams lassen sich mit etwas Glück auch Teile der Greifvogelbalz beobachten.

LBV-Naturtelefon: Kompetente Beratung zu Naturschutzthemen
Zu Fragen rund um Vögel und Vogelfütterung und allen weiteren Themen, die Wildtiere wie Igel, Fledermäuse, Insekten oder Eichhörnchen und Garten betreffen, bietet der bayerische Naturschutzverband kostenlose Beratung am LBV-Naturtelefon an. Sie erreichen das LBV-Naturtelefon Montag bis Freitag von 9 bis 11 sowie von 14 bis 16 Uhr unter 09174/4775-5000.

Presseinformation 09-24

 

Ergebnis der "Stunde der Wintervögel":

 

Unerwartete Gäste in Bayerns Gärten

 

Zugvögel im winterlichen Bayern – Nordische Gäste von Bergfink bis Seidenschwanz

 

Hilpoltstein, 25.01.2024 – Bayern hat einen Vogel. Um genau zu sein sogar viele: Über 600.000 gefiederte Gäste in knapp 20.000 Gärten zählten die mehr als 26.500 Teilnehmenden am Wochenende vom 5. bis 7 Januar im Rahmen der "Stunde der Wintervögel" 2024. Jetzt liegen die finalen Ergebnisse der bürgerwissenschaftlichen Aktion vom bayerischen Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und seinem bundesweiten Partner NABU vor und geben spannende Einblicke in die Vogelwelt im Siedlungsraum. "Am Zählwochenende gab es einiges zu beobachten: Daheimgebliebene Zugvögel, nordische Gäste und andere unerwartete Vögel, viele belegt mit einmaligen Fotos. Beobachtungen von Waldohreulen bis hin zu Seidenschwänzen meldeten uns die Bürgerinnen und Bürger aus den Gärten, Parks und von den Balkonen des Freistaats", so die LBV-Biologin Dr. Angelika Nelson.

Nach einigen Monaten mit zum Teil sehr starken Temperaturschwankungen im Freistaat hatte der LBV das Zählwochenende der 19. "Stunde der Wintervögel" mit Spannung erwartet. "Die nun vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass einige Kurzstreckenzieher wie Mönchsgrasmücke, Zilpzalp, oder Hausrotschwanz den Wetterkapriolen getrotzt haben und in ähnlicher Anzahl wie in den Vorjahren in den Gärten des Freistaats anzutreffen sind", so Angelika Nelson. Überrascht waren Vogelbeobachter und Vogelbeobachterinnen aus den Landkreisen Rosenheim, Neu-Ulm und München, als sie je ein Sommergoldhähnchen im Garten entdeckten. "Genaue Beschreibungen und Fotos, bestätigten, dass es sich um Sommergoldhähnchen und nicht um die im Aussehen sehr ähnlichen Wintergoldhähnchen handelte", so Nelson. Während das Wintergoldhähnchen die kalten Monate über in Bayern bleibt, fliegt das Sommergoldhähnchen üblicherweise in den westlichen Mittelmeerraum ab. "Beobachtungen von Kurzstreckenziehern sind schon länger kein Einzelfall mehr. Diese Entwicklung werden wir auch in den kommenden Jahren im Zusammenhang mit dem Klimawandel im Auge behalten", erklärt Nelson.

Und es gab noch mehr unerwartete Gäste: Eine Teilnehmerin im Landkreis Würzburg entdeckte vom Balkon aus, am gegenüberliegenden Baum mehrere Waldohreulen. Besonders in strengen Wintern suchen sich bis zu einem Dutzend Waldohreulen einen gemeinsamen Schlafbaum im geschützten Siedlungsraum. "Es freut uns, wenn Leute durch die Teilnahme an der Stunde der Wintervögel neue Vogelarten in der unmittelbaren Umgebung für sich entdecken. Dadurch erhöht die Aktion auch die Artenkenntnis in der Bevölkerung," so die LBV-Biologin.

Nordische Gäste in Bayern

Aufgrund eisiger Temperaturen und Schnee in Skandinavien flogen am Zählwochenende auch zahlreiche nordische Gäste an die Futterstellen in Bayern. Gimpel, Bergfinken, Kernbeißer oder Schwanzmeisen waren zum Teil in großen Trupps zu sehen und bescherten einigen Teilnehmenden ein unvergessliches Erlebnis. Wer Glück hatte, konnte sogar einen Seidenschwanz entdecken. "Sein Zugverhalten unterliegt starken Schwankungen. In manchen Wintern taucht der Seidenschwanz in großer Zahl invasionsartig in Mitteleuropa auf, in anderen Jahren bekommt man ihn hier kaum zu Gesicht", so Angelika Nelson.

Reges Treiben an den Futterstellen

Im Vergleich zum Vorjahr herrschte zur diesjährigen "Stunde der Wintervögel" ein reges Treiben in den bayerischen Gärten: Durchschnittlich konnten Vogelfreund*innen knapp über 32 Vögel (Vorjahr: 30) pro Garten zählen. "Jährliche Schwankungen in der Anzahl der Vögel sind zu erwarten. Wichtig ist aber, den langfristigen Trend im Vogelbestand im Auge zu behalten, ", sagt die LBV-Vogelexpertin. Dieser sieht leider nicht so positiv aus: Seit Beginn der Aktion nimmt die Anzahl der gemeldeten Vögel pro Garten stetig ab. Das bunte Vogel-Treiben an diesem Zählwochenende ist wohl auch auf die zahlreichen Futterstellen in den Gärten und auf den Balkonen zurückzuführen. 93 Prozent der Teilnehmenden gaben an, Vögel zu füttern. Am Futterhäuschen lassen sich Vögel besonders gut beobachten und zählen.

Regionale Unterschiede

Die meisten gefiederten Gäste zählten mit durchschnittlich 38 Vögeln pro Garten die Teilnehmenden in Niederbayern. Das liegt vermutlich daran, dass jeder sechste Teilnehmende dort an einem sehr großen Zählort mitgemacht hat. In Oberbayern hingegen ist nur ein Drittel der Zählorte sehr groß – dort wurden mit knapp unter 30 Vögeln pro Garten die wenigsten gefiederten Gäste gezählt. Schwaben, Oberpfalz und Oberfranken liegen mit 35 und 33 Vögeln pro Garten leicht über dem bayernweiten Durchschnitt. Unter- und Mittelfranken liegen mit knapp unter 32 Vögeln pro Garten etwas darunter. Weitere landkreisgenaue Ergebnisse können eingesehen werden unter www.stunde-der-wintervoegel.de.

Gesamtergebnis Bayern

An die Spitze flattert in diesem Jahr trotz seiner Abnahme in einigen Großstädten einmal mehr der Haussperling. Kohlmeise und Feldsperling folgen ihm aufs Siegertreppchen. Platz 4 holt sich die Blaumeise, noch vor der Amsel. "Die Top 5 bleibt damit unverändert zum letzten Jahr", sagt Angelika Nelson. Der Buchfink landet auf Rang 6. Die Plätze 7 und 8 belegen Grünfink und Elster. Der Erlenzeisig, der die Top 10 im vergangenen Jahr knapp verfehlt hatte, schafft es diesmal auf Rang 9. Das Rotkehlchen macht die Liste der 10 am häufigsten beobachteten Wintervögel in Bayerns Gärten komplett.

"Schulstunde der Wintervögel"

Im Rahmen der "Schulstunde der Wintervögel" zählten dieses Jahr Kinder aus 75 Schulen in 47 Gemeinden die Vögel rund um ihre Schule. "Die ,Schulstunde der Wintervögel‘ ist eine großartige Möglichkeit, um Kindern die heimischen Vogelarten näher zu bringen, und sie so zukünftig auch für ihren Schutz zu sensibilisieren", erklärt Angelika Nelson.

Die nächste Vogelzählung findet vom 9. bis 12. Mai 2024 statt. Dann rufen der LBV und sein bundesweiter Partner NABU die Menschen auf, bei der "Stunde der Gartenvögel" die Brutvögel in den Gärten und Parks zu erfassen. Auch Schule sind dann wieder eingeladen mitzuzählen.

Infos zur Aktion unter www.stunde-der-wintervoegel.de

Pressebilder unter: www.lbv.de/sdw-presse

 

Presseinformation 07-24

 

LBV: Bayern braucht dringend besseren Hochwasserschutz

 

Konsequentes Umdenken überfällig: Wasser nicht ableiten, sondern in der Fläche halten – Bayerns Bäche renaturieren

 

Hilpoltstein, 22.01.2024 – Das Winterhochwasser in weiten Teilen Deutschlands hat erneut gezeigt, welche dramatische Folgen Starkwetterereignisse haben. Da in der Klimakrise über Tage andauernde Regenfälle immer häufiger auftreten werden, muss sich auch Bayern gegen Hochwasser wappnen. Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) fordert deshalb von der bayerischen Staatsregierung ein bewusstes Umdenken, um mehr Wasser in den Flächen zu halten. „Die Hochwasserproblematik in Bayern hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verschärft. Doch der Freistaat setzt vorrangig auf technische Lösungen, wie den Bau von Poldern. Natürlicher Hochwasserschutz wird dagegen viel zu wenig in Betracht gezogen“, kritisiert der LBV-Geschäftsführer Helmut Beran. „Schon seit langem fordert der LBV, mindestens 10.000 Kilometer der bayerischen Bäche bis 2028 zu renaturieren. Das ist nicht nur aktive Hochwasservorsorge, sondern fördert die biologische Vielfalt und ist eine effektive Maßnahme gegen die zunehmende Trockenheit.“

Die Hochwasser-Problemlage aus Sicht des LBV: Der massive Ausbau und die umfassenden Begradigungen von Flüssen und Bächen lässt das Wasser zu schnell abfließen. Feuchtwiesen, Auen und Moore als natürliche Wasserspeicher wurden großflächig entwässert. Und die ungebremste Versiegelung von Flächen im Straßenbau und in neuen Bau- und Gewerbegebieten verhindert, dass Regenwasser im Boden versickern kann. Die aktuellen Zahlen des Statistischen Landesamtes zeigen eine deutliche Zunahme des Flächenverbrauchs.

„Wirkungsvollste Maßnahmen im Hochwasserschutz sind die Wiedervernässung von trockengelegten Feuchtwiesen und Mooren. Diese sind unterschätze Klimaschützer, weil sie im natürlichen Zustand große Mengen an Kohlenstoff speichern“, so Beran. Gleichzeitig leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt. Gefährdete Arten wie Bekassine, Sonnentau und Torfmoose kommen nur intakten Mooren vor. „Wenn Bayern das Klima und somit unsere Zukunft ernsthaft schützen will, kann es nicht sein, dass im Rahmen landwirtschaftlicher Intensivierung immer noch Moore trockengelegt und Feuchtwiesen mit Drainagen entwässert werden“, betont Helmut Beran.

Natürliche Bäche: Politik muss Kommunen besser unterstützen

In Zeiten von zunehmender Trockenheit und Wasserknappheit muss Bayern aus Sicht des LBV auf natürliche Bäche setzen. „Dynamische Flüsse mit angrenzenden Auen als natürliche Überflutungsgebiete bewahren das Wasser viel länger in der Fläche als begradigte Bäche“, so Beran. Für Bayerns Bäche sind die Kommunen verantwortlich, die sich dabei aus Erfahrung des LBV oft allein gelassen fühlen. „Um die dringend notwendige Aufklärungsarbeit und die Beratung der Kommunen sicherzustellen, wird mehr Personal in den zuständigen Behörden benötigt. Auch muss die Beantragung von Fördermitteln für die Umsetzung der Maßnahmen vereinfacht werden“, fordert der LBV-Geschäftsführer.

Bayern verfehlt EU-Richtlinie

Stand jetzt wird Bayern seine gesetzlichen Verpflichtungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie deutlich verfehlen. Der Freistaat muss daher ohnehin seine Anstrengungen für die Qualität der Gewässer deutlich erhöhen. „Die Bayerischen Bäche endlich großflächig zu renaturieren und damit Klima-, Hochwasser- und Artenschutz gleichzeitig zu sichern, sollte für die Staatsregierung ein absolutes Selbstverständnis sein“, so Helmut Beran.

Kuscheltier   Mietze Katze
Foto © Marcus Bosch

Thema Artenschutz:

Soll der Wolf weiter streng geschützt werden?

Ausschnitt vom Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 8. Januar 2024, 17:15 Uhr

Die EU erwägt, den Schutzstatus für Wölfe zu senken: Wölfe könnten dann schneller abgeschossen werden. Aber ob das helfen würde, ist fraglich. Von Tina Baier Siebzehn Mal hat die Wölfin mit dem Kürzel GW3092f in Hessen zugeschlagen und vor allem Schafe und Ziegen gerissen. Ihr Partner, GW3222m, ist in Hessen dreimal als Angreifer von Nutztieren registriert. Dafür waren seine Attacken umso heftiger. Der Rüde fiel jedes Mal gleich mehrere Schafe an, manchmal bis zu zwölf an einem Tag. Das problematische Paar sprang dabei über elektrische Schutzzäune, die eigentlich als wolfssicher galten. Für Norbert Schäffer, den Vorsitzenden des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV), ist genau das der entscheidende Punkt: "Es ist für uns nachvollziehbar und akzeptabel, dass Wölfe, die mehrmals Schutzzäune überwinden und Nutztiere reißen, entnommen werden", sagt er. "Entnehmen" bedeutet in der Regel: erschießen. Der zunächst genehmigte Abschuss der beiden Wölfe in Hessen wurde aufgrund von Eilanträgen zweier Umweltverbände vorläufig gestoppt. Zur Begründung hieß es, Wölfe seien streng geschützt und dürften deshalb grundsätzlich nicht getötet werden. Norbert Schäffer weiß, dass er sich mit seiner Haltung bei vielen anderen Natur- und Tierschützern unbeliebt macht. Schäffer nimmt aber auch die Sorgen von Landwirten ernst, die wie Rhönschäfer Julian Schulz ihre Herden vorschriftsmäßig mit Abwehrzäunen schützen und trotzdem zusehen müssen, wie ihre Tiere gerissen werden. "Wir wollen einen pragmatischen und sachlichen Umgang mit dem Wolf", sagt er. Vom Vorschlag der Europäischen Kommission, die europaweit strengen Schutzregeln für Wölfe zu lockern und den Status des Wolfs von "streng geschützt" auf "geschützt" abzusenken, hält Schäffer allerdings nichts. Eine solche Änderung, die die Kommission kurz vor Weihnachten vorgeschlagen hat, würde es nämlich ermöglichen, auch Wölfe zu jagen, die noch nie in ihrem Leben ein Schaf gerissen oder auch nur eine Weide betreten haben.

Fortsetzung hier!

 
 
Ernährungssicherheit gibt es nur mit Natur- und Klimaschutz
Umweltleistungen von Landwirten müssen in Zukunft besser honoriert werden
 

 

Hilpoltstein, 12.01.2024 – Im Zusammenhang mit den anhaltenden Bauernprotesten, bei denen der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) Verständnis für die Sorgen der Bäuerinnen und Bauern hat, möchten die Artenschützer den Fokus der aktuellen Diskussionen auf die Zukunftsperspektiven der Landwirtinnen und Landwirte lenken. „In den nun dringend erforderlichen Dialogen und Programmen muss es darum gehen, dass Landwirtinnen und Landwirte in Zukunft natur- und klimaverträglich wirtschaften können. Schließlich sind sie selbst durch Überflutungen, Dürren, Erosion und Ertragsminderungen aus Mangel an Blütenbestäubern und Artenvielfalt vom Klimawandel und geschädigten Lebensräumen stark betroffen“, erklärt der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer. Er ergänzt: „Sinnvoller als Steuerbefreiungen für Agrardiesel und Traktoren ist es, dass die Agrarpolitik Leistungen von Landwirten für den Schutz von Boden, Wasser, Artenvielfalt und Klima angemessen honoriert.“ Für eine bessere Wirtschaftlichkeit der landwirtschaftlichen Betriebe steht aus Sicht des LBV der Handel in der Pflicht, höhere Preise an die Erzeuger zu bezahlen. „Bereits wenige Cent mehr pro Liter Milch würden deutlich mehr Einkommen generieren als die von der Bundesregierung geplanten Streichungen ausmachen“, so Schäffer.

Der LBV hat Verständnis für den Unmut von Bäuerinnen und Bauern wegen überbordender Bürokratie. So würde die Vereinfachung und Flexibilisierung zahlreicher Regeln auch die Motivation für freiwillige und dringend notwendige Umweltmaßnahmen erhöhen. „Deshalb setzen wir uns schon länger beim bayerischen Landwirtschaftsministerium und der Europäischen Kommission für bürokratische Vereinfachungen ein“, sagt LBV-Landwirtschaftsreferent Matthias Luy.

Im Zuge der derzeitigen Bauernproteste weist der LBV darauf hin, dass die Zukunftskommission Landwirtschaft den vom Deutschen Bauernverband mitgetragenen Weg bereits aufgezeigt hat, wie das Landwirtschafts- und Ernährungssystem in den nächsten Jahren umgebaut werden muss, um die Herausforderungen Klima- und Biodiversitätskrise, Tierwohl und Ernährungssicherheit zu bewältigen. „Als dialogorientierter Umweltverband appellieren wir deshalb an Bauernverbände und Politikerinnen und Politiker, die langfristigen Herausforderungen gemeinsam mit Umweltverbänden anzugehen“, so Norbert Schäffer.

Äußerst irritiert zeigt sich der LBV von der Aussage von Landesbäuerin Christine Singer, die beim Dreikönigstreffen der Freien Wähler sagte, dass die Lebensmittelsicherheit über Klimaschutz und Artenvielfalt stehe. Dabei sind sichere Erträge in der Landwirtschaft langfristig ohnehin nur möglich sind, wenn Wasser, Bodenleben und Insektenvielfalt in gutem ökologischem Zustand sind und das Klima weitgehend stabil bleibt. „Der Erhalt der natürlichen Produktionsgrundlagen ist die Voraussetzung für Ernährungssicherheit“, sagt Matthias Luy.
LBV

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Info: energy-charts
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Klimaschutztipp: Klimaschutz im Auto

 

Klimaschutz im Auto scheint paradox, aber auch im Auto lässt sich der Energieverbrauch und damit der Verbrauch von Sprit (bzw. Strom im Stromer) senken. Der ADAC rät „Schalten Sie elektrische Verbraucher nur dann ein, wenn sie unbedingt benötigt werden, und schalten Sie sie aus, sobald sie ihre Schuldigkeit getan haben. Wer also die Heckscheibenheizung ausschaltet, sobald die Scheibe frei ist, oder die Sitzheizung nicht während der ganzen Fahrt laufen lässt, schont Tankinhalt und Geldbeutel.“ Da man in der kalten Jahreszeit im Auto meist warm gekleidet sitzt, lohnt es sich auch, die Innenraumheizung allenfalls auf niedriger Stufe laufen zu lassen. Aus Sicherheitsgründen keinesfalls mit Strom geizen sollte man hingegen bei jenen elektrischen Verbrauchern, die die eigene Sicherheit betreffen, etwa bei der Beleuchtung. Details dazu findet Ihr hier.

Warum ist dieser Tipp sinnvoll? Freilich ist es besser, das Fahrrad oder Öffis zu nehmen. Viele von Euch haben wie ich aus Überzeugung kein Auto und in der Stadt lebt es sich erfahrungsgemäß ohne Auto deutlich besser als viele denken. In der Stadt ist das Auto für die meisten unnötig, aber das ist nur eine Seite der Medaille. Als auf dem Land Aufgewachsener weiß ich, dass dort ein eigenes Auto bislang für viele unverzichtbar ist, In meinem Heimatdorf gibt es weder Einkaufsmöglichkeiten noch Ämter und auch kaum Arbeitsplätze. Solange es kaum Öffis-Verbindungen gibt, ist für solche Betroffene der Rat, auf Öffis und Fahrrad umzusteigen, nicht hilfreich. Daher, aber auch für Fälle, in denen das Auto unnötig verwendet wird, sind aus meiner Sicht Klimaschutzmaßnahmen beim Autofahrenim Sinne der Nachhaltigkeit zielführend.

 

 
 
Bayern hat keine Lösung für den Flächenfraß
Trotz Gerichtsurteil will der Freistaat im Bundesrat eine Verlängerung des Beschleunigungsparagrafen 13b erreichen
 

 

Hilpoltstein, 22.11.2023 – Obwohl im Sommer ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts ein Gesetz der Bundesregierung zum beschleunigten Bauen als nicht mit EU-Recht vereinbar sah, will Bayern mit einem Antrag im Bundesrat erreichen, dass bis Ende 2028 in großem Umfang auf der grünen Wiese gebaut werden kann. "Mit diesem Antrag lässt Bayern jegliche ernsthaften Bemühungen zum Flächensparen vermissen. Der Flächenfraß im Freistaat ist seit Jahren konstant hoch und mit dieser Initiative wird er weiter angeheizt", kritisiert LBV-Geschäftsführer Helmut Beran die Pläne der Staatsregierung. Das Gerichtsurteil hatte die fehlende Umweltprüfung bemängelt und hatte damit erhebliche Auswirkungen für die Kommunen in Bayern. Denn Bebauungspläne, die nach dem "Beschleunigunsgparagrafen" 13b des Baugesetzbuches innerhalb des letzten Jahres beschlossen wurden, sind unwirksam. Laufende Vorhaben müssen in ein Regelverfahren geändert werden.

Bisher ist der Paragraf 13b befristet und würde Ende 2024 auslaufen. Sollte der Antrag der Staatsregierung von Bundesrat und Bundestag beschlossen werden, könnten Neubaugebiete am Ortsrand mindestens noch fünf weitere Jahre bis 31. Dezember 2028 beschleunigt ausgewiesen werden. "Mit diesem Bundesrats-Antrag zeigt die Staatsregierung, dass sie kein ernsthaftes Interesse hat, aktiv gegen den Flächenfraß vorzugehen. Stattdessen greift die Staatsregierung im Koalitionsvertrag zu Rechentricks, um den wirklichen Flächenverbrauch zukünftig kleinzurechnen," kritisiert Helmut Beran.

Der LBV sieht den Paragrafen 13b des Baugesetzbuches äußerst umstritten. Denn neben der fehlenden Umweltprüfung entfällt bei diesen Verfahren insbesondere die Verpflichtung zu einem naturschutzfachlichen Ausgleich des Eingriffs. "Geht es nach dem Willen der Bayerischen Staatsregierung soll weiterhin die gesetzliche Eingriffsregelung außer Kraft gesetzt bleiben und die Öffentlichkeit nur noch einmal im Verfahren beteiligt werden", so der LBV-Geschäftsführer. Die Umweltprüfung hingegen muss aufgrund des Gerichtsurteils nun nach einem Regelverfahren erfolgen.

Gegen den Antrag der Bayerischen Staatsregierung spricht außerdem eine Studie des Umweltbundesamtes von 2020, die belegt, dass der "Beschleunigungsparagraf" das Ziel der Schaffung von Wohnraum klar verfehlt hat. Die Studienergebnisse zeigen, dass Ballungsräume durch den Paragrafen 13b nicht entlastet wurden, dafür aber vor allem in ländlichen Gemeinden unter 5.000 Einwohnern in großem Umfang von der Beschleunigung Gebrauch gemacht wurde. Die Folge: flächenintensive Einfamiliensiedlungen auf der grünen Wiese. "Dieses Gesetz ist nachweislich ein Flächenfraß-Booster, der Natur und Landschaft zerstört und keinen Beitrag zur Linderung der Wohnungsnot liefert", sagt Beran.

Presseinformation 125-23 der LBV-Landesgeschäftsstelle