Presseinformation 53-26
 
30 Jahre LBV-Kindergarten arche noah: Nachhaltigkeit von Anfang an leben
Deutschlands erster Kindergarten eines Naturschutzverbands feiert Jubiläum
 

 

Hilpoltstein, 18.06.2026 – Hip, Hip, Hurra: 1996 eröffnete der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) im mittelfränkischen Hilpoltstein den Kindergarten arche noah. Damit wurde er als erster Naturschutzverband Deutschlands Träger eines Kindergartens. Heute, 30 Jahre später, gilt die Einrichtung nach wie vor als Vorreiter für nachhaltige Bildung und gelebte Inklusion. "Damals war uns schon klar, dass junge Menschen mehr über die Natur wissen müssen. Sie sollten zumindest so viele Arten kennen wie Automarken", sagt der ehemalige LBV-Vorsitzende Ludwig Sothmann, unter dem der LBV-Kindergarten gegründet wurde. Besonders macht den LBV-Kindergarten, dass dort in jedem Bereich Nachhaltigkeit bis ins kleinste Detail gelebt wird
Der sogenannte Whole-Kita-Approach verfolgt das Ziel, Nachhaltigkeit in allen Bereichen einer Einrichtung zu verankern. Das pädagogische Konzept sieht vor, dass Themen wie Upcycling, Konsum und Müllvermeidung mit den Kindern behandelt werden. "Kinder erfahren bei uns, dass sie Teil der Natur sind und dass ihr eigenes Handeln einen Unterschied macht. Gerade angesichts der großen ökologischen Herausforderungen unserer Zeit ist das wichtiger denn je", betont Magdalena Buckreus, LBV-Referatsleiterin Bildung für nachhaltige Entwicklung. Doch damit nicht genug: Im Sinne des Whole-Kita-Approach verwendet der Kindergarten nur umweltfreundliche Reinigungsmittel sowie nachhaltige Spielmaterialien und arbeitet nach dem Grundsatz "Reparieren statt Wegwerfen". Auch verfolgt der Kindergarten das Konzept der Partizipation. Kinder können bei vielen Dingen selbst mitentscheiden und erfahren so, dass ihre Meinung zählt.

Den Rhythmus den LBV-Kindergartenjahres bestimmen die Jahreszeiten. Gemeinsam erleben die Kinder die Veränderungen in der Natur, beobachten die ersten Frühlingsboten und feiern Erntefeste. Eine wichtige Rolle spielt dabei die unmittelbare Naturerfahrung. "Jeden Freitag verbringen die Kinder den gesamten Tag draußen – egal ob es regnet oder schneit. Wälder, Wiesen und Gewässer werden zu Lernorten, an denen sie Tiere und Pflanzen entdecken und Zusammenhänge selbst erleben können", erklärt Svenja Hannich, Leiterin des LBV-Kindergartens.

Gelebte Inklusion
Neben der ökologischen Ausrichtung gehört die Inklusion zum Selbstverständnis der Einrichtung. Kinder mit erhöhtem Förderbedarf werden gemeinsam mit allen anderen Kindern begleitet. Unterstützt werden sie dabei unter anderem durch eine eigene Heilpädagogin. "Jedes Kind bringt eigene Stärken und Bedürfnisse mit. Unser Ziel ist es, allen Kindern die gleichen Chancen auf Entwicklung und Teilhabe zu ermöglichen", sagt Hannich. Auch beim Essen setzt arche noah auf Nachhaltigkeit. Das Mittagessen wird täglich frisch von einem regionalen und inklusiven Caterer zubereitet und ist vollständig vegetarisch. So lernen die Kinder früh einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln kennen.

Mit dem Kindergarten arche noah hat der LBV bereits vor 30 Jahren gezeigt, dass Naturschutz, Nachhaltigkeit und Inklusion zusammengehören. An diesem Ort können Kinder Zukunftskompetenzen entwickeln, Natur mit allen Sinnen erleben und Nachhaltigkeit nicht nur lernen, sondern jeden Tag leben. Auch in Zukunft wird der LBV Kindergarten arche noah ein lebendiger Ort bleiben, an dem Kinder lernen, Verantwortung für sich, ihre Mitmenschen und die Natur zu übernehmen. Angesichts globaler Herausforderungen wie Klimawandel, Artensterben und gesellschaftlicher Vielfalt gewinnt dieses ganzheitliche Bildungsverständnis weiter an Bedeutung. So wächst im Kleinen, was im Großen entscheidend ist: eine Generation, die mit Offenheit, Wissen und Empathie die Welt von morgen aktiv und verantwortungsvoll gestaltet.

Umweltbildung im LBV
Seit über 40 Jahren betreibt der bayerische Naturschutzverband LBV Umweltbildung sowie Bildung für nachhaltige Entwicklung und nimmt dabei bundesweit eine Vorreiterrolle ein. Das generationenübergreifende Bildungsangebot des LBV richtet sich an Kitas, Schulen, Familien und Seniorenheime. Während der LBV in seinen 16 bayernweiten Umweltbildungseinrichtungen (davon 11 staatlich anerkannte Umweltstationen) jährlich über 130.000 Besucher*innen begeistert, bietet das digitale Umweltbildungsprojekt "Naturschwärmer" online zahlreiche, nachhaltige Aktionsideen für Familien. Kitas und Schulen können sich um die Auszeichnungen "ÖkoKids - KindertageseinRICHTUNG NACHHALTIGKEIT" bzw. "Umweltschule in Europa / Internationale Nachhaltigkeitsschule" bewerben. Die vielfältigen LBV-Bildungsprogramme vermitteln zukunftsrelevante Kompetenzen und Werte und leisten einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Die Umweltbildung des LBV ist mehrfach ausgezeichnet, unter anderem als Mitglied des Qualitätsnetzwerks "BNE.Bayern" und als Lernort und Netzwerk der deutschen UNESCO-Kommission

 

Presseinformation 52-26
 
Mehrere Gänsegeier auf Erkundungstour durch Bayern
Beeindruckende Greifvögel aktuell an mindestens fünf Orten im Freistaat zu beobachten – Tragischer Tod eines Gänsegeiers im Unterallgäu
 

 

Hilpoltstein, 17.06.2026 – Vom LBV im Jahr 2017 noch als absolute Seltenheit eingeordnet, ist es mittlerweile zu einem immer häufigeren Naturphänomen geworden: Kreisende Gänsegeier über Bayern. Aktuell lassen sich die beeindruckenden Greifvögel mit etwas Glück an mindestens fünf verschiedenen Orten im Freistaat beobachten. So wurden dem bayerischen Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) in den vergangen Tagen Sichtungen bei Bayreuth, im Oberallgäu, im Landkreis Fürstenfeldbruck, am Ammersee und im Karwendelgebirge bei Mittenwald gemeldet (siehe Fotos). Außerdem flog ein besenderter Gänsegeier, der mittlerweile wieder in den Alpen ist, am Samstag über Mittelfranken hinweg. „Bayern erhält derzeit hohen Besuch von jungen Gänsegeiern aus Südeuropa, die auf ausgedehnten Erkundungstouren im Freistaat unterwegs sind“, erklärt LBV-Geierexperte Toni Wegscheider. Bei aller Freude über die spektakulären Besucher kam ein Vogel am Sonntag im Unterallgäu leider ums Leben.
Die Vögel stammen höchstwahrscheinlich aus dem Friaul, Kroatien oder Südost-Frankreich. Da Gänsegeier erst ab einem Alter von fünf bis sechs Jahren brüten, haben die Junggeier vorher viel Zeit, Erfahrungen zu sammeln und die Welt zu erkunden. „Dass der Einflug im späten Frühling erfolgt, ist kein Zufall. Geiereltern müssen jetzt ihren aktuellen Nachwuchs versorgen, da bleibt in der Hierarchie am Futterplatz für die Halbwüchsigen wenig übrig. Sie verlassen daher die angestammten Gebiete und fliegen dabei im Extremfall auch bis zu uns“, so Wegscheider weiter.

Die Geier suchen in Bayern nach Nahrung, aber nicht nach neuen Revieren. In wenigen Tagen oder Wochen werden die Gänsegeier weiterziehen und so plötzlich wieder verschwinden, wie sie gekommen sind. Pro Tag legen sie mühelos 300 bis 400 Kilometer zurück. „Anhand des typischen nackten Geierhalses können auch Laien die Vögel recht gut erkennen“, weiß der LBV-Geierexperte. Wer einen Geier beobachtet, kann diesen am besten mit Datum, Uhrzeit, Foto und möglichst genauem Standort dem LBV melden unter: [email protected].

Toter Gänsegeier im Unterallgäu
Doch die in Zukunft in Bayern wohl immer häufiger auftretenden Gänsegeier sind bei uns auch tödlichen Gefahren ausgesetzt. Fressen sie mit Bleimunition belastetes Aas, so führen die Schwermetalle zu einer tödlichen Bleivergiftung. Auf diese Weise starb erst im Vorjahr ein Gänsegeier im Unterallgäu, 2022 ereilte das gleiche Schicksal einen Geier im Landkreis Starnberg. Am vergangenen Sonntag entdeckte nun eine Spaziergängerin südlich von Warmisried bei Mindelheim einen weiteren toten Gänsegeier, diesmal in der Nähe einer Windkraftanlage. Im Anschluss wurde unter anderem der LBV-Kreisvorsitzende Leo Rasch informiert. „Offensichtlich wurden dem Vogel beim Durchflug der Windkraftanlage die Beine und der Steiß abgeschlagen. Die massiven Verletzungen müssen dazu geführt haben, dass der Geier sofort abgestürzt und gestorben ist “, erklärt Rasch. „Neben Bleivergiftungen stellen auch ungesicherte Windräder ein tödliches Risiko für Gänsegeier dar. Wir fordern deshalb bessere Schutzmaßnahmen für Greifvögel an Windrädern, mitunter auch an bestehenden Anlagen“, so der LBV-Vorsitzende der Kreisgruppe Unterallgäu.

Hintergrund
Das europäische Hauptvorkommen des Gänsegeiers liegt in Spanien, wo mit rund 20.000 Brutpaaren über 90 Prozent seines Bestands leben. Während der Sommermonate halten sich die Jungvögel aber auch fernab ihrer Brutgebiete auf. Mit einem Gewicht von sechs bis elf Kilogramm und einer Flügelspannweite von bis zu 2,70 Meter sind Gänsegeier größer als See- und Steinadler und fast doppelt so groß wie Bussarde und Milane. Sie kommen ohne weiteres drei bis vier Wochen ohne Nahrung aus.

 

Gemeinsame Presseinformation
 
Gemeinsames Statement von LBV und BUND Naturschutz in Bayern anlässlich des Dringlichkeitsantrags von CSU und FW im bayerischen Landtag zur Abschaffung der EU-Wiederherstellungsverordnung
LBV und BN: Wiederherstellung der Natur ist eine Chance für Bayern
Verantwortung übernehmen, statt bremsen
 

 

Hilpoltstein/München, 17.06.2026 – Die EU-Wiederherstellungsverordnung (WVO) ist ein weltweit einmaliges Gesetz zum Erhalt und der Wiederherstellung unserer natürlichen Lebensgrundlagen und ein riesiger Erfolg für den Naturschutz. 2024 haben die Mitgliedsstaaten beschlossen, ihre Meere und Flüsse, Wälder und Felder gemeinschaftlich für die Zukunft zu stärken. Das EU-Renaturierungsgesetz konkretisiert dabei vor allem bestehende Verpflichtungen, setzt einheitliche europäische Standards und schafft eine neue Verbindlichkeit mit konkreten Zeithorizonten. Die Fraktionen von CSU und FW haben heute per Dringlichkeitsantrag im bayerischen Landtag die Außerkraftsetzung der europäischen Verordnung zur Wiederherstellung der Natur gefordert. Die bayerischen Naturschutzverbände LBV und BUND Naturschutz kritisieren den Antrag, der heute höchstwahrscheinlich angenommen wird.
„Die Wiederherstellungsverordnung ist keine Bedrohung, sondern bietet uns die einmalige Chance, beim Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen alle gesellschaftlichen Kräfte zu bündeln. Diese dürfen wir nicht verpassen. Statt immer wieder zu fordern, die Verordnung abzuschaffen, muss der Fokus auf Lösungen liegen: Es gilt, Synergien zu nutzen und die jahrzehntelangen Umsetzungslücken im Naturschutz zu schließen. Die Bayerische Staatsregierung hat durch das Volksbegehren Artenvielfalt - ‚Rettet die Bienen!‘ einen klaren Handlungsauftrag. Wir erwarten, dass sie sich im Sinne dieses Auftrags zu ihrer europäischen Verantwortung bekennt und die Verordnung in Bayern praktikabel und rasch umsetzt“, so der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer.

„Anstatt die EU-Wiederherstellungsverordnung aus Bayern zu bekämpfen, sollte sich die Staatsregierung in Brüssel lieber dafür einsetzen, dass die Verordnung auf solide finanzielle Füße gestellt wird. Eine Trendumkehr beim Verlust unserer Arten zu erreichen, geschädigte Ökosysteme wieder in einen guten Zustand zu versetzen, Naturkatastrophen wie Dürren und Hochwasserereignisse abzufedern und Städte und Landschaften zu kühlen sind zentrale Ziele der WVO und unverzichtbar für den Erhalt unserer Lebensqualität. Die WVO ist ein effizientes und modernes Gesetz, das den Mitgliedsstaaten viel Flexibilität und Freiheit lässt. Die Bundesländer können in Deutschland selbst entscheiden welche Maßnahmen sie zur Umsetzung ergreifen“, erklärt der BN-Vorsitzende Martin Geilhufe.

 

Presseinformation 51-26
 
Sommerwetter in Bayern: Auch Vögel wollen Badespaß und kühle Drinks
Jetzt Wasser für Vögel und Insekten bereitstellen – LBV gibt Tipps und erklärt wichtige Grundregeln
 

 

Hilpoltstein, 17.06.2026 – Jetzt wird’s heiß: In den kommenden Tagen steht Bayern eine Hitzewelle mit Temperaturen über 30 Grad bevor. Doch während sich viele Menschen über Sonne und Badewetter freuen, leiden viele Tiere unter Hitze und Trockenheit. So auch unsere heimischen Gartenvögel: Viele natürliche Wasserstellen wie Pfützen und Gräben, auf die sie zum Trinken, Baden oder den Nestbau angewiesen sind, trocknen bei anhaltend sonnigem Wetter rasch aus. Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) rät deshalb, jetzt Vogeltränken aufzustellen und erklärt, was es dabei zu beachten gibt. "Nicht nur Vögel freuen sich über das kühle Nass: Auch andere Tiere wie Igel, Eichhörnchen oder Insekten nutzen die Tränken", erklärt die LBV-Biologin Dr. Angelika Nelson.
Eine Wasserstelle einzurichten, ist ganz einfach: eine flache Schüssel oder ein Blumentopf-Untersetzer genügt. Wichtig ist es jedoch, dabei auf Hygiene zu achten. "Vor allem bei großer Hitze muss das Wasser unbedingt täglich gewechselt und die Tränke gereinigt werden, da sich sonst schnell Krankheitserreger vermehren, die tödlich sein können", warnt Angelika Nelson. Chemische Reinigungsmittel sind dabei tabu. Es reicht, die Tränke mit einer Bürste zu reinigen. Wer zwei Wasserschalen abwechselnd benutzt, kann die eine Tränke 24 Stunden in der Sonne trocknen – auch das tötet eventuelle Parasiten. Die regelmäßige Reinigung und frisches Wasser verhindern zudem, dass Stechmücken angelockt werden und ihre Eier im Wasser ablegen, darunter auch die Tigermücke, die Krankheiten übertragen kann.

So einfach lässt sich eine Tränke einrichten
Vögel nehmen eine Tränke nur an, wenn sie sich dort sicher fühlen. "Vögel sind beim Baden und bei der Gefiederpflege sehr abgelenkt und können leicht zur Beute für anschleichende Katzen und andere Raubtiere werden. Ideal ist deshalb ein für Vögel gut einsehbarer, erhöhter Platz mit nahegelegenen Büschen und Bäumen, in die sich die Vögel bei Gefahr schnell flüchten können", rät die LBV-Biologin. Weiters nutzen Vögel die Wasserstelle auch zum Trinken. Eine Tränke mit flachem Schalenrand und rauem Boden bietet den Vögeln sicheren Halt. Übrigens baden manche Vögel auch gerne im Sand, um ihr Gefieder von Parasiten zu befreien. Wer keine offene Sandstelle im Garten hat, kann ganz einfach eine flache Schale mit Sand oder sehr trockener, staubiger Gartenerde füllen.

Lehmpfützen für bedrohte Nestbauer
Einige Vogelarten, besonders Schwalben, nutzen feuchten Lehm für ihren Nestbau. Doch genau dieser fehlt durch versiegelte Flächen immer häufiger – anhaltende Trockenheit tut ihr Übriges. Wer den Nestbauern helfen möchte, kann im Garten eine Lehmpfütze anlegen. Dafür braucht es nur Lehm, Wasser und etwas Stroh, angerührt in einer flachen Mulde oder Schale. Wichtig ist, dass die Pfütze in Nestnähe und möglichst offen liegt, damit Fressfeinden keine Deckung finden.

Und die Insekten?
Auch Hummeln, Bienen und Käfer brauchen in der Trockenperiode dringend Wasser. "Insekten benötigen das Wasser nicht nur als Durstlöscher, sondern auch zum Bau ihrer Nester. Manche Wildbienen nutzen zum Beispiel feuchten Lehm, um Brutzellen und Nesteingänge zu mauern. Das kann man auch großartig an einem Insektenhotel selbst beobachten", so Nelson. In einer flachen Schale mit Landeplätzen aus Steinen, Stöcken und etwas Moos können Insekten das Wasser sicher erreichen. Auch hier gilt: Das Wasser regelmäßig wechseln, um die Bildung von Krankheitserregern zu verhindern.

Jetzt für Plakette "Vogelfreundlicher Garten" bewerben
Naturnahe Gärten mit einem Gartenteich, Wildblumenwiesen und Bäumen, die Schatten spenden, sorgen für eine kühle, grüne Oase in Zeiten anhaltender Hitze – Sie sind ein wahrer Schatz für die Tierwelt. Der LBV vergibt gemeinsam mit dem Bayerischen Artenschutzzentrum am Landesamt für Umwelt (LfU) die Gartenplakette "Vogelfreundlicher Garten". Jetzt bewerben unter: www.vogelfreundlichergarten.de.

 

Presseeinladung
 
Bartgeier-Auswilderung 2026: LBV und Nationalpark Berchtesgaden setzen bekanntes Artenschutzprojekt fort
Zum sechsten Mal ziehen zwei junge Bartgeier in die Felsnische im Klausbachtal – heuer stammen die Vögel erstmals aus Frankreich und Belgien
 

 

Datum: Mittwoch, 24. Juni 2026
Zeit: 10.00 Uhr
Ort: Nationalpark-Informationsstelle Hintersee („Klausbachhaus“), Hirschbichlstraße 26, 83486 Ramsau (die gesamte Veranstaltung findet im Freien statt).

Anwesend:
Thorsten Glauber, Bayerischer Umweltminister
Dr. Roland Baier, Leiter Nationalpark Berchtesgaden
Dr. Norbert Schäffer, LBV-Vorsitzender
Fachexpertinnen und -experten aus dem „Bartgeier-Team“

Bereits zum sechsten Mal in Folge wildern der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und der Nationalpark Berchtesgaden zwei junge Bartgeier aus. In diesem Jahr stammen die beiden Jungvögel aus Frankreich und Belgien. Im Rahmen der nichtöffentlichen Veranstaltung am Klausbachhaus erhalten die Junggeier ihre Namen. Anschließend steigt das Bartgeier-Team mit den Jungvögeln zum Auswilderungsort in der Halsgrube auf und setzt die noch nicht flugfähigen Vögel in eine eingezäunte Nische an einer Felswand. Von dort werden sie in drei bis vier Wochen zu ihren Jungfernflügen aufbrechen. Mit dem Projekt soll die zentraleuropäische Population dieser Greifvögel gestärkt werden, die in Deutschland vor über 100 Jahren durch den Menschen ausgerottet wurden. Die Auswilderung dieser seltenen und faszinierenden Vogelart ist Teil eines internationalen Projekts zur Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen.

Wichtige Informationen zum Ablauf:
Nach einer kurzen, nichtöffentlichen Veranstaltung am Klausbachhaus mit Grußworten, Namensverkündung und Pressefotos der jungen Bartgeier, werden die Vögel gegen 10.30 Uhr in Transportkisten zu Fuß über den Halsalmweg in Richtung Auswilderungsnische getragen. Bis zur so genannten „Halsgrube“ (ca. 45 Minuten Gehzeit ab Klausbachhaus, steiler Bergweg) kann die Gruppe auf dem offiziellen Wegenetz begleitet werden. Ab hier steigt das Projektteam allein noch weitere ca. 45 Minuten weglos durch alpines Steilgelände zur Auswilderungsnische auf. Eine Begleitung ist ab der „Halsgrube“ aus Sicherheitsgründen nicht mehr möglich, da sich die Nische in alpinem, absturzgefährdetem Gelände befindet. Der abschließende Aufstieg in die Auswilderungsnische kann jedoch vor Ort vom offiziellen Bartgeier-Infostand, direkt am Wanderweg Nr. 472 zur Halsalm, durch Ferngläser und Spektive mitverfolgt werden.

Fotomaterial für Ihre Berichterstattung:
Ein von Nationalpark und LBV beauftragter Fotograf wird das Team bis zur Auswilderungsnische am Fuße der Reiteralm begleiten. Dort werden die jungen Bartgeier aus den Transportkisten in die exponiert gelegene und gesicherte Felsnische entlassen. Fotos (hochaufgelöste JPEG) stellen wir Ihnen bis ca. 14 Uhr zum Download und zur weiteren Verwendung für Ihre tagesaktuelle Berichterstattung zur Verfügung. Dazu werden wir Ihnen einen entsprechenden Downloadlink zukommen lassen.

Bitte teilen Sie uns bis spätestens 22. Juni unter [email protected] oder [email protected] mit, ob Sie an der Veranstaltung teilnehmen möchten und/oder an welche E-Mailadresse wir den Bilder-Link senden dürfen.

Wir freuen uns darauf, Sie am 24. Juni im Nationalpark Berchtesgaden begrüßen zu dürfen!

Zum Projekt:
Der Bartgeier (Gypaetus barbatus) zählt mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,90 Metern zu den größten, flugfähigen Vögeln der Welt. Anfang des 20. Jahrhunderts war der majestätische Greifvogel in den Alpen ausgerottet. Im Rahmen eines großangelegten Zuchtprojekts werden seit 1986 im Alpenraum in enger Zusammenarbeit mit dem in den 1970er Jahren gegründeten EEP (Europäisches Erhaltungszuchtprogramm) der Zoos junge Bartgeier ausgewildert. Das europäische Bartgeier-Zuchtnetzwerk wird von der Vulture Conservation Foundation (VCF) mit Sitz in Zürich geleitet. Während sich die Vögel in den West- und Zentralalpen seit 1997 auch durch Freilandbruten wieder selbstständig vermehren, kommt die natürliche Reproduktion in den Ostalpen nur schleppend voran. Ein vom bayerischen Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogelschutz) und dem Nationalpark Berchtesgaden initiiertes und betreutes Projekt zur Auswilderung von jungen Bartgeiern im bayerischen Teil der deutschen Alpen greift dies auf und unterstützt in Kooperation mit dem Tiergarten Nürnberg die alpenweite Wiederansiedelung. Dafür werden in den kommenden Jahren im Klausbachtal junge Bartgeier ausgewildert – im Jahr 2021 erstmals in Deutschland. Der Nationalpark Berchtesgaden eignet sich aufgrund einer Vielzahl von Faktoren als idealer Auswilderungsort in den Ostalpen. Mehr Informationen zum Projekt unter www.lbv.de/bartgeier-auswilderung.

 

Presseinformation 50-26
 
Hoffnung durch Handeln: LBV feiert engagierte Umweltschulen am Day of hope
626 Schulen in Bayern als "Umweltschule in Europa / Internationale Nachhaltigkeitsschule" bereits ausgezeichnet
 

 

Hilpoltstein, 11.06.2026 – Unter dem Motto "Hoffnung durch Handeln" sind heute beim Day of hope in München rund 1.200 Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte aus knapp 160 bayerischen Schulen zusammengekommen. Sie gehören zu insgesamt 626 Schulen, die sich im vergangenen Schuljahr für mehr Nachhaltigkeit in ihrer Schulgemeinschaft eingesetzt und hierfür bereits im Herbst 2025 die Auszeichnung "Umweltschule in Europa / Internationale Nachhaltigkeitsschule" erhalten haben. Im Rahmen des heutigen Festakts würdigten der Bayerische Staatsminister für Umwelt- und Verbraucherschutz Thorsten Glauber und der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer alle Umweltschulen für diesen besonderen Einsatz. "Die ausgezeichneten Schulen tragen durch ihr Engagement dazu bei, dass das Schulleben Schritt für Schritt nachhaltiger wird. Sie setzen sich für Klima- und Biodiversitätsschutz ein und fördern globale sowie generationenübergreifende Gerechtigkeit", sagt der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer. Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) koordiniert das Projekt "Umweltschule in Europa / Internationale Nachhaltigkeitsschule" im Freistaat.
Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber betonte: "Bildung für nachhaltige Entwicklung ist ein Schlüssel für eine lebenswerte Zukunft. Mit Kreativität, Engagement und Teamgeist setzen die Schülerinnen und Schüler unserer Umweltschulen wichtige Impulse für den Umwelt- und Klimaschutz. Sie zeigen, dass nachhaltiges Handeln nicht nur Wissen vermittelt, sondern Begeisterung weckt und Hoffnung schafft. Sie übernehmen Verantwortung und gestalten die Zukunft aktiv mit. Das verdient höchste Anerkennung."

Die Auszeichnung gilt für ein Jahr und wird an Schulen vergeben, die sich in zwei Handlungsfeldern für Umwelt und Nachhaltigkeit eingesetzt und durch konkrete Maßnahmen innerhalb der gesamten Schulgemeinschaft Schritt für Schritt in Richtung Nachhaltigkeit entwickelt haben. "Dieses Engagement ist nicht selbstverständlich. Schulen stehen heute vor vielfältigen Anforderungen: Lehrkräftemangel, steigende Arbeitsbelastung und zunehmende Bürokratie erschweren zusätzliche Projekte und Initiativen. Umso bemerkenswerter ist es, dass zahlreiche Schulen dennoch nachhaltige Themen aktiv voranbringen und ihre Schulgemeinschaft dafür begeistern", betont Julia Prummer vom Umweltschule-Koordinationsteam des LBV. "Dieses Engagement ist alles andere als selbstverständlich – es ist Ausdruck einer Haltung, die weit über den Unterricht hinauswirkt."

Besonders hervorzuheben ist der Einsatz einzelner Lehrkräfte sowie engagierter Schülerinnen und Schüler, die mit Kreativität, Ausdauer und Überzeugung nachhaltige Projekte initiieren und umsetzen. Sie schaffen Lernorte, an denen Umweltbewusstsein nicht nur vermittelt, sondern gelebt wird. Ob Klimaschutzprojekte, Repaircafés, ein naturnahes Schulgelände oder die Umstellung auf ein nachhaltiges Sortiment im Pausenverkauf – die ausgezeichneten Schulen leisten einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung von Zukunftskompetenzen. "Als gelebte Umweltschule streben wir eine kontinuierliche Verbesserung unseres Beitrages zum Umweltschutz und zur Nachhaltigkeit an. Alle Mitglieder der Schulgemeinschaft achten bewusster auf regionale Produkte, nachhaltigeres Handeln und einen verantwortungsvolleren Umgang mit unserer Umwelt", erklärt Helga Gradl von der Mittelschule Ensdorf.

Die Mittelschule Ensdorf präsentierte ihre Aktivitäten als eine von drei ausgewählten Schulen während des Festakts. Auf der Bühne stellte auch die Grundschule Reitmehring ihren Bewegungspass vor, der die Schülerinnen und Schüler dazu motiviert, den Schulweg zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen. So werden "Elterntaxis" vermieden und gleichzeitig das Klima geschützt. Die Montessorischule im Olympiapark München berichtete von ihrem Repaircafé, in dem bereits seit fünf Jahren elektrische Kleingeräte wie Toaster, Föhns und Zahnbürsten von Schülerinnen und Schüler repariert werden.

Day of hope
Beim kostenlosen Informations- und Mitmachtag Day of hope im Gedenken an die Verhaltensforscherin Dr. Jane Goodall wurde das Motto "Hoffnung durch Handeln" besonders greifbar. Auf dem Markt der Möglichkeiten präsentierten 30 Umweltschulen ihre Projekte und zeigten, wie die vielen Beiträge Einzelner gemeinsam eine große Wirkung entfalten. Für die Schülerinnen, Schüler und Lehrerkräfte bot der Tag zudem die Gelegenheit zum Austausch sowie für neue Ideen und Inspiration. Denn zahlreiche Initiativen luden dazu ein, mehr über das Thema Nachhaltigkeit zu erfahren und selbst aktiv zu werden.

Umweltschule in Europa / Internationale Nachhaltigkeitsschule
In Bayern entscheidet über die Auszeichnung jährlich eine Jury aus Mitgliedern des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz, des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen sowie des LBV als Koordinator dieser Auszeichnung. Der LBV koordiniert die Auszeichnung im Freistaat. Gefördert wird sie vom bayerischen Umweltministerium, weiterer Partner ist das Kultusministerium. Alle Informationen zur Auszeichnung finden sich unter www.lbv.de/umweltschule.

 

Umweltbildung im LBV
Seit knapp 40 Jahren betreibt der bayerische Naturschutzverband LBV Umweltbildung sowie Bildung für nachhaltige Entwicklung und nimmt dabei bundesweit eine Vorreiterrolle ein. Das generationenübergreifende Bildungsangebot des LBV richtet sich an Kitas, Schulen, Familien und Seniorenheime. Während der LBV in seinen 16 bayernweiten Umweltbildungseinrichtungen (davon 11 staatlich anerkannte Umweltstationen) jährlich über 130.000 Besucher*innen begeistert, bietet das digitale Umweltbildungsprojekt "Naturschwärmer" online zahlreiche, nachhaltige Aktionsideen für Familien. Kitas und Schulen können sich um die Auszeichnungen "ÖkoKids - KindertageseinRICHTUNG NACHHALTIGKEIT" bzw. "Umweltschule in Europa / Internationale Nachhaltigkeitsschule" bewerben. Die vielfältigen LBV-Bildungsprogramme vermitteln zukunftsrelevante Kompetenzen und Werte und leisten einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Die Umweltbildung des LBV ist mehrfach ausgezeichnet, unter anderem als Mitglied des Qualitätsnetzwerks "BNE.Bayern" und als Lernort und Netzwerk der deutschen UNESCO-Kommission.

 

Presseinformation 49-26
 
Halloween im Frühsommer: Gespinstmotten sorgen für Grusel-Faktor
Raupen hüllen Bäume und Sträucher in gespenstischen Schleier – LBV: Naturphänomen ist vollkommen ungefährlich
 

 

Hilpoltstein, 10.06.2026 – Silbrig schimmernde, kahl gefressene Bäume und Sträucher an Weg-, Straßen- und Waldrändern oder in Parkanlagen erregen aktuell in ganz Bayern Aufsehen. Verantwortlich dafür sind die Raupen einiger Gespinstmottenarten, die die Blätter der Pflanzen vollständig abfressen und Zweige, Äste sowie Stämme mit einem Gespinst überziehen. "Am häufigsten befallen werden Traubenkirschen aber auch Weißdorn, Pfaffenhütchen, Pappeln und gelegentlich Obstbäume", erklärt Tarja Richter, Insekten-Expertin des bayerischen Naturschutzverbands LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz). "Ein milder Winter und ein trocken-warmes Frühjahr schaffen ideale Bedingungen für eine Massenvermehrung des kleinen, weißen schwarz gepunkteten Falters." Obwohl der Januar heuer teilweise frostig war, erreichten die Temperaturen im Frühjahr teilweise Höchstwerte und es war sehr trocken. Gefährlich sind die Gespinstmotten nicht – außerdem sorgen verschiedene Insekten dafür, dass sich die Motten nicht unkontrolliert ausbreiten. Auch die Gehölze überstehen den Befall meist unbeschadet.
Gespinstmottenarten sind auf nur ein oder zwei Baum- und Straucharten spezialisiert. Das bedeutet, dass sie sich nur über die Blätter einer oder zwei Pflanzenarten hermachen. Besonders häufig ist beispielsweise die Traubenkirschen-Gespinstmotte, die die Traubenkirsche befällt. "Die Motten legen ihre Eier im August in den Sträuchern ab, wo sie als millimetergroße Räupchen überwintern. Im späten Frühling beginnen sie von innen heraus die Blattknospen anzufressen. Sobald die Blätter des betroffenen Baums oder -Strauchs sich entfaltet haben, legen die Larven gemeinsam ein erstes Gespinst an", erklärt Tarja Richter. "Das ist ein seidiger Schleier, den die kleinen Raupen spinnen, um sich vor Fressfeinden wie Vögeln oder Regen zu schützen." Unter dem Schleier fressen die Raupen bis Mitte Juni den Baum oder Strauch kahl. Dann wandern sie zum Fuß des Baumstammes, wo sie sich im Schutz des Gespinstes verpuppen. Anfang Juli schlüpfen die weißen, schwarz gepunkteten Falter der Traubenkirschen-Gespinstmotte. Im August paaren sie sich und legen ihre Eier wieder an den Knospen der Traubenkirsche ab, wo sie bis zum nächsten Frühjahr überdauern. So beginnt der Lebenszyklus der Gespinstmotten von neuem.

Beobachten lässt sich dieses geisterhafte Naturschauspiel schon immer in jährlicher wechselnder Häufigkeit. Insbesondere der Klimawandel fördert das massenhafte Auftreten der Gespinstmotten. "Milde Winter und ein trocken-warmer Frühling schaffen ideale Bedingungen für die Überlebensrate der Larven. Zudem begünstigen heiße und trockene Sommer die Vermehrung der Gespinstmotten, da sich die Falter bei Temperaturen ab 12 Grad Celsius in der Nacht paaren", so die Insektenexpertin. "Allerdings verhindern bis zu 80 verschiedene Insekten, darunter Schlupfwespen, Raubwanzen sowie einige Vogelarten, dass sich die Gespinstmotten übermäßig ausbreiten." Davon, die Tiere mit Gift zu vernichten, rät Richter dringend ab. "Der Einsatz von Insektengift ist in den meisten Fällen nicht erfolgreich und schadet nicht nur den Faltern, sondern auch ihren natürlichen Fressfeinden." Die Bäume oder Sträucher tragen keine langfristigen Schäden davon, da sie die verlorenen Nährstoffe zu einem Großteil durch den auf den Boden fallenden Raupenkot zurückgewinnen. Noch im gleichen Jahr treiben sie wieder aus.

Bei Obstbäumen kann ein Befall die Ernte verringern. Um beispielsweise Apfelbäume vor einem Befall durch die Apfel-Gespinstmotte zu bewahren, empfiehlt LBV-Biologin Tarja Richter spätestens ab April mit dem Absammeln der Tiere zu beginnen. Zudem lassen sich die Gespinste mit einem Besen entfernen oder einem Wasserschlauch herunterspritzen. Es ist wichtig, Gespinstreste und Larven vom Boden aufzusammeln, damit sie nicht zurück auf den Baum wandern können. Wer im Vorjahr einen Gespinstmottenbefall hatte, kann im Winter durch einen Rück- und Pflegeschnitt vorbeugen, dass der betreffende Baum erneut befallen wird. Der Schnittabfall sollte auf Eier und überwinternde Larven kontrolliert und nicht auf dem Kompost, sondern am Abfallhof entsorgt werden. Zusätzlich lohnt es sich, im eigenen Garten die natürlichen Gegenspieler der Gespinstmotten zu fördern. Naturnahe Gärten bieten Lebensraum für viele Insekten und Vögel, die sich von den Raupen ernähren.

Übrigens: Die Gespinste sind nicht mit denen des Eichenprozessionsspinners zu verwechseln, der ausschließlich Eichen besiedelt und niemals ganze Bäume einspinnt. Seine Verpuppungsgespinste legt er vereinzelt am Stamm dicker Eichen an, wo sie erst ab Ende Juni zu beobachten sind.

 

Presseinformation 48-26
 
LBV bedauert erste Gerichtsentscheidung zum Fellhorn
Entscheidung zum Liftbau noch offen – LBV bekräftigt Kritik an geplanten Maßnahmen und prüft weitere juristische Schritte
 

 

Hilpoltstein, 09.06.2026 – Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) bedauert die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Augsburg, den Sofortvollzug für die Pistenbaumaßnahmen im Bereich Bierenwang und Walsergund am Fellhorn im Landkreis Oberallgäu nicht aufzuheben. Der LBV hatte im Eilverfahren dagegen geklagt, um mögliche Baumaßnahmen zu verhindern. „Nach unserer Einschätzung verstoßen die Pistenbaumaßnahmen weiterhin gegen das Bodenschutzprotokoll der Alpenkonvention und sind nicht genehmigungsfähig“, erklärt LBV-Geschäftsführer Helmut Beran. Der betroffene Bereich am Scheidtobel liegt in einem besonders sensiblen Gebiet der Allgäuer Hochalpen. „Wir prüfen weitere juristische Schritte, um dieses naturzerstörerische Großprojekt in einem der wertvollsten Gebiete der Allgäuer Alpen zu stoppen“, betont Beran. Eine Entscheidung zum zweiten Eilantrag gegen den Neubau der Scheidtobelbahn wird ebenfalls zeitnah erwartet. „Was den geplanten Bau des Sessellifts angeht hoffen wir, dass das Gericht in unserem Sinne entscheiden wird“, so Beran weiter.
Erst letzten Montag hatte der LBV vor Ort mit einem Protestbanner „Rettet das Fellhorn!“ die bereits begonnen Baumaßnahmen scharf kritisiert. Teilflächen der geplanten Baumaßnahmen liegen innerhalb des Naturschutzgebietes Allgäuer Hochalpen, eines FFH-Schutzgebietes und eines Vogelschutzgebietes, die das in Bayern vom Aussterben bedrohte Birkhuhn schützen sollen. Das Gebiet zählt zu den wichtigsten Lebensräumen für das Birkhuhn in Bayern.

Hintergrund
Teilflächen der geplanten Baumaßnahmen liegen innerhalb des Naturschutzgebietes Allgäuer Hochalpen, eines FFH-Schutzgebietes und eines Vogelschutzgebietes, die das in Bayern vom Aussterben bedrohte Birkhuhn schützen sollen. Das Gebiet zählt zu den wichtigsten Lebensräumen für das Birkhuhn in Bayern. Aus diesem Grund reichte der LBV am 26. März 2026 Klage ein. Diese begründete er Mitte April noch einmal ausführlich und kritisierte erste bereits erfolgte Rodungen als illegal.

Bereits in einer Pressemitteilung im Oktober 2025 hatte der LBV kritisiert, dass durch das sogenannte 3. Modernisierungsgesetz Umweltstandards ausgehebelt wurden. So war für den geplanten Neubau der Sesselbahn am Scheidtobel keine Umweltverträglichkeitsprüfung mehr nötig, obwohl sich das Bauvorhaben in einem Gebiet mit höchsten Schutzkategorien befindet. In einer Pressemitteilung vom November kritisierte der LBV die Pläne für den Neubau eines Sesselliftes als nicht genehmigungsfähig.

Die Alpen sind Lebensraum vieler hochbedrohter Tier- und Pflanzenarten, die durch den Klimawandel besonders gefährdet sind. Gleichzeitig trägt Bayern eine besondere Verantwortung für den Erhalt jener Arten, die in Deutschland nur in den Alpen vorkommen. Der LBV wird nicht zulassen, dass für kurzfristige wirtschaftliche Interessen massive Eingriffe in hochsensible Ökosysteme erfolgen, ohne dass die Umweltbelange umfassend geprüft wurden.

 

Presseinformation 47-26
 
Der Vogel des Jahres hat Nachwuchs: Jetzt Rücksicht nehmen auf den Feldern
LBV appelliert zum Schutz des Rebhuhns: Hunde anleinen und auf den Wegen bleiben – Landwirte und Kommunen können entscheidenden Beitrag leisten
 

 

Hilpoltstein, 08.06.2026 – Schlupfzeit bei Familie Rebhuhn: Drei Wochen lang lagen vielerorts die Gelege des Vogels des Jahres 2026 gut versteckt in ungemähten Feldrainen und Altgrasstreifen. Jetzt schlüpfen die ersten Küken und verlassen das Nest. Ob sie die ersten Lebenswochen überstehen, hängt vor allem von zwei Faktoren ab: ausreichend Insekten als Nahrung und strukturreiche Lebensräume, die Versteckmöglichkeiten bieten. Zum Schutz des Rebhuhns kann in dieser sensiblen Phase auch jeder Einzelne einen Beitrag leisten: „Wer die sommerlichen Tage jetzt nutzt, um in der Feldflur spazieren zu gehen, sollte unbedingt auf den Wegen bleiben, keine Abkürzungen über Brachen nehmen und Hunde an der Leine halten. So werden die Rebhühner und ihr Nachwuchs nicht gestört“, sagt LBV-Vogelexpertin Dr. Angelika Nelson. Auch Landwirtinnen und Landwirte sowie Kommunen können für den Vogel des Jahres aktiv werden und seinen Lebensraum gestalten.
Zwischen Mitte April und Juli legt das Rebhuhn-Weibchen seine Eier ab. In Altgrasstreifen, an Feldrändern oder auf Brachen ist das Gelege mit bis zu 24 Eiern gut versteckt. Werden Randstrukturen gemäht oder finden Feldarbeiten während der Brutzeit statt, werden die perfekt getarnten allerdings Gelege oft übersehen und unbemerkt zerstört. Strukturreiche Feldfluren mit hohen und niedrigen Bereichen und ausreichend ungemähten Rückzugsräumen sind deshalb entscheidend für eine erfolgreiche Brut. „Für den Bruterfolg des Rebhuhns können jetzt viele Akteure einen wichtigen Beitrag leisten. Kommunen können Weg- und Feldränder mindestens bis zum Herbst ungemäht lassen. Landwirtinnen und Landwirte helfen dem Rebhuhn, indem sie Altgrasstreifen und Blühbrachen erhalten und somit Rückzugsräume und Nahrungsquelle schaffen“, erklärt Dr. Angelika Nelson vom LBV. Wenn eine Mahd unerlässlich ist und Brutvorkommen bekannt sind, sollten Bewirtschaftende mit den schweren Maschinen besondere Vorsicht walten lassen und Nachtarbeit möglichst vermeiden.

Auch freilaufende Hunde, die abseits der Wege stöbern, können brütende Vögel oder frisch geschlüpfte Küken aufscheuchen und so den Nachwuchs gefährden. Die Jungvögel sind zwar Nestflüchter und verlassen direkt nach dem Schlüpfen das Nest, können aber noch nicht fliegen. Das macht sie besonders schutzbedürftig. Deshalb sollten Hunde jetzt nur an der Leine durch die Feldflur geführt werden. Auch Spaziergänger und Radfahrende bittet der LBV, auf den Wegen zu bleiben und keine Abkürzungen über Feldraine oder Brachland zu nehmen.

In den ersten Lebenswochen besteht der Speiseplan der jungen Rebhühner fast ausschließlich aus Insekten. „Ohne Insekten gibt es keine Rebhühner. Finden die Küken nicht genügend Nahrung, haben sie kaum eine Chance zu überleben“, sagt die Biologin. „Weniger Pestizide, mehr Brachen, Blühstreifen und strukturreiche Feldränder helfen dem Rebhuhn und vielen anderen Arten von Feldlerche und Goldammer bis hin zu Feldhasen und Wildbienen“, weiß sie.

 

Presseinformation 46-26
 
Stoppt die Bagger! – Rettet das Fellhorn!
LBV kritisiert Bauarbeiten der Fellhornbahn: keine vollendeten Tatsachen schaffen vor der Gerichtsentscheidung
 

 

Oberstdorf/Hilpoltstein, 01.06.2026 – Mit einem Protestbanner haben Aktive sowie die Verbandsspitze des bayerischen Naturschutzverbands LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) heute gegen den Baubeginn eines Sessellifts am Scheidtobel und die Pisten im Bereich Bierenwang und Walsergund durch die Fellhorn-Bahn protestiert. „Die Fellhorn-Bahn versucht mit dem Baubeginn, vollendete Tatsachen vor der Gerichtsentscheidung zu schaffen. So will sie einer Klage des LBV beim Verwaltungsgericht Augsburg zur möglichen Aufhebung des Sofortvollzugs der Baumaßnahmen zuvorzukommen. Dies ist in höchstem Maße verwerflich“, kritisiert der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer. „Nach unserer Einschätzung verstoßen der Bau eines neuen Sessellifts und der geplante Pistenbau gegen das Bodenschutzprotokoll der Alpenkonvention und sind nicht genehmigungsfähig.“ Gegen beide Bauvorhaben hat der LBV deshalb beim Verwaltungsgericht Augsburg am 26. März auf Aufhebung des Sofortvollzugs geklagt. Eine Entscheidung wird für die nächsten Tage erwartet.
Bei dem geplanten Bau des Sessellifts soll die Talstation rund 100 Meter talwärts verlegt und die Bergstation etwa 220 Meter höher positioniert werden. Hinzu kommen verschiedene Ausweitungen der Pistenflächen an der Bierenwang- und der Walsergundabfahrt. „Nach unserer Einschätzung handelt es sich bei diesen Baumaßnahmen nicht um ein erklärtes Ersatzvorhaben, sondern um eine Neuschaffung von Ski-Infrastrukturmaßnahmen, die den Vorgaben des Alpenplans eindeutig widersprechen und somit nicht genehmigungsfähig sind“, erläutert LBV-Geschäftsführer Helmut Beran.

Selbst die Betreiber gehen von einer Vielzahl von Störfaktoren für das vom Aussterben bedrohte Birkhuhn aus. Dazu zählen Schneeverdichtung, der Verlust von Winterlebensräumen, Störungen an Balzplätzen, erhebliche Beeinträchtigungen während der Bauphase und Zerschneidung der Lebensräume. „Daraus zu folgern, dass in der Summe der Baumaßnahmen keine Verschlechterung entstehe und das Vorhaben unbedenklich sei, ist fachlich nicht nachvollziehbar und steht im Widerspruch zu den Erhaltungszielen der betroffenen Schutzgebiete“, verdeutlicht Helmut Beran.

Darüber hinaus plant die Fellhornbahn noch weitere Vorhaben im Bereich Scheidtobel, die nicht Bestandteil der jetzt genehmigten Maßnahmen sind. So soll beim Kanzelwandhaus ein neuer Schneiteich mit dreifach höherer Speicherkapazität errichtet werden, außerdem ist ein neuer Swisscord-Lift geplant. Der LBV hat von Anfang an eine Zusammenlegung aller Planungen in einem Verfahren gefordert, um die Auswirkungen auf alle Schutzgüter erfassen zu können. „Ohne die Gesamtwirkung aller geplanten Maßnahmen im Gebiet zu berücksichtigen, ist eine fundierte fachliche Beurteilung nicht möglich. Hier wird eine Art Salamitaktik angewendet, um Genehmigungen für Einzelvorhaben zu erhalten, die in ihrer Summe gar nicht oder nur mit hohen Auflagen genehmigt würden“, erklärt Beran.

Hintergrund
Teilflächen der geplanten Baumaßnahmen liegen innerhalb des Naturschutzgebietes Allgäuer Hochalpen, eines FFH-Schutzgebietes und eines Vogelschutzgebietes, die das in Bayern vom Aussterben bedrohte Birkhuhn schützen sollen. Das Gebiet zählt zu den wichtigsten Lebensräumen für das Birkhuhn in Bayern. Aus diesem Grund reichte der LBV am 26. März 2026 Klage ein. Diese begründete er Mitte April noch einmal ausführlich und kritisierte erste bereits erfolgte Rodungen als illegal.

Bereits in einer Pressemitteilung im Oktober 2025 hatte der LBV kritisiert, dass durch das sogenannte 3. Modernisierungsgesetz Umweltstandards ausgehebelt wurden. So war für den geplanten Neubau der Sesselbahn am Scheidtobel keine Umweltverträglichkeitsprüfung mehr nötig, obwohl sich das Bauvorhaben in einem Gebiet mit höchsten Schutzkategorien befindet. In einer Pressemitteilung vom November kritisierte der LBV die Pläne für den Neubau eines Sesselliftes als nicht genehmigungsfähig.

Die Alpen sind Lebensraum vieler hochbedrohter Tier- und Pflanzenarten, die durch den Klimawandel besonders gefährdet sind. Gleichzeitig trägt Bayern eine besondere Verantwortung für den Erhalt jener Arten, die in Deutschland nur in den Alpen vorkommen. Der LBV wird nicht zulassen, dass für kurzfristige wirtschaftliche Interessen massive Eingriffe in hochsensible Ökosysteme erfolgen, ohne dass die Umweltbelange umfassend geprüft wurden.

 

Presseinformation 45-26
 
Hoffnungsschimmer: LBV entdeckt so viele Nester bedrohter Wiesenvögel wie noch nie
Wärmebilddrohnen helfen beim Schutz von Brachvogel und Uferschnepfe – Vögel der Feuchtwiesen nach wie vor vom Aussterben bedroht
 

 

Hilpoltstein, 28.05.2026 – Sie brüten am Boden, mögen es feucht und sind vom Aussterben bedroht: Der Brachvogel und die Uferschnepfe gehören zu den seltensten Brutvögeln Bayerns. In Wiesen und Feuchtgebieten liegen ihre Nester und Eier gut getarnt am Boden. Doch dort sind sie nicht immer sicher: Störungen durch Mensch und Hund, landwirtschaftliche Maschinen sowie Fressfeinde können ihnen gefährlich werden. Seit vielen Jahren setzt sich der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) deshalb in verschiedenen Gebieten Bayerns für diese sensiblen Vogelarten ein. In diesem Jahr zeigt sich ein erster Lichtblick: Mit Hilfe moderner Wärmebilddrohnen konnten die Naturschützerinnen und Naturschützer jetzt deutlich mehr Nester bedrohter Wiesenbrüter finden als noch vor wenigen Jahren. „Dank der Wärmebildtechnik finden wir inzwischen so viele Nester wie nie zuvor. Das ist ein enorm wichtiger Fortschritt für den Schutz unserer Wiesenbrüter“, sagt Verena Rupprecht, Leiterin des Fachbereichs Wiesenbrüter im LBV. „Jedes entdeckte Nest bedeutet eine höhere Chance, dass die Jungvögel erfolgreich flügge werden.“ Eine Entwarnung für die grundsätzliche, prekäre Situation der Vögel der Feuchtwiesen kann der LBV hier jedoch nicht geben.
Im April und Anfang Mai investieren Mitarbeitende und Ehrenamtliche des LBV sowie Partner vor Ort viel Zeit in die Suche nach den gut versteckten Bodennestern. Die Wärmebilddrohnen ermöglichen eine besonders effiziente Suche, ohne die Vögel dabei zu stören. Die Drohnen fliegen dabei möglichst hoch – teilweise bis zu 100 Meter über dem Boden – und können Nester dennoch sicher erkennen. Werden diese gefunden, können sie gezielt geschützt werden – etwa durch Elektrozäune gegen Fressfeinde oder durch eine angepasste Bewirtschaftung gemeinsam mit den Landwirten. „Die gute Zusammenarbeit mit den Bewirtschaftern ist für den Schutz der Wiesenbrüter absolut entscheidend. Wir sind sehr froh, dass das in vielen Gebieten hervorragend funktioniert“, sagt LBV-Biologin Verena Rupprecht. Der Einsatz von Drohnen in Wiesenbrütergebieten ist streng geregelt und nur mit Genehmigung erlaubt. Der LBV verfügt über die entsprechenden Genehmigungen und achtet bei allen Einsätzen besonders darauf, die Tiere nicht zu stören.

Die Naturschützerinnen und Naturschützer vermelden aktuell besonders erfreuliche Zahlen aus mehreren bayerischen Projektgebieten: Im mittelfränkischen Altmühltal konnten in diesem Jahr sogar 40 Brachvogelnester gefunden und geschützt werden. Zusätzlich brüten dort aktuell vier Paare der Uferschnepfe. „Viele der Nester wären ohne die Wärmebilddrohne kaum zu finden gewesen“, sagt Christoph Beckenbauer, LBV-Gebietsbetreuer Altmühlfranken. „Dass wir nun so viele Gelege schützen können, gibt Hoffnung für die kommenden Jahre.“

Auch im Donautal zwischen Regensburg und Deggendorf lief die Saison mit 26 gefundenen Nestern des Brachvogels bislang erfolgreich. Zudem konnte die dortige Gebietsbetreuung erstmals ein Nest der Uferschnepfe im Vorland der Donau nachweisen. Im Donaumoos, dem ehemals größten bayerischen Niedermoor, wurden bereits im Winter umfangreiche Maßnahmen umgesetzt, um den Lebensraum dieser Vögel zu verbessern. So wurden extra Flachwassermulden angelegt, in denen die Vögel Nahrung wie Insektenlarven und Wasser finden. In dem Gebiet konnten bislang elf Brachvogelnester gefunden und geschützt werden. Zudem gibt es erstmals Brutverdacht bei der Uferschnepfe. Auch aus den Loisach-Kochelsee-Mooren (Lkr. Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau) gibt es positive Nachrichten: Obwohl in dem Gebiet nur sechs Brachvogelpaare brüten, konnten mithilfe der Wärmebilddrohne fünf Nester gefunden und geschützt werden. Zusätzlich errichtete der LBV erstmals einen großräumigen Schutzzaun für Brachvogel und Braunkehlchen.

Die Situation der Wiesenbrüter bleibt dennoch äußerst kritisch. Besonders dramatisch ist die Lage der Uferschnepfe: Aktuell brüten nur noch etwa 15 bis 16 Brutpaare in ganz Bayern, verteilt auf lediglich vier Gebiete. Studien zeigen, dass vor allem der mangelnde Bruterfolg die Bestände der Vögel der Feuchtwiesen begrenzt. Umso wichtiger ist es, möglichst viele Gelege und Jungvögel erfolgreich zu schützen. „Die Drohnentechnik allein wird die Arten nicht retten“, sagt Verena Rupprecht. „Aber sie ist inzwischen ein unverzichtbares Werkzeug geworden, um Schutzmaßnahmen gezielt und wirksam umzusetzen.“

Rücksicht für Bayerns Wiesenbrüter nehmen
Gerade jetzt, im Mai und Juni, beginnt für die bedrohten Arten die sensibelste Phase des Jahres: Die Jungvögel schlüpfen aktuell und verbringen anschließend mehrere Wochen noch flugunfähig in den Wiesen. Ob eine Brutsaison erfolgreich war, wird sich deshalb erst im Juli zeigen. Der LBV bittet Besucherinnen und Besucher der Wiesenbrütergebiete in den kommenden Wochen besonders um Rücksicht: Hunde sollten unbedingt angeleint bleiben, Wege nicht verlassen und sensible Bereiche gemieden werden. So kann jede und jeder seinen Beitrag für den Artenschutz leisten.

 

Gemeinsame Presseinformation
 
Bonjour Bartgeier: Nachwuchs kommt diesmal aus Belgien und Frankreich
Zwei Jungvögel für LBV und Nationalpark Berchtesgaden aus internationalem Zuchtprogramm für Auswilderung in Bayern
 

 

Berchtesgaden/Hilpoltstein, 27.05.2026 – Das bayerische Wiederansiedlungsprojekt für den Bartgeier setzt seinen Erfolgsweg fort. In diesem Sommer werden der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und der Nationalpark Berchtesgaden gemeinsam zum sechsten Mal in Folge zwei junge Bartgeier auswildern. Seit dem Start des Wiederansiedlungsprojektes im Jahr 2021 wurden bereits zehn Geier in die deutschen Alpen entlassen. Mit bald insgesamt zwölf ausgewilderten Vögeln wird die alpenweite Population der gefährdeten Greifvögel weiter gestärkt. Die diesjährigen Junggeier stammen erstmals aus Zoos in Belgien und Frankreich. Dass 140 Jahre nach der Ausrottung der Art in Bayern wieder regelmäßig Bartgeier über den Gipfeln des Nationalparks gesichtet werden, ist ein großer Erfolg für den alpinen Artenschutz.
Der jährliche Aufwand hinter der Auswilderung der Bartgeier ist enorm. Er zeigt, wie eng Naturschützerinnen und Naturschützer des europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) über Ländergrenzen hinweg zusammenarbeiten, um den imposanten Greifvogel dauerhaft zurückzubringen. „Als Aasfresser hat der Bartgeier eine zentrale Funktion im alpinen Ökosystem. Zum Beispiel trägt er dazu bei, die Ausbreitung von Wildtierseuchen zu verhindern. Viel zu lange hat er in den bayerischen Bergen gefehlt“, sagt LBV-Bartgeierexperte Toni Wegscheider. „Dass die Vögel aus Belgien und Frankreich zu uns kommen, verdeutlicht erneut den europäischen Gedanken hinter diesem Projekt. Jeder einzelne Vogel ist ein wichtiger Baustein für eine stabile Population in den Ostalpen“.

Optimale Bedingungen im Nationalpark
Die Auswilderung der noch nicht flugfähigen Jungvögel findet erneut in der bewährten Felsnische im Klausbachtal statt, die den Vögeln idealen Schutz bietet, bis sie nach einigen Wochen selbständig flügge werden. Während dieser Zeit werden sie vom Team rund um die Uhr überwacht. Nationalpark-Projektleiter Ulrich Brendel betont: „In den letzten Jahren kamen Jungvögel aus Spanien, Finnland und Österreich zu uns. Dies zeigt, wie grenzüberschreitender, moderner Naturschutz funktioniert. Der Nationalpark Berchtesgaden bietet als großes Schutzgebiet mit reichem Nahrungsangebot beste Voraussetzungen für den Start in ein Leben in Freiheit. Wir sind zuversichtlich, dass auch die neuen Jungvögel bald souverän durch die Berchtesgadener Alpen segeln werden“. Um für die Junggeier eine möglichst stressfreie Ankunft in Berchtesgaden und einen verzögerungsfreien Transport in die Nische zu gewährleisten, wird in diesem Jahr am Auswilderungstag erstmals auf eine öffentliche Präsentation der Vögel am Klausbachhaus verzichtet. Selbstverständlich können alle Bartgeierfans wie immer ab der ersten Minute in der Nische die Entwicklung der jungen Bartgeier bis hin zum Ausflug per Webcam verfolgen.

Zum Projekt:
Der Bartgeier (Gypaetus barbatus) zählt mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,90 Metern zu den größten, flugfähigen Vögeln der Welt. Anfang des 20. Jahrhunderts war der majestätische Greifvogel in den Alpen ausgerottet. Im Rahmen eines großangelegten Zuchtprojekts werden seit 1986 im Alpenraum in enger Zusammenarbeit mit dem in den 1970er Jahren gegründeten EEP (Europäisches Erhaltungszuchtprogramm) der Zoos junge Bartgeier ausgewildert. Das europäische Bartgeier-Zuchtnetzwerk wird von der Vulture Conservation Foundation (VCF) mit Sitz in Zürich geleitet. Während sich die Vögel in den West- und Zentralalpen seit 1997 auch durch Freilandbruten wieder selbstständig vermehren, kommt die natürliche Reproduktion in den Ostalpen nur schleppend voran. Ein vom bayerischen Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und dem Nationalpark Berchtesgaden gemeinsam initiiertes und betreutes Projekt zur Auswilderung von jungen Bartgeiern im bayerischen Teil der deutschen Alpen greift dies auf und unterstützt in Kooperation mit dem Tiergarten Nürnberg die alpenweite Wiederansiedelung. Dafür werden in den kommenden Jahren im Klausbachtal junge Bartgeier ausgewildert – im Jahr 2021 erstmals in Deutschland. Der Nationalpark Berchtesgaden eignet sich aufgrund einer Vielzahl von Faktoren als idealer Auswilderungsort in den Ostalpen.
Mehr Informationen zum Projekt unter
www.lbv.de/bartgeier-auswilderung.

 

Presseinformation 44-26
 
Vogelzählung zeigt: Weniger Mehlschwalben und Mauersegler über Bayern
Ergebnisse der „Stunde der Gartenvögel“: Zahl der Vögel pro Garten nimmt von Jahr zu Jahr ab – Naturnahe Gärten als Hoffnungsschimmer
 

 

Hilpoltstein, 26.05.2026 – Bei der diesjährigen „Stunde der Gartenvögel“ des bayerischen Naturschutzverbands LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und seinem bundesweiten Partner NABU meldeten die Teilnehmenden erneut sehr wenige Vögel pro Garten: fast zehn Vögel weniger als noch vor zehn Jahren. Besonders Insektenjäger wie Mauersegler und Mehlschwalben wurden heuer in geringer Zahl gemeldet, obwohl das Wetter am Zählwochenende vielerorts warm und trocken war. „Dass selbst bei gutem Flugwetter weniger Tiere beobachtet wurden, bereitet uns Sorge. Der Rückgang der Fluginsekten macht sich offenbar immer stärker bemerkbar“, ordnet LBV-Biologin Dr. Angelika Nelson die Ergebnisse ein. Trotz der besorgniserregenden Entwicklung bei einigen Arten im Siedlungsraum sieht der LBV auch Hoffnungsschimmer – besonders dort, wo Menschen ihre Gärten oder Balkone naturnah gestalten. Insgesamt haben sich rund 10.800 Menschen aus mehr als 7.300 Gärten in Bayern an der großen Vogelzählaktion „Stunde der der Gartenvögel“ beteiligt. Sie zählten dabei rund 190.000 Vögel. Alle Ergebnisse sind einsehbar unter sdg.lbv.de.
Mauersegler und Mehlschwalben sind auf Insekten angewiesen, die sie im Flug jagen. Doch mit sinkenden Insektenbeständen schrumpft auch die Lebensgrundlage für die faszinierenden Flugkünstler. Darüber hinaus sind fehlende Nistmöglichkeiten ein Problem für diese Vögel, die meist an Gebäuden brüten. „Wer unsere Luftakrobaten unterstützen möchte, kann ihnen gezielt beim Nestbau helfen“, sagt LBV-Biologin Dr. Angelika Nelson. „Besonders Mehlschwalben profitieren von kleinen Lehmpfützen, aus denen sie sich Nistmaterial holen. Auch künstliche Nisthilfen an Gebäuden können fehlende Brutplätze ersetzen.“

Aufatmen bei den Finkenvögeln

Etwas Entwarnung gibt es dagegen bei den Finkenarten: In Bayern weist derzeit nichts auf eine akute Infektionswelle durch Trichomonaden hin. Das sind Parasiten, die von Vogel zu Vogel übertragen werden und oft zum Tod führen. Grünfink, Buchfink und Stieglitz zeigen niedrige, aber stabile Zahlen. „Den Grünfink werden wir in den kommenden Jahren trotzdem genau im Blick behalten. Denn seit dem massiven Einbruch durch die Krankheit vor mehr als zehn Jahren, hat sich der Bestand nicht erholt“, so Angelika Nelson. Besonders wichtig ist es deshalb, auf Hygiene an Futterstellen und Vogeltränken zu achten: Wer regelmäßig reinigt und überschüssiges Futter entfernt, hilft dabei, die Ausbreitung von Krankheiten unter Gartenvögeln zu vermeiden.

Die Top Ten 2026
Die Top Ten der Gartenvögel bleiben an der Spitze unverändert: Wie bereits in den Vorjahren landet der Haussperling auf Platz 1, gefolgt von Amsel und Star. „Spatzen leben besonders gesellig und treten oft in größeren Gruppen auf. So bleibt der Haussperling auch heuer der am häufigsten beobachtete Gartenvogel“, erklärt LBV-Biologin Dr. Angelika Nelson. Sein naher Verwandter, der Feldsperling, hat in den vergangenen Jahren zwar deutlich abgenommen, erreicht aber noch Rang 5. Amseln sowie Kohl- und Blaumeisen kommen in vielen Gärten vor, verteidigen jedoch ihre Reviere und werden deshalb meist nur einzeln oder paarweise beobachtet. Die Kohlmeise landet damit erneut auf Platz 4, die Blaumeise auf Rang 6. Elster und Rabenkrähe belegen die Plätze 7 und 8. Der Mauersegler rutscht auf Platz 9 ab, während die Mehlschwalbe nicht mehr unter den Top Ten ist. Neu dabei ist die Ringeltaube auf Rang 10. „Die Ringeltaube ist sehr anpassungsfähig. Sie findet auch in Städten und Siedlungen Brutplätze und ausreichend Nahrung und wird deshalb in Bayerns Gärten immer häufiger beobachtet“, so die LBV-Vogelexpertin.

Auch Vogelstimmen spielten bei der diesjährigen Zählung eine größere Rolle als noch vor einigen Jahren. „Im Mai hört man viele Vögel eher, als dass man sie sieht, wie zum Beispiel Mönchsgrasmücke oder Girlitz. Das erschwert eine eindeutige Bestimmung, aber KI-gesteuerte Bestimmungs-Apps, helfen zunehmend die Arten anhand ihres Gesangs zuordnen“, sagt Nelson.

In naturnahen Gärten herrscht mehr Vielfalt
Trotz der insgesamt negativen Entwicklungen konnten sich vor allem Teilnehmende in lebendigen Gärten mit Wildblumen, summenden Insekten, Igeln und zahlreichen Vogelarten an einer Vielzahl von Vögeln erfreuen. „Gerade der mähfreie Mai zeigt, wie schnell die Natur reagiert, wenn man ihr etwas Raum lässt“, sagt Nelson. Wer selbst etwas für die Artenvielfalt tun möchte, kann bereits mit kleinen Veränderungen viel bewirken: heimische Wildblumen wachsen lassen, seltener mähen, Hecken pflanzen und auf Pestizide verzichten. „Naturnahe Gärten ersetzen keine großen Schutzgebiete“, betont Nelson. „Aber sie können wichtige Trittsteine im Siedlungsraum sein und bereiten Menschen Freude im Alltag.“

 

Gemeinsame PRESSEMITTEILUNG

von Naturstiftung David, Deutsche Wildtier Stiftung, Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e. V (LBV), NABU Baden-Württemberg, NABU Niedersachsen, NABU Nordrhein-Westfalen, Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt (LaNU), Stiftung FLEDERMAUS, Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz (SNU), Universität Greifswald
 
 
Bundesweites Netzwerk stärkt Wälder als Lebensraum
Neues Großprojekt schützt Waldfledermausarten und fördert klimaresiliente Wälder
 

 

In diesem Frühjahr ist ein bundesweites Verbundprojekt zum Schutz von Waldfledermäusen in Deutschland gestartet. Unter der Leitung der Naturstiftung David arbeiten zehn Partnerorganisationen aus Naturschutz und Wissenschaft daran, wichtige Lebensräume von Waldfledermäusen langfristig zu sichern und ökologisch aufzuwerten. Das fünfjährige Vorhaben wird vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) im Nationalen Artenhilfsprogramm gefördert und leistet einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt sowie zur Stärkung resilienter Waldökosysteme.

Vier Fledermausarten im Fokus

Tagsüber verstecken sich die nachtaktiven Waldfledermäuse in Bäumen, erst nachts gehen sie auf Insektenjagd. Die lautlosen Jäger der Baumkronen sind auf strukturreiche Wälder mit alten Bäumen, Höhlenstrukturen und hohem Insektenreichtum angewiesen. Wo sie geeignete Lebensbedingungen finden, profitieren zahlreiche weitere Arten – sie sind damit Schirmarten und wichtige Botschafter für lebendige Wälder. Im Mittelpunkt des Projekts stehen vier Arten: Mopsfledermaus, Bechsteinfledermaus, Rauhautfledermaus und Kleinabendsegler. Als typische Waldbewohner zeigen sie an, wo ökologische Prozesse in Wäldern intakt sind.

Gemeinsam wirksam in der Fläche
Getragen wird das Projekt von einem interregionalen Netzwerk aus zehn Partnerorganisationen unter der Leitung der Naturstiftung David. Beteiligt sind Naturschutzverbände, Naturschutzorganisationen, Landesstiftungen und Forschungseinrichtungen. Neben den Verbundpartnern sind auch Bundes- und Landesforste, Waldbesitzende sowie ehrenamtlich Engagierte eingebunden. "Naturschutz wirkt dann besonders erfolgreich, wenn er gemeinsam gedacht und umgesetzt wird. Mit unserem Netzwerk bringen wir Fachwissen, praktische Erfahrung und Engagement aus ganz Deutschland zusammen", sagt Jana Planek, Leiterin des Verbundprojektes.

Konkrete Maßnahmen für lebendige Wälder

Im Rahmen des Projekts werden über 60 Maßnahmen in Staats-, Kommunal- und Kirchenwäldern ebenso wie in Stiftungs- und Privatwald umgesetzt. Dazu gehören unter anderem der Schutz und die Entwicklung von Habitatbäumen und Waldrefugien, die Sicherung von Höhlenstrukturen und Quartierbäumen sowie die Aufwertung von Jagdhabitaten und Waldrändern.

Ergänzend sind über 70 Fortbildungen geplant, um Wissen zum Schutzmanagement in die Forstpraxis zu bringen und Akteure über den Verbund hinaus zu vernetzen.

Datenbasierte Zukunftsräume gestalten
Ein besonderer Fokus liegt auf der Verbesserung der Datengrundlage: Bestehende Informationen zum Bestand der vier Waldfledermausarten werden zusammengeführt und durch gezielte Erhebungen ergänzt. Daraus entstehen bundesweite Habitatmodelle sowie 2 Karten, die geeignete Lebensräume und bestehende Defizite sichtbar machen. Auch der Klimawandel wird systematisch berücksichtigt: Mithilfe von Projektionen werden zukünftige Verbreitungsgebiete identifiziert, um Lebensräume frühzeitig zu sichern und anzupassen.

Projektförderung
Das Verbundprojekt "Lebensraumschutz für windkraftsensible Waldfledermäuse" wird im Nationalen Artenhilfsprogramm (nAHP) durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert. Es hat eine Laufzeit von fünf Jahren (01.03.2026 – 28.02.2031). Darüber hinaus werden die Teilprojekte von den jeweiligen Ländern und weiteren Partnern unterstützt. Das Verbundprojekt hat ein finanzielles Gesamtvolumen von rund 11,1 Mio. Euro.

 

Presseinformation 43-26
 
Nach 20 Jahren wiederentdeckt: LBV findet seltene Heuschrecke im Allgäu
Türks Dornschrecke an der Trettach bei Oberstdorf nachgewiesen – Wildflüsse brauchen dringend Schutz
 

 

Oberstdorf, 20.05.2026 – Pünktlich zum Internationalen Tag der biologischen Vielfalt am 22. Mai gibt es eine besondere Nachricht aus dem Allgäu: Dort haben die Gebietsbetreuer des bayerischen Naturschutzverbands LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) an der Trettach bei Oberstdorf die seltene Türks Dornschrecke entdeckt. Im Allgäu war die vom Aussterben bedrohte Heuschreckenart seit mehr als 20 Jahren verschollen – Experten gingen daher bereits von einem Erlöschen der Population aus. Deutschlandweit gibt es darüber hinaus nur noch wenige Vorkommen, die alle in Oberbayern liegen. „Der Fund zeigt, wie wichtig naturnahe Wildflüsse für viele bedrohte Arten sind. Solche Lebensräume sind heute selten geworden. Deshalb zählt jeder Meter, an dem ein Fluss noch wild fließen darf, wie hier an der Trettach“, sagt LBV-Gebietsbetreuerin Tanja König.
Die Türks Dornschrecke kommt nur dort vor, wo Flüsse noch Platz haben und durch Hochwasser immer wieder offene Kiesflächen entstehen. Auf dem Wildflussschotter findet ihr ganzes Leben statt: Sie ernähren sich von den Algen, Moosen und Gräsern, die dort vorkommen, pflanzen sich fort und legen ihre Eier gut getarnt in den Kies. Die Art ist nur etwa zehn Millimeter groß und reagiert sehr sensibel auf Veränderungen ihres Lebensraums: Werden Flüsse verbaut, beispielsweise durch Wasserkraftwerke, verschwindet auch die seltene Heuschrecke. Weil es in Deutschland kaum noch geeignete Lebensräume für die Türks Dornschrecke gibt, gilt die Art bundesweit als vom Aussterben bedroht.

Der betroffene Abschnitt der Trettach gehört zu den letzten weitgehend natürlichen Wildflusslandschaften im Allgäu. Dort finden nicht nur Türks Dornschrecken geeignete Bedingungen, sondern auch viele andere Tier- und Pflanzenarten wie der vom Aussterben bedrohte Flussuferläufer oder Alpenschwemmlinge wie die Alpen-Wachsblume. „Dieser Teil der Trettach bei Oberstdorf ist ein echtes Naturjuwel. Gerade solche wilden Flüsse zeigen, wie vielfältig und lebendig unsere Natur sein kann, wenn man ihr Raum lässt“, sagt Tanja König vom LBV.

Die Wiederentdeckung macht deutlich, wie wichtig naturnaher Flusslandschaften für die Artenvielfalt sind. Zum Internationalen Tag der biologischen Vielfalt erinnert der LBV deshalb daran, wie dringend diese Lebensräume geschützt werden müssen. „Schon kleine Veränderungen können empfindliche Arten verdrängen. Dort wo es noch wilde Abschnitte von Flüssen gibt, sollte deshalb jede Art von Eingriff konsequent vermieden werden“, mahnt die Gebietsbetreuerin. Nur so haben Arten wie die Türks Dornschrecke auch künftig eine Überlebenschance.

Um die Türks Dornschrecke und anderer spezialisierter Arten zu fördern, führt der LBV insbesondere in Oberbayern das Bundesprojekt „Bayerns Seltenste – Arten der Trockenlebensräume“ durch. Infos zum Projekt: lbv.de/trockenlebensraeume/

 

Presseinformation 42-26
 
Auf Sommertour durch Bayern: Wo zeigt sich der Schwalbenschwanz?
LBV bittet um Meldungen des eindrucksvollen Tagfalters im Rahmen des Projekts „Falter im Fokus“
 

 

Hilpoltstein, 19.05.2026 – Mit den ersten sommerlichen Tagen ist in Bayern wieder einer der imposantesten heimischen Tagfalter regelmäßiger zu sehen: der Schwalbenschwanz. Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) bittet im Rahmen des Mitmachprojekts „Falter im Fokus“ aktuelle Sichtungen des auffällig schwarz‑gelb gefärbten Falters zu melden. „Der Schwalbenschwanz ist eine sehr mobile Art und kann so leicht neue Lebensräume aller Art besiedeln. Trotzdem nehmen seine Bestandszahlen wie bei vielen heimischen Schmetterlingen ab. Die Meldungen helfen uns, Veränderungen des Bestands und der Verbreitung besser zu verstehen“, erklärt LBV-Schmetterlingsexperte Simon Habermann. Meldungen sind möglich unter www.lbv.de/falter-im-fokus.
Der Schwalbenschwanz gehört zu den größten Schmetterlingen Deutschlands. Darüber hinaus ist er nicht nur auffällig schwarz-gelb gefärbt – auch seine namensgebenden Flügelfortsätze, die an den Schwanz einer Schwalbe erinnern, machen ihn zu einem echten Hingucker. Die Art lebt unter anderem auf blütenreichen Wiesen, Trockenrasen Wegrändern und in naturnahen Gärten. „Die Schwerpunkte der gemeldeten Sichtungen haben sich zuletzt deutlich verschoben: 2024 wurde der Schwalbenschwanz vor allem in Südbayern beobachtet, 2025 kamen viele Meldungen auch aus Nordbayern und insbesondere Franken. Spannend wird sein, wie sich das Bild in diesem Jahr entwickelt“, erklärt der LBV-Schmetterlingsexperte.

Dass die Bestände des Schwalbenschwanzes abnehmen, kann verschiedene Ursachen haben. „Werden Wiesen zu häufig gemäht und gemulcht oder kommen vermehrt Pestizide und Dünger zum Einsatz, kommen dabei oft die Raupen, Eier und Puppen des Schwalbenschwanzes zu Schaden“, weiß Simon Habermann.

Ein Garten für den Schwalbenschwanz
Für die Fortpflanzung ist der Schwalbenschwanz auf bestimmte Pflanzen angewiesen: Seine Eier legt er nur an Doldenblütlern wie Wilder Möhre, Pastinake oder Kleiner Bibernelle ab. Die grün-orangen Raupen fressen außerdem gerne an Fenchel oder Dill. „Wer dem Schwalbenschwanz im eigenen Garten helfen möchte, kann solche Pflanzen gezielt ansiedeln und sollte auf Pestizide sowie Kunstdünger verzichten“, sagt Simon Habermann.

Aufgrund des Klimawandels: Falter fliegen früher

Die Meldungen aus den vergangenen Jahren zeigen bereits spannende Entwicklungen: So wurde der Schwalbenschwanz zuletzt immer häufiger schon deutlich vor seiner eigentlichen Flugzeit ab Mitte April beobachtet. „Bereits im März gingen bei uns erste Beobachtungen des Schwalbenschwanzes ein. Das ist äußerst früh und zeigt, dass sich die Flugzeiten einiger Arten durch den Klimawandel zunehmend nach vorne verschieben“, erklärt der LBV‑Schmetterlingsexperte Simon Habermann.

Jetzt auch Taubenschwänzchen und Admiral melden
Neben dem Schwalbenschwanz stehen im Projekt „Falter im Fokus“ auch die Wanderfalter Admiral und Taubenschwänzchen weiterhin im Blickpunkt und können gemeldet werden. Von Januar bis Ende April gingen besonders viele Meldungen zu den Arten ein. „Diese frühen Beobachtungen betreffen vor allem die Falter, die den Winter in Bayern verbracht haben. Mit den steigenden Temperaturen tauchen nun aber auch die Tiere auf, die in Südeuropa oder teilweise sogar in Nordafrika überwintert haben und jetzt wieder nach Bayern einfliegen“, erläutert Habermann

Schmetterlinge melden: www.lbv.de/falter-im-fokus.


 

Über „Falter im Fokus“
Seit März 2024 ruft der LBV dazu auf, drei bestimmte Schmetterlingsarten zu melden, um mehr über sie herauszufinden. Diese sind: Admiral (Vanessa atalanta), Schwalbenschwanz (Papilio machaon) und Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum). Die Schmetterlingsdaten werden an „Schmetterlinge in Bayern“ der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Entomologen e.V. (ABE) weitergeleitet, um sie bestehenden Daten zuzuführen und eine weitere Verwendung zu gewährleisten. Mehr Infos unter www.schmetterlingebayern.de. Gefördert wird das Projekt von der Lesser Stiftung für Naturschutz.

 

Presseinformation 41-26
 
Rettung für die „Hufis“: LBV sichert Fledermausquartier in Waischenfeld
Millionenförderung für eines der letzten Vorkommen der Kleinen Hufeisennase in der Fränkischen Schweiz
 

 

Waischenfeld/Hilpoltstein, 15.05.2026 – Die Kleine Hufeisennase ist in der Fränkischen Schweiz fast ausgestorben. Seit über fünf Jahren setzt sich der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) bereits für den Erhalt der kleinen Fledermaus in der Region ein. Dort saniert der LBV nun eines von drei Quartiergebäuden im Rahmen des mit EU- und Landesmitteln geförderten Projekts „Hilfe für Hufis – Umsetzung von Schutzmaßnahmen für die Kleinen Hufeisennasen in der Frankenalb“. Hierfür überreichte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber heute in Waischenfeld (Lkr. Bayreuth) den Förderbescheid und machte sich ein Bild vom aktuellen Stand der Sanierungsarbeiten.
„Der Spatz unter den Fledermäusen“: So wurde die Kleine Hufeisennase aufgrund ihrer Häufigkeit früher genannt. Heute ist sie stark gefährdet, gebietsweise sogar vom Aussterben bedroht. Eine kleine Restpopulation hat in der Fränkischen Schweiz überlebt und zum Teil in einem Gebäude in der Stadt Waischenfeld ein Zuhause gefunden. Das sogenannte „Banzerhaus“ erwarb der LBV 2021 mit Mitteln des Bayerischen Naturschutzfonds und setzte erste Schutzmaßnahmen für die Fledermäuse um, wie zum Beispiel Einhausungen zum Schutz vor Marder und Siebenschläfer sowie warme Hangplätze an sicheren Orten im Gebäude. Auf eigens zur Überwachung der Tiere installierten Webcams konnten vergangenes Jahr die Geburten von zwei Jungtieren im Haus beobachtet werden. Doch das alte Gebäude wurde immer baufälliger: Regen drang durch die Dächer ein, der Putz bröckelte von der Fassade und eine Mauer stürzte teilweise ein. „Hufeisennasen sind unglaublich standorttreue Tiere. Uns war klar: Die beste Chance für den Erhalt der Art haben wir durch eine Sanierung des Gebäudes“, sagt LBV-Vorsitzender Dr. Norbert Schäffer.

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber betonte: „Fledermäuse sind wahre Superhelden unserer heimischen Tierwelt. Die Kleine Hufeisennase zählt zu den seltensten Fledermausarten in Bayern und ist auf geschützte, störungsarme Quartiere angewiesen. Für diese besondere Art schaffen wir mitten im Herzen der Fränkischen Schweiz ein langfristiges Zuhause. Dafür unterstützt der Freistaat das Projekt gemeinsam mit Fördermitteln des Bayerischen Naturschutzfonds und der EU. Das ist gelebter Naturschutz und ein wichtiges Signal für den Erhalt unserer heimischen Artenvielfalt.“

Bauen und Sanieren für die Hufis
Bereits seit 2023 werden die nötigen Sanierungsarbeiten nun vom LBV im Rahmen eines vom Bayerischen Naturschutzfonds und der Oberfrankenstiftung geförderten Projekts geplant. Um die Bauarbeiten und Maßnahmen perfekt auf die Bedürfnisse der Fledermäuse abstimmen zu können, wurden die Tiere mehrere Jahre durch zahlreiche Infrarotkameras im gesamten Haus beobachtet und ihr Verhalten detailliert dokumentiert. Jetzt stehen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und der Landschaftspflege- und Naturpark-Richtlinien (LNPR) 1,2 Mio. € für die aufwändige Sanierung des Anwesens mit seinen fünf Gebäudeteilen zur Verfügung. „Die Hauptarbeiten führten wir seit November 2025 durch, während sich die Tiere für ihren Winterschlaf in Höhlen und Keller in der Umgebung zurückgezogen hatten. Die letzten Baumaßnahmen vor der Sommerpause, beschränken sich auf Bereiche, in denen die Fledermäuse sich tagsüber nicht aufhalten. So wollen wir die Störung für die Kleinen Hufeisennasen minimieren,“ erklärt LBV-Projektleiter Dr. Andreas von Lindeiner. Interessierte können die Entwicklung der Kleinen Hufeisennasen im Banzerhaus live auf den Webcams des LBV beobachten unter www.lbv.de/kleine-hufi-cam.

 

Presseinformation 40-26
 
Raus aus dem Nest: Vogelnachwuchs wird jetzt flügge
LBV appelliert: Jungvögel brauchen selten Hilfe – Katzen jetzt zeitweise im Haus lassen
 

 

Hilpoltstein, 13.05.2026 – Zurzeit zwitschert und tschilpt es in Hecken, Sträuchern und Nistkästen in ganz Bayern. Die ersten Vogeljungen verlassen bereits das schützende Nest und sitzen scheinbar hilflos auf der Wiese oder im Geäst. So erreichen den bayerischen Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) derzeit vermehrt Anfragen von besorgten Vogelfreundinnen und -freunden, die vermeintlich in Not geratenen oder verlassenen jungen Vögeln helfen wollen. Der LBV rät hier erstmal zur Vorsicht. „Die Vogeljungen sind unerfahren und im Fliegen noch ungeübt, deshalb wirken sie oft hilflos. Sie werden jedoch weiterhin von ihren Eltern versorgt und gefüttert“, sagt die LBV-Biologin Dr. Angelika Nelson. Der LBV bittet daher, diese halbflüggen, bereits vollständig befiederten Vögel, so genannte Ästlinge, einfach sitzen zu lassen, solange sie sich nicht in unmittelbarer Gefahr, wie zum Beispiel durch Straßenverkehr oder Katzen, befinden. Weitere hilfreiche Tipps und ein kostenloses Faltblatt gibt es unter www.lbv.de/vogel-gefunden.
Beim Spaziergang oder im eigenen Garten entdecken Bürgerinnen und Bürger jetzt manchmal Jungvögel, die vermeintlich alleingelassen und hilflos im Gebüsch oder auf der Wiese hocken und laut piepsen. Sie rufen jedoch nicht um menschliche Hilfe, sondern halten mit diesen sogenannten Standortlauten Kontakt zu ihren Eltern, um gefüttert zu werden. Viele Vogelarten verlassen ihr Nest bereits, bevor sie fliegen können. Dazu zählen nicht nur typische Nestflüchter wie viele Entenvögel, Fasane oder Kiebitze, sondern auch einige Singvogelarten, Greifvögel und Eulen. „Bitte die Jungvögel unbedingt an Ort und Stelle lassen. Greift der Mensch in dieser sensiblen Phase ein und nimmt ein Jungtier in Obhut, unterbricht er die Bindung zwischen Alt- und Jungvogel“, erklärt Angelika Nelson. Vogeleltern suchen bis zu 24 Stunden lang nach ihren verlorengegangenen Jungen. Hilfe benötigen befiederte Jungvögel nur, wenn sie nach zwei bis drei Stunden immer noch nicht von einem Altvogel gefüttert wurden oder äußerlich verletzt sind.

Droht den flauschigen Federbällen unmittelbare Gefahr, zum Beispiel durch Katzen oder Straßenverkehr, können sie ohne Probleme kurz aufgenommen und an einem geschützten Ort in direkter Nähe des Fundortes, in Hörweite zu den Vogeleltern, abgesetzt werden. Am besten setzt man sie in eine Astgabel oder einen Busch. „Anders als bei, zum Beispiel, Rehkitzen nehmen Vogeleltern ihre Jungen wieder an, wenn diese von einem Menschen berührt wurden“, sagt die LBV-Vogelexpertin. Handelt es sich um einen Nestling, also einen noch unbefiederten Vogel, kann dieser - sofern erreichbar - in sein Nest zurückgesetzt werden. Der LBV stellt klar: Jungvögel sind Wildtiere, sie dürfen nur vorübergehend aufgenommen werden, wenn sie verletzt oder krank und somit tatsächlich hilfsbedürftig sind. Ansonsten liegt ein Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz vor. Die einfache Grafik unter www.lbv.de/vogel-gefunden hilft bei der Entscheidung, ob ein Jungvogel Hilfe braucht und wen man im Notfall kontaktieren kann.

Tipps zur Hilfe von Jungvögeln
Dass Jungvögel außerhalb ihres Nestes auch natürlichen Feinden zum Opfer fallen, ist ein Vorgang, an den die Natur und die Vogelbestände angepasst sind. Hauskatzen hingegen sind keine heimischen Wildtiere, sie wurden vom Menschen domestiziert und kommen im Siedlungsgebiet in extrem hoher Dichte vor. Als Beutegreifer jagen sie allerdings ebenfalls Vögel. Wer Katzen besitzt, sollte seinen Stubentiger daher für einige Tage – wenigstens in den Morgen- und Abendstunden – im Haus halten, gerade wenn Jungvögel im Garten oder in der Nachbarschaft unterwegs sind. Da die Jungvögel noch nicht richtig fliegen können, sind sie eine leichte Beute.

Umso wichtiger ist es, ihnen sichere Rückzugsorte zu bieten. „Wer den Vögeln helfen möchte, sollte ihre Lebensräume schützen“, fordert Nelson. „Dazu kann jeder etwas beitragen - etwa indem man den Garten naturnah gestaltet, mit abwechslungsreichen, heimischen Pflanzen. Vögel finden dort Beeren und Insekten als Nahrung und können sich in dornigen Büschen gut verstecken.“

Jungvögel bis in den Sommer zu beobachten

Sind die jungen Vögel alle ausgeflogen, sind die Vogeleltern noch lange nicht fertig. Nach einer kurzen Verschnaufpause starten viele Vogelarten mit einer zweiten und oft sogar dritten Brut. „Die Brutsaison beschränkt sich nicht nur auf den Frühling. Einige unserer Gartenvögel, wie Kohlmeise, Rotkehlchen und Amsel, brüten bis zu dreimal in einem Jahr und das dauert bis in den August hinein“, sagt Angelika Nelson. Wer einen Nistkasten im Garten hat, muss diesen nach der ersten Brut nicht säubern. „Viele Vögel bauen ein neues Nest auf das alte drauf. Am besten wartet man mit dem Reinigen bis in den Herbst, wenn bestimmt kein Singvogel mehr brütet“, empfiehlt die LBV-Biologin.

 

Presseinformation 39-26
 
Igel in Bayern entdeckt? Jetzt melden
Igelfreundlicher Garten: Weniger mähen, mehr Wildnis wagen – LBV ruft im Rahmen eines deutschlandweiten Projektes zur Meldung auf
 

 

Hilpoltstein, 06.05.2026 – Wenn die Dämmerung einsetzt, werden sie aktiv: Igel gehören zu den heimlichen Bewohnern unserer Gärten. Doch das Tier hat es immer schwerer und steht nicht nur bayernweit sondern global als „potenziell gefährdet“ auf der internationalen Roten Liste gefährdeter Arten. Deshalb ruft der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) gemeinsam mit der Deutschen Wildtierstiftung, NABU|naturgucker und weiteren Partnern dazu auf, vom 15. bis 25. Mai bundesweit Igel zu melden. „Lebendig oder tot – Jeder gemeldete Igel in Bayern zählt, damit wir noch mehr über die Verbreitung und das Verhalten des stachelige Gartenbewohners erfahren und seinen Schutz langfristig verbessern können“, sagt die LBV-Igelexpertin Dr. Angelika Nelson. Sichtungen können dem LBV-Bürgerforschungsprojekt „Igel in Bayern“ ganz einfach online gemeldet werden unter www.igel-in-bayern.de.
Mit den länger werdenden Tagen beginnt im Mai die Paarungszeit der Igel. Auf der Suche nach einer Partnerin durchstreifen die Männchen jetzt Bayerns Gärten. Für die Brautschau braucht es viel Energie. Doch das Nahrungsangebot, vor allem Insekten, deren Larven und andere kleine wirbellose Tiere, wird immer knapper. Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer können hier unterstützen: „Wer im Mai Rasen und Wiese bewusst wachsen lässt, fördert direkt vor der Haustür die Artenvielfalt. Denn ungemähte Flächen schaffen Lebensraum für Wildblumen, Kräuter und viele Insekten. Davon profitieren dann Igel, Vögel und Fledermäuse“, erklärt Angelika Nelson. Deshalb hat der LBV erst kürzlich zum Aktionsmonat „Mähfreier Mai“ aufgerufen.

Wer den Rasenmäher doch aus dem Schuppen holen möchte, kann gezielt nur Wege oder kleinere Flächen, etwa zum Spielen für Kinder, mähen. Je mehr wilde Ecken der naturnahe Garten hat, desto besser für die Biodiversität. Auf den Einsatz von Mährobotern in den Abend- und Nachtstunden sollten Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer jedoch unbedingt verzichten. „Bei Gefahr rollen sich Igel ein, anstatt zu fliehen und können so schwere Verletzungen durch das Schneidewerk erleiden. In einem igelfreundlichen Garten sind Mähroboter in der Dämmerung und Dunkelheit tabu“, warnt die LBV-Biologin. Immer mehr Städte und Gemeinden reagieren darauf bereits mit einem Nachtfahrverbot für Mähroboter, wie es der LBV bereits seit Längerem für ganz Bayern fordert.

„Wer einen Igel im Garten oder am Straßenrand entdeckt, kann mit einer einfachen Online-Meldung einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leisten“, sagt die LBV-Igelexpertin. Die gesammelten Daten werden von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Leibniz-IZW (Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung) im Rahmen des bundesweiten Citizen-Science-Projekts ausgewertet. Das Projekt soll wertvolle Einblicke in die Lebensweise, Verbreitung und mögliche Gefährdungen der Igel geben. Denn das stachelige Tier leidet zunehmend unter der Zerschneidung von Lebensräumen, Straßenverkehr und Nahrungsmangel.

Igel in Bayern: Jede Meldung zählt

Bayerische Bürgerinnen und Bürger können ihre Beobachtungen schnell und unkompliziert melden unter www.igel-in-bayern.de. Neben Ort und Datum sind auch Angaben zum Verhalten der Tiere, zum Beispiel ob sie lebendig oder tot gefunden wurden, hilfreich. Um einen deutschlandweiten Überblick zu dieser Art zu erhalten, wird das LBV-Meldeprojekt „Igel in Bayern“ vom 15. bis zum 25. Mai Teil der bundesweiten Aktion „Deutschland sucht Igel und Maulwurf“.

Über das Gemeinschaftsprojekt
„Deutschland sucht Igel und Maulwurf“ ist ein gemeinsames Projekt von der Deutschen Wildtier Stiftung, NABU|naturgucker, dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822 e. V., dem NABU Bundesverband und dem Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV). Ziel ist, ein langfristiges Monitoring zu Verbreitung und Vorkommen von Igel und Maulwurf in Deutschland zu etablieren. Sichtungen von Igeln in Bayern werden dem LBV gemeldet, die des Maulwurfs an NABU|naturgucker. Die hieraus gewonnen Erkenntnisse erlauben zukünftig eine Bewertung der Bestandssituation von Igel und Maulwurf. Darauf aufbauend können auch gezielte Artenschutzmaßnahmen initiiert werden.

 

Presseinformation 38-26
 
Rasenmäher aus und Fernglas raus: Die Stunde der Gartenvögel schlägt wieder
LBV ruft vom 8. bis 10. Mai wieder zur großen Mitmachaktion auf – Jetzt aufs Mähen verzichten und mehr Vögel beobachten
 

 

Hilpoltstein, 04.05.2026 – In Bayerns Gärten herrscht Hochbetrieb: Emsige Vogeleltern suchen nach Nahrung für ihre Jungen, aus den Hecken und von den Bäumen zwitschert und trällert es. Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und sein bundesweiter Partner NABU laden alle Bürgerinnen und Bürger dazu ein, sich am kommenden Wochenende eine Stunde bewusst Zeit zu nehmen, um im Rahmen der „Stunde der Gartenvögel“ dieses Naturspektakel zu erleben. „Gerade in naturnahen Gärten ist jetzt einiges geboten“, sagt LBV-Vogelexpertin Dr. Angelika Nelson. „Wer im Garten Wilde Ecken schafft und Sträucher wachsen lässt, bietet Vögeln nicht nur Nahrung, sondern auch dringend benötigte Verstecke für die Jungenaufzucht.“ Alle Informationen zur Aktion und das Online-Formular zum Mitmachen unter www.sdg.lbv.de.

Die „Stunde der Gartenvögel“ gibt jedes Jahr wertvolle Hinweise darauf, wie es um häufige und beliebte Arten wie Spatzen, Meisen, Amseln oder Rotkehlchen im bayerischen Siedlungsraum steht. Das Prinzip ist ganz einfach: Naturbegeisterte in ganz Bayern beobachten eine Stunde lang die Vögel im Garten, auf dem Balkon oder im Park, notieren die höchste Anzahl jeder Art, die in der Zählstunde zu sehen war, und melden das Ergebnis dem LBV.

Wer zur 22. Stunde der Gartenvögel möglichst viele gefiederte Gäste in den eigenen Garten locken will, sollte den Rasenmäher jetzt im Schuppen lassen. Denn eine ungemähte Wiese mit blühenden Gänseblümchen, Löwenzahn oder Klee lockt Insekten an und die sind wiederum unverzichtbare Nahrung für viele Vogeleltern und deren Junge. „Was für manche unordentlich wirkt, ist ein echter Gewinn für die Natur. Und auch wir Menschen profitieren davon: Denn das Beobachten der vielfältigen Tierwelt in einem naturnahen Garten ist ein wunderbarer Ausgleich zum oft hektischen Alltag“, erklärt LBV-Biologin Dr. Angelika Nelson. Wer sich am „Mähfreien Mai“ beteiligt und auch über das Zählwochenende hinaus auf den Rasenmäher verzichtet, kann sich auch in den kommenden Wochen noch an dem bunten Treiben von Insekten und Vögeln erfreuen.

Ankunft der Mauersegler erwartet
Spannend ist jedes Jahr auch die Frage, ob die ersten Mauersegler rechtzeitig zur „Stunde der Gartenvögel“ zurück sind. Die eleganten Flugkünstler kehren meist Anfang Mai aus ihren Winterquartieren zurück und sind dann kaum zu überhören: „Mit ihren lauten „sriiih“-Rufen jagen Mauersegler in rasantem Flug durch die Luft. Sie bauen ihre Nester hoch an Gebäuden, doch zur Jungenaufzucht sind auch sie auf reichlich Insekten angewiesen und profitieren damit unmittelbar von naturnahen Gärten und blühenden Flächen im städtischen Raum“, erklärt Dr. Angelika Nelson.

Teilnehmende, die die charakteristischen „sriiih“-Rufe hören, können Mauersegler auch dann melden, wenn sie die Tiere selbst nicht sehen. Das gilt auch für andere Arten. Denn im Mai heißt es oft hören statt sehen. Bäume und Sträucher stehen jetzt in vollem Laub und viele Vögel bleiben im Blattwerk verborgen. Wer genau hinhört, kann Amsel, Mönchsgrasmücke oder Zaunkönig auch am Gesang bestimmen. Dabei können Apps behilflich sein, die mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz Vogelstimmen erkennen und einer Art zuordnen. „Apps zur Bestimmung von Vogelstimmen sind eine wertvolle Unterstützung und können beim Erlernen von Vogelgesängen und Rufen eine große Hilfe sein“, sagt die LBV-Vogelexpertin. „Trotzdem sollte man die vorgeschlagenen Ergebnisse immer kritisch hinterfragen und am besten mit einer Beobachtung der jeweiligen Art absichern.“

Die eigene Beobachtung melden: So geht’s
Die Beobachtungen vom Zählwochenende melden Teilnehmende bis zum 18. Mai online unter www.sdg.lbv.de oder per Post. Auf der Webseite sind ab dem ersten Zähltag fortlaufend aktualisierte Zwischenstände abrufbar, die nach Landkreisen und Regierungsbezirken gefiltert werden können. Unter allen Teilnehmenden verlost der LBV hochwertige Preise.

„Schulstunde der Gartenvögel“
Auch Schulklassen können sich beteiligen: Die „Schulstunde der Gartenvögel“ läuft vom 4. bis zum 8. Mai. Lehrkräfte sind eingeladen, mit ihren Klassen eine Stunde lang die Vogelwelt auf dem Pausenhof, im Schulgarten oder im nahegelegenen Park zu beobachten und die Ergebnisse zu melden. Viele informative Materialien zu den häufigsten Gartenvögeln aufbereitet für Schulkinder gibt es unter www.naturschwaermer.lbv.de/sdg.

Gesucht: Die schönsten Gartenvogelbilder 2026
Passend zur „Stunde der Gartenvögel“ lädt der LBV zum Fotowettbewerb ein. Gesucht werden die schönsten Aufnahmen von Gartenvögeln in Bayern. Jetzt noch bis 17. Mai mitmachen unter www.lbv.de/fotowettbewerb.

 

Presseeinladung
 
Ein Haus für Fledermäuse: Sanierung im vollen Gange
LBV saniert einen der letzten Wohnorte der seltenen Kleinen Hufeisennase in der Fränkischen Schweiz
 
Datum: Freitag, 15.05.2026
Zeit:
09:00 – 10:00 Uhr
Ort
: Fischergasse 2, 91344 Waischenfeld,
https://maps.app.goo.gl/bFpsEUQRXCe9igQ27  
Anwesend:

Thorsten Glauber, Bayerischer Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz
Dr. Norbert Schäffer, LBV-Vorsitzender
Dr. Andreas von Lindeiner, LBV-Projektleiter „Hilfe für Hufis“
Stephan Schwarzmann, Architekt der Sanierung

Ulrike Strohmeier, Vorständin Bayerischer Naturschutzfonds
Thomas Engel, Regierungsvizepräsident Oberfranken
Franc Dierl, Mitglied des Landtages
Alexander Flierl, Mitglied des Landtages
Thomas Thiem, Bürgermeister Waischenfeld

 

 

Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) setzt sich bereits seit mehreren Jahren für den Schutz der Kleinen Hufeisennasen in der Fränkischen Schweiz ein. Im Rahmen des mit EU- und Landesmitteln geförderten Projekts „Hilfe für Hufis – Umsetzung von Schutzmaßnahmen für die Kleinen Hufeisennasen in der Frankenalb“ wird nun eins von drei Quartiergebäuden der Fledermäuse aufwändig saniert. Hierfür übergibt der Bayerische Umweltminister Thorsten Glauber nun den Förderbescheid und besichtigt das Vorhaben vor Ort in Waischenfeld.

Das „Banzerhaus“ in Waischenfeld wurde 2021 vom LBV mit Förderung des Bayerischen Naturschutzfonds erworben. In dem Gebäude lebt eine der letzten drei Wochenstuben der Kleinen Hufeisennase in der Fränkischen Schweiz. Der LBV möchte den seltenen Fledermäusen dort langfristig ein Zuhause bieten und so dazu beitragen, die Population in der Fränkischen Schweiz zu erhalten. Daher wird das baufällige Gebäude aktuell aufwändig saniert und für die Fledermäuse optimiert.

Nach einer Begrüßung durch den LBV-Vorsitzenden und der Übergabe des Förderbescheids, können sich die Anwesenden vor Ort ein Bild des aktuellen Stands der Sanierungsarbeiten machen. Architekt und Projektmitarbeitende bieten dabei Einblicke hinter die Kulissen. Mit etwas Glück können die sensiblen Fledermäuse auch über die Webcams vor Ort beobachtet werden.

Hintergrundinformationen zu den Bauarbeiten am Fledermaushaus
Bereits seit 2023 betreibt der LBV dank großzügiger Förderung durch den Bayerischen Naturschutzfonds und die Oberfrankenstiftung ein intensives Monitoring der bedrohten Art sowie umfangreiche Planungen für die Sanierung des Gebäudes im Sinne der Fledermäuse. Diese Planungen können nun dank weiterer Förderung aus Mitteln des Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und der Landschaftspflege- und Naturpark-Richtlinien (LNPR) in die Umsetzung gehen und so hoffentlich die Art vor dem Aussterben bewahren. Die Bauarbeiten laufen seit November 2025 und gehen nun bald in die Sommerpause während die Kleine Hufeisennasen wieder vor Ort sind. Ende April kehrte das erste Tier aus dem Winterschlaf zurück und erkundete die „neuen“ Räumlichkeiten.

Die Veranstaltung ist für die Fernseh- und Radioberichterstattung besonders gut geeignet.

Gute Parkmöglichkeiten finden sich auf dem Bischof-Nausea-Platz auf der anderen Seite der Wiesent (https://maps.app.goo.gl/vgN7Gu23sy3qcTgc8).
Bitte nicht direkt vor dem Haus parken.


Über Ihr Kommen freuen wir uns sehr.
Bitte teilen Sie uns bis zum 13.05.2026 an [email protected] mit, ob Sie an der Veranstaltung teilnehmen können.

 

Presseinformation 37-26
 
Biogas ist durch hohen Flächenverbrauch sehr ineffizient
Klare Kritik des LBV anlässlich des heutigen süddeutschen Biogas-Gipfels – Biogas nur aus Reststoffen gewinnen
 

 

Hilpoltstein, 04.05.2026 – Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber setzt sich seit Jahren im engen Schulterschluss mit der Branche für Biogasanlagen ein. Auch der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) arbeitet daran, Biogas als wirtschaftliches Standbein der Landwirtschaftsbetriebe fest zu verankern. Jetzt soll ein süddeutscher Biogasgipfel den Plänen neuen Auftrieb geben. Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) sieht das kritisch.
„Biogas aus Reststoffen und dem Aufwuchs von Blühflächen macht Sinn. Unsinnig ist es jedoch, für Biogas extra Energiepflanzen anzubauen, denn im Vergleich zu Photovoltaik wird dafür extrem viel Fläche verbraucht“, stellt der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer klar. Als Faustzahl gilt: Auf einem Hektar Photovoltaik (PV)-Fläche kann mindestens 28-mal so viel Energie produziert werden wie mit einem Hektar Energiemais. „Unsere landwirtschaftlichen Böden sind zu wertvoll, um sie für eine so ineffiziente Technologie wie Biogas zu opfern. Gleichzeitig ist die Vermaisung durch die Biogas-Erzeugung der Tod einer Landschaft. Maismonokulturen sind äußerst artenarm und entwerten die Landschaft für Mensch und Natur – was wir brauchen, ist ein Öko-Gasgipfel, der naturverträglichere Lösungen entwickelt“, betont Schäffer.

Aktuell werden nur 22,7 Prozent des deutschen Getreides für die menschliche Ernährung genutzt. Die Hälfte des Getreides wird als Viehfutter verbraucht, rund zwölf Prozent energetisch verwertet. Für den bayerischen Naturschutzverband ist das kein zukunftsfähiges Modell für die Ernährungssicherheit in Deutschland. „Wer mit dem Argument der Ernährungssicherheit regelmäßig gegen die Inanspruchnahme von landwirtschaftlichen Flächen durch den Naturschutz wettert, muss vor allem den exorbitanten Flächenverbrauch für die Biogaserzeugung eindämmen und stattdessen Photovoltaik fördern. Ernährungssicherheit bedeutet, sich von importiertem Mineraldünger unabhängig zu machen und weniger Flächen für die Futtermittelerzeugung in der Massentierhaltung einzusetzen“, so der LBV-Vorsitzende.

Der LBV fordert flexible Biogasanlagen, die nur dann Strom, Wärme und Gas produzieren, wenn nicht genügend Energie aus Wind und Photovoltaik verfügbar ist – und nicht solche, die rund um die Uhr Energie bereitstellen. Für die Produktion sollten nur Substrate verwendet werden, die in anderen Prozessen übrigbleiben – wie Ernterückstände, Zwischenfrüchte, Gülle, Mist und Bioabfälle.

Eine besondere Rolle können mehrjährigen Blühflächen spielen. Hier werden spezielle Saatgutmischungen verwendet, deren Aufwuchs für Biogasanlagen verwendet werden kann. Der Energie-Ertrag ist nicht so groß wie beispielsweise bei Biomais, dafür sind sie ein echter Gewinn für die Kulturlandschaft. „Sie sind ökologisch wertvoll, fördern die Artenvielfalt und tragen gleichzeitig zur Bodenverbesserung bei“, erklärt Schäffer.

Hintergrund
In Bayern waren Ende 2025 2.702 Biogasanlagen in Betrieb. Das vorherrschende Substrat für die Biogaserzeugung ist Silomais. 2024 wurde in Bayern auf 420.000 Hektar Silomais angebaut, davon mehr als 100.000 ha Silomais für Biogasanlagen. Der Hauptteil des Silomaises geht in die Tierfütterung, v.a. der Rinder.
Die Reststoffnutzung, über Gülle und Mist hinaus, wird von vergleichsweise wenigen Betrieben praktiziert.

 

Presseinformation 36-26
 
Schmetterlinge als Spiegel der Natur: LBV-Hochschulgruppen liefern neue Daten
LBV ist neuer Partner beim Tagfalter-Monitoring Deutschland – Wichtige Erkenntnisse über den Zustand der bayerischen Natur erwartet
 

 

Hilpoltstein, 04.05.2026 – Mauerfuchs, Himmelblauer Bläuling oder Kleiner Feuerfalter: Für viele sind Schmetterlinge ein hübscher Farbtupfer am Wegesrand, an dem man sich kurz erfreut. Doch ihre Anwesenheit ist alles andere als zufällig: Tagfalter gelten als sensible Botschafter der Biodiversität und ihr Verschwinden erzählt viel über den Zustand einer Landschaft. Genau hier setzt der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) an, der nun in enger Kooperation mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und der Gesellschaft für Schmetterlingsschutz e. V. (GfS) das seit mehr als 20 Jahren bestehende Tagfalter-Monitoring Deutschland (TMD) in Bayern gezielt intensiviert. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Einbindung von Hochschulen. Gemeinsam mit LBV-Hochschulgruppen sollen frühere Beobachtungsstrecken wiederbelebt und neue aufgebaut werden. "Schmetterlinge zeigen uns sehr direkt, wie es unseren Wiesen und Feldern geht. Wenn bestimmte Arten verschwinden, ist das ein deutliches Warnsignal. Genau deshalb sind die Daten aus dem Monitoring so wichtig", erklärt der LBV-Schmetterlingsexperte und Projektmanager Simon Habermann.
Seit mehr als 20 Jahren sind engagierte Bürgerinnen und Bürger überall in Deutschland ehrenamtlich unterwegs, um die Vorkommen tagaktiver Falter zu erfassen. Dieses "Tagfalter-Monitoring Deutschland", das von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und Mitgliedern der Gesellschaft für Schmetterlingsschutz (GfS) 2005 ins Leben gerufen wurde, hat seitdem viele wertvolle Informationen über die Schmetterlingswelt und dazu, wie Landnutzung und Klimawandel den Zustand der Natur insgesamt verändern, geliefert.

"Bayern hat eine besonders hohe Vielfalt an Tagfalterarten – gleichzeitig gibt es noch Lücken in der Datenerhebung. Genau hier setzen wir an: Wir wollen das Monitoring gezielt verdichten und so ein deutlich genaueres Bild davon bekommen, wie sich unsere Tagfalterpopulationen entwickeln", erklärt LBV-Projektmanager Simon Habermann.

Im Fokus steht dabei insbesondere die nächste Generation von Naturschützerinnen und Naturschützern: Zukünftig werden vor allen Dingen Studierende aus den LBV-Hochschulgruppen regelmäßig Schmetterlinge auf festgelegten Strecken – sogenannten Transekten – erfassen und damit einen wichtigen Beitrag zur Datenerhebung liefern. "Auf der Suche nach Faltern in verschiedenen Entwicklungsstadien lernt man auch seine alltägliche Umgebung neu kennen. Die Beobachtungsgänge erweitern so nicht nur die Datenlage für die Forschung, sondern auch unser eigenes Verständnis für die Lebensraumansprüche und den Schutz dieser schönen Artengruppe", sagt Pia Stermann von der Hochschulgruppe Freising.

Die im Tagfaltermonitoring Deutschland erhobenen Daten fließen unter anderem in den Index der Grünlandschmetterlinge (Grassland-Butterfly-Index) ein, auch auf EU-Ebene ein wichtiger Indikator zur Bewertung der Biodiversität in Agrar- und Offenlandlebensräumen. Forschende des UFZ hatten den Index 2025 erstmals für Deutschland berechnet und dabei einen deutlichen Rückgang insbesondere bei den Individuenzahlen spezialisierter, anspruchsvoller Arten seit 2026 festgestellt. "Diese Ergebnisse zeigen auch, dass der Trend der Grünlandschmetterlinge in Deutschland im Vergleichszeitraum dem Trend auf europäischer Ebene entspricht, der von der Organisation Butterfly Conservation Europe zuletzt 2025 für alle 27 Mitgliedsstaaten ermittelt wurde", sagt Elisabeth Kühn, UFZ-Biologin und Koordinatorin des Tagfaltermonitoring Deutschland.

"Gerade Arten des Grünlands sind in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen – nicht nur spezialisierte, sondern auch verbreitete Arten. Um solche Entwicklungen verlässlich zu erkennen, brauchen wir langfristige und flächendeckende Datenreihen. Aus diesem Grund freut es uns besonders, den LBV nun als starken Partner mit an Bord zu haben", erklärt Dr. Matthias Dolek, Schmetterlingsforscher und Bayern-Koordinator des Tagfalter-Monitorings Deutschland.

Gefördert wird das Projekt von der Lesser Stiftung für Naturschutz.

 

Presseinformation 35-26
 
Nachhaltig ins Leben: Fünf bayerische Kitas als „Kita im Aufbruch“ ausgezeichnet
LBV und Bayerisches Umweltministerium ehren nachhaltige Kindertageseinrichtungen
 

 

Hilpoltstein, 29.04.2026 – Gesundes Bio-Mittagessen, Beeren und Kräuter aus dem naturnahen Garten und ein Tauschschrank voller spannender Bücher: Dinge wie diese zeichnen eine „Kita im Aufbruch“ aus. Diesen Titel erhielten heute fünf Kindertageseinrichtungen im Freistaat für ihr Engagement, das Leben in der Kita nachhaltig zu gestalten. Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz würdigen die besondere Leistung der pädagogischen Teams in den vergangenen eineinhalb Jahren, Nachhaltigkeit langfristig und in der gesamten Kindertageseinrichtung zu verankern.
„Mit dem Programm ‚Kita im Aufbruch‘ setzen wir früh an und begleiten Kinder dabei, nachhaltiges Handeln ganz selbstverständlich zu erlernen. Gerade in den ersten Lebensjahren werden wichtige Grundlagen für Werte und Verhaltensweisen gelegt. Umso wichtiger ist es, Bildung für nachhaltige Entwicklung fest im Alltag der Kitas zu verankern. Das gelingt gemeinsam – getragen von dem großen Engagement der Pädagoginnen und Pädagogen, Leitung und Trägern, Kindern und Eltern. Das Umweltministerium fördert das Projekt mit rund 105.000 Euro. Dabei ist jeder einzelne Euro gut investiert“, sagt Dr. Christian Barth, Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt- und Verbraucherschutz.

Bei der heutigen Auszeichnungsveranstaltung überreichten Amtschef Dr. Christian Barth und der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer jeder Kita eine Urkunde sowie eine Holz-Plakette mit dem Titel „Kita im Aufbruch“. „Viele kleine Schritte machen am Ende einen großen Unterschied“, betont der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer. „Die Kitas zeigen auf bemerkenswerte Art, wie sich Nachhaltigkeit ganz praktisch im Alltag integrieren lässt. Wenn Kinder Natur entdecken können und nachhaltiges Handeln hautnah erleben, prägt sie das langfristig.“

Wenn Kitas gemeinsam nachhaltiger werden

Nach erfolgreicher Bewerbung begleitet der LBV die teilnehmenden Kitas rund 18 Monate lang. In sechs Modulen arbeiten die Teams an zentralen Nachhaltigkeitsthemen: von Energie, Wasser und Abfall bis zu Gärtnern und Ernährung. Zwischen den Modulen unterstützt der LBV die Kitas bei der Umsetzung eigener Maßnahmen und fördert den Austausch untereinander. „Bildung für nachhaltige Entwicklung versteht sich als umfassender und langfristiger Wandlungsprozess. Aus diesem Grund beziehen wir sowohl die Kinder, Kita-Mitarbeiter*innen, Eltern und Träger mit ein – damit Nachhaltigkeit nicht ‚Projekt‘, sondern Standard wird“, so Alexandra Lindig vom LBV. In den Einrichtungen werden BNE-Beauftragte benannt, die das Thema Nachhaltigkeit auch in stressigen Phasen immer wieder auf den Tisch bringen und das pädagogische Team daran erinnern.

Vielfältige Veränderungen
Mehr Nachhaltigkeit entsteht durch viele kleine Maßnahmen: Außengelände werden naturnah und insektenfreundlich gestaltet. Kinder erleben dort Biodiversität hautnah und lernen beim Anbau von Obst und Gemüse die Vielfalt von Arten und Sorten kennen. Kräuterspiralen, Beerensträucher und Hochbeete schaffen neue Lernorte rund um regionale und saisonale Ernährung. Im Innenbereich setzen die Kitas verstärkt auf nachhaltige Beschaffung – etwa durch natürliche Spielmaterialien, Recyclingprodukte sowie umweltverträgliche Reinigungs- und Hygieneartikel.

„Diese Vielfalt zeigt für mich ganz klar: ‚Kita im Aufbruch‘ setzt nicht auf einzelne Maßnahmen, sondern auf einen ganzheitlichen Ansatz. Nachhaltigkeit wird Schritt für Schritt in unseren Alltag integriert – in Routinen, Entscheidungen und Bildungsprozesse. Genau so funktioniert Bildung für nachhaltige Entwicklung: in kleinen, konkreten Schritten, die bei den Kindern wirklich ankommen“, sagt Kerstin Paul, stellvertretende Leitung der Evangelischen Kindertagesstätte Geroldsgrün.

Die ausgezeichneten Einrichtungen
- Haus für Kinder „Der gute Hirte“, Illesheim
- Evangelische Kindertagesstätte Geroldsgrün
- Kitea Regensburg Gewerbepark, Regensburg
- Evangelisches Haus für Kinder Messestadt West, München
- AWO Haus für Kinder Regenbogen, Straubing

Über „Kita im Aufbruch“
Ziel des Projektes ist es, Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) langfristig in den Kitas zu verankern. BNE ermöglicht es allen Menschen, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen und verantwortungsvolle, nachhaltige Entscheidungen zu treffen. „Kita im Aufbruch“ besteht aus mehrere Teammodulen sowie einer engen Beratung und Begleitung der Einrichtungen. Rückenwind erhielt das Projekt bereits zweimal mit der „Nationalen Auszeichnung – Bildung für nachhaltige Entwicklung“ von dem Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie der Deutschen UNESCO-Kommission. Gefördert wird das LBV-Projekt „Kita im Aufbruch – Individuelle Prozessbegleitung Richtung Nachhaltigkeit“ vom Bayerischen Umwelt- und Verbraucherschutzministerium und der Minderleinsmühle GmbH & Co. KG in Neunkirchen mit ihrer Naturkostmarke Rosengarten.
Mehr Informationen finden sich unter www.lbv.de/kitaimaufbruch.

 

Presseinformation 34-26
 
Einfach mal wachsen lassen: Mähfreier Mai bringt Vielfalt in den Garten
Damit es summt und brummt: LBV ruft zum Aktionsmonat auf
 

 

Hilpoltstein, 28.04.2026 – Jetzt im Frühling wächst alles schnell und viele Gartenbesitzende wollen gleich Ordnung schaffen. Statt direkt zum Rasenmäher zu greifen, appelliert der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz), die Mähmaschine guten Gewissens noch im Schuppen zu lassen. „Wer bis Ende Mai auf das Mähen verzichtet, schafft sich selbst nicht nur mehr freie Zeit, sondern fördert auch die Artenvielfalt“, betont die LBV-Biologin Tarja Richter. „Ungemähte Rasenflächen bieten wichtigen Lebensraum für Wildblumen und Insekten. Löwenzahn und Weißklee locken beispielsweise Schmetterlinge und Wildbienen an, die den Nektar und die Pollen brauchen, Brennnesseln werden von einigen Schmetterlingen zur Eiablage genutzt. Auch Vögel profitieren von den Insekten und Samen.“ Wer auch nach dem Mai weniger mäht und ungemähte Stellen stehen lässt, erhält den ganzen Sommer über wertvolle Lebensrauminseln.
In den ersten Frühlingsmonaten auf das Mähen zu verzichten, hilft den Pflanzen sich bis zur Blüte zu entwickeln. Im Rasen sind das unter anderem Gänseblümchen, Weißklee, Gundermann oder Löwenzahn. „Die ersten Blüten auf der Wiese sind jetzt besonders wertvoll – sie sind wichtige Nahrungsquellen für Schmetterlingen und Bienen “, erklärt Tarja Richter. „Außerdem bietet langes Gras einen wichtigen Lebensraum für Käfer oder Heuschrecken.“ Auch wilde Ecken mit Brennnesseln sollten stehen bleiben: Dort legen Schmetterlinge wie das Tagpfauenauge jetzt im April und Mai ihre Eier ab. Von der Insektenvielfalt profitieren auch die Gartenvögel, die jetzt im Frühjahr viele hungrige Mäuler zu stopfen haben. Eine erhöhte Vielfalt an Wildblumen und Insekten wirkt sich zudem positiv auf die menschliche Psyche aus.

Häufig wird unterschätzt, welchen Einfluss kleine Maßnahmen im eigenen Garten haben können. „Etwa zwei Prozent der Gesamtfläche Bayerns sind Privatgärten. Deshalb sind Versteckmöglichkeiten und Nistorte für Vögel und Insekten vor der eigenen Haustür wichtig. Gartenbesitzende können hier einen wichtigen Beitrag leisten“, so die LBV-Biologin. Bis Ende Mai sollte der Rasenmäher erstmal im Schuppen bleiben. Wer später im Jahr mäht, sollte am besten eine Sense nutzen und die Mähintervalle strecken, so dass beispielsweise nur noch einmal im Monat gemäht wird. Es empfiehlt sich abschnittsweise vorzugehen: Wenn erst ein Gartenabschnitt gemäht wird, bleiben andere Teile des Gartens als Rückzugsräume für die Tiere erhalten. Wildblumen bevorzugen magere Standorte ohne Gründüngung. Deshalb sollte das Schnittgut nicht auf den Flächen liegen gelassen werden – es kann kompostiert oder zum Mulchen genutzt werden. Der Rasenmähroboter ist keine geeignete Alternative, da die Maschinen beispielsweise Igel stark verletzen oder Insekten schädigen können.

Neben Insekten und Wildblumen profitiert auch der Boden vom höheren Gras: Durch mehr Schatten bleibt die Erde feuchter und trocknet im heißen Sommer nicht so schnell aus. Ein Tipp für Ordnungsliebende: einfach Wege und Ränder freischneiden und der Garten sieht trotzdem aufgeräumt aus.

 

Presseinformation 33-26
 
 
Natur wirksam wiederherstellen: LBV bewertet nationalen Wiederherstellungsplan
LBV fordert: Bayern muss seinen Beitrag für den nationalen Plan zur Wiederherstellung der Natur nachbessern Zeilen
 

 

Hilpoltstein, 27.04.2026 – Der bayerischen Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) begrüßt den von Bund und Ländern vorgelegten nationalen Wiederherstellungsplan als wichtigen Schritt für den Schutz und die Wiederherstellung der Natur, sieht jedoch noch erheblichen Nachbesserungsbedarf. Das fortschreitende Artensterben und der schlechte Zustand unserer natürlichen Lebensgrundlagen erfordern stärkere Anstrengungen als sie der aktuelle Entwurf erkennen lässt. „Es ist gut, dass der nationale Wiederherstellungsplan jetzt vorliegt. Er zeigt, dass die Bundes- und Landesregierungen den Handlungsbedarf erkannt haben. Entscheidend ist aber, ob die Maßnahmen vor Ort ausreichen und konsequent umgesetzt werden – hier sehen wir noch deutlichen Verbesserungsbedarf“, sagt Dr. Norbert Schäffer, Vorsitzender des LBV.
Der Plan ist das zentrale Instrument zur Umsetzung der EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur, die seit 2024 gilt und mit der die Mitgliedsstaaten verbindliche Ziele zur Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme festgelegt haben.

Hintergrund
Die europäische Natur-Wiederherstellungsverordnung schafft erstmals einen verbindlichen Rahmen für alle Mitgliedsstaaten, um konkrete Maßnahmen zur Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme zu entwickeln und umzusetzen. Ziel ist es unter anderem, bis 2030 auf mindestens 20 Prozent der Land- und Meeresflächen wirksame Wiederherstellungsmaßnahmen und somit eine Trendwende beim Naturverlust einzuleiten.

Der nationale Wiederherstellungsplan legt hierfür Maßnahmen, Flächenkulissen, Zeitpläne und Finanzierungsansätze fest. Der aktuelle Entwurf ist vor allem eine Bestandsaufnahme. Nun kommt es darauf an, dass Bund und Länder diese konkretisieren und eine ehrliche Debatte über die nötigen zusätzlichen Maßnahmen und ihre effiziente Umsetzung führen.

LBV-Forderungen an die Landesregierung in Bayern
Bayern hat sich in der Vergangenheit bereits ambitionierte Ziele beim Arten- und Naturschutz gesetzt, unter anderem in Folge des Volksbegehrens Artenvielfalt „Rettet die Bienen!“. „Der Freistaat ist in einigen Bereichen Vorreiter beim Naturschutz und geht mit seinen Zielen teilweise sogar über die der Wiederherstellungsverordnung hinaus“, erklärt Schäffer. „Der Wiederherstellungsplan muss nun konkret aufzeigen, wie bestehende Lücken bei der Umsetzung geschlossen werden können. Bei vielen Zielen ist jedoch nicht klar, mit welchen Instrumenten die Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden sollen. Bayern verfügt bereits über gute Programme wie das Vertragsnaturschutzprogramm und das Kulturlandschaftsprogramm. Diese sollten überprüft und auf die Wiederherstellungsziele ausgerichtet werden. Bewährte Maßnahmen müssen ausgebaut und durch neue ergänzt werden.“

Die Umsetzung des Biotopverbunds ist entscheidend, um die Ziele des Volksbegehrens und der Wiederherstellungsverordnung zu erreichen. Benötigt wird ein konkreter Maßnahmenplan für den Biotopverbund, der aufzeigt, wie beide Zielsetzungen zusammengeführt werden können und welche Schritte tatsächlich zu messbaren Verbesserungen in der Natur führen.

Diese Programme und Maßnahmen sollten in den Wiederherstellungsplan aufgenommen werden. „Der Wiederherstellungsplan ist eine große Chance für Natur, Klima und unsere Lebensgrundlagen. Damit er wirkt, müssen Bund und Länder ihn jetzt konkret nachschärfen, ausreichend finanzieren und schließlich auch verbindlich umsetzen. Sonst bleibt der Wiederherstellungsplan ein gutes Papier ohne Wirkung“, so Schäffer.

Der LBV erwartet zudem eine angemessene Beteiligung auf Landesebene bei der Ausarbeitung der Umsetzungsmaßnahmen zur Wiederherstellungsverordnung. „Um ein Auseinanderdriften zwischen Nutzergruppen und Naturschutz zu vermeiden und die Debatte zu versachlichen, ist die Einrichtung eines runden Tisches mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Land-, Forst- und Wasserwirtschaft, Kommunen und Naturschutz dringend erforderlich“, sagt der LBV-Vorsitzende.

 

Presseinformation 32-26
 
LBV fordert den Wiedervernässungs-Turbo
Fünf Jahre nach der Ankündigung im Donaumoos braucht es bayern- und deutschlandweit eine Vorfahrt für die Wiedervernässung von Mooren – Moorschutz als überragendes öffentliches Interesse
 

 

Hilpoltstein, 27.04.2026 – Am 4. Mai jährt sich die Ankündigung von Ministerpräsident Dr. Markus Söder, bis 2030 2.000 Hektar im bayerischen Donaumoos wieder zu vernässen und dafür 200 Millionen Euro zu investieren, zum fünften Mal. Zwar sind erste Schritte getan, allerdings resümiert der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz), dass die Geschwindigkeit bei den Maßnahmen deutlich erhöht werden muss. „Ohne die Wiedervernässung von Mooren, die riesige Kohlenstoffspeicher sind, werden wir in Bayern nicht klimaneutral. Dafür muss die Wiedervernässung von Mooren jetzt als ‚überragendes öffentliches Interesse‘, eingestuft werden“, so Dr. Norbert Schäffer, Vorsitzender des LBV.
In den vergangenen Jahren wurde für zahlreiche Infrastrukturvorhaben ein „überragendes öffentliches Interesse“ festgestellt. Der LBV fordert daher auch die Moorwiedervernässung als überragendes öffentliches Interesse zu behandeln. „Hier geht es um nichts Geringeres als den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen“, so Norbert Schäffer. „Maßnahmen zum Moorschutz haben Synergieeffekte: Intakte Moore speichern CO2, sie sind Hotspots der Artenvielfalt und sie halten Wasser in der Landschaft zurück und schützen somit vor Hochwasser“, betont der LBV-Vorsitzende. Auch der Wissenschaftliche Beirat für Natürlichen Klimaschutz (WBNK) beim Bundesamt für Naturschutz hat genau diese Maßnahme in einer Stellungnahme von Anfang Februar 2026 eingefordert.

Der LBV sieht das Wasserrecht als große Herausforderung bei der Moorrenaturierung, da es häufig dafür sorgt, dass die Maßnahmen nicht beginnen können. „Wir brauchen eine Vereinfachung und Beschleunigung von Wasserrechts- und Flurbereinigungsverfahren“, so Schäffer weiter. Ein zu komplexes Wasserrecht darf das Ziel der Bayerischen Staatsregierung, Moore wieder zu vernässen, nicht torpedieren.

Jahrzehntelang war das Denken davon geprägt, Moore zu entwässern, um sie für die Landwirtschaft nutzbar zu machen. Trockengelegte Moore setzen jedoch riesige Mengen CO2 frei. Durch ihre Wiedervernässung wird Kohlenstoff gebunden und somit das Klima geschützt. In Biodiversitäts-Hotspots fordert der LBV darüber hinaus den konsequenten Schutz von Wiesenbrütern. Andere Flächen können landwirtschaftlich in neuen und zukunftsorientierten Formen der Landwirtschaft weiter genutzt werden, etwa durch extensive Beweidung oder Paludi-Kulturen. Würde der Torfboden hingegen weiterhin so stark absacken und sich zersetzen wie bisher, wäre auf vielen Flächen bald keinerlei Landwirtschaft mehr möglich.

 

Pressestatement
 
Statement des LBV-Vorsitzenden Dr. Norbert Schäffer zum Doppelhaushalt 2026/2027
Bayerns Plus für den Naturschutz reicht nicht, wenn Europa kürzt

 

LBV-Vorsitzender Dr. Norbert Schäffer:
„Dass der Naturschutzhaushalt in Bayern nicht gekürzt wird, sondern ein leichtes Plus erhält, ist ein Erfolg und ein wichtiges Signal für Naturschützer und Landnutzer in Bayern. Wir begrüßen, dass die Staatsregierung hier unseren Forderungen gefolgt ist und die Bedeutung des Naturschutzes anerkennt. Gleichzeitig machen die Zahlen deutlich: Die vorgesehenen zusätzlichen zehn Millionen Euro pro Jahr werden bei weitem nicht ausreichen, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Ob Biotopverbund, Moorschutz, Artenhilfsprogramme oder Streuobstpakt – für eine wirksame Umsetzung braucht es in Zukunft deutlich höhere Investitionen.
Hinzu kommt eine wachsende Unsicherheit auf europäischer Ebene. Aktuelle Vorschläge für den EU-Haushalt lassen befürchten, dass künftig weniger Mittel für den Naturschutz zur Verfügung stehen werden und alleine dadurch höhere Ausgaben auf Landesebene anstehen als bisher. Gerade für Bayern hätte das erhebliche Auswirkungen auf zentrale Programme des kooperativen Naturschutzes und die Planungssicherheit für landwirtschaftliche Betriebe und Projekte vor Ort.
Umso wichtiger ist jetzt ein klares politisches Signal: Wir erwarten, dass sich die Bayerische Staatsregierung auf EU-Ebene entschieden für einen starken und verbindlichen Naturschutzhaushalt einsetzt. Gleichzeitig muss Bayern die eigenen Spielräume nutzen und den kooperativen Naturschutz im Land so ausstatten, dass bestehende Programme verlässlich fortgeführt und die ambitionierten Ziele tatsächlich erreicht werden können.“

 

Presseinformation 30-26
 
Von Aspe bis Eiche: Heimische Baumarten sind echte Multitalente
LBV zum Tag des Baumes am 25. April: Naturnahe Wälder in Bayern sind fit für den Klimawandel
 

 

Hilpoltstein, 23.04.2026 – Zum Tag des Baumes macht der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) darauf aufmerksam, welches Potenzial in Bayerns heimischen Baumarten steckt. Viele von ihnen sind erstaunlich gut an unterschiedliche und sich verändernde Klimabedingungen angepasst und können eine zentrale Rolle für die Wälder der Zukunft spielen. „In unseren heimischen Baumarten steckt eine enorme Widerstandskraft gegenüber den Herausforderungen des Klimawandels – wir müssen diese Vielfalt gezielt nutzen und fördern“, sagt der LBV-Waldreferent Dr. Christian Stierstorfer. Statt auf vermeintlich klimafitte, nichtheimische Arten zu setzen, plädiert der LBV dafür, die Stärken der heimischen Natur in den Mittelpunkt des Waldumbaus zu stellen.
Gerade auch weniger bekannte heimische Baumarten können beim Waldumbau eine wichtige Rolle spielen. „Arten wie Elsbeere, Spitz- und Feldahorn oder die Sommerlinde kommen mit Hitze und Trockenheit oft erstaunlich gut zurecht“, sagt LBV-Waldreferent Christian Stierstorfer. „Wenn wir sie gezielt fördern, machen wir unsere Wälder stabiler und vielfältiger zugleich.“ Auch die Weißtanne gehört zu den Baumarten, die wieder mehr Raum bekommen sollten. Sie wurzelt tief und übersteht Stürme und Trockenperioden, die im Zuge der Klimakrise zunehmen, oft besser als die Fichte. „Mit Stiel- und Traubeneiche haben wir weitere Arten, mit denen wir den Wald der Zukunft gestalten können. Auch die Rotbuche wird weiterhin eine der bestandsbildenden Arten sein“, erklärt Stierstorfer.

Eine besondere Rolle spielen die Zitterpappel, auch als Aspe bekannt und Baum des Jahres 2026, sowie die Birke. Sie gehören zu den ersten Bäumen, die auf geschädigten Flächen wachsen, etwa dort, wo der Borkenkäfer Fichtenbestände zerstört hat. „Diese Pionierbäume bereiten den Boden für andere Arten vor und helfen dem Wald, sich von selbst zu erneuern“, erklärt Stierstorfer.

Kritisch sieht der LBV dagegen den Trend, verstärkt auf nichtheimische Baumarten zu setzen. Sie gelten oft als besonders klimaresistent, bringen aber Probleme mit sich: Viele heimische Tiere und Pflanzen können mit ihnen wenig anfangen. „Unsere naturnahen Wälder sind über Jahrtausende gewachsene, eingespielte Ökosysteme. Wenn gebietsfremde Arten wie Douglasie, Roteiche oder Zeder Bestände dominieren, leidet die heimische Artenvielfalt“, sagt der LBV-Waldreferent. So wird das Laub der aus Nordamerika stammenden Roteiche beispielsweise deutlich langsamer abgebaut als das der heimischen Eichen. Das führt dazu, dass unter dem Laub keine kaum Waldkräuter wachsen können. Der LBV unterstützt daher ausdrücklich den in Bayern geltenden forstlichen Konsens, dass heimische Hauptbaumarten die tragende Basis eines klimagerechten Waldbaus sind.

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, wie wichtig stabile, vielfältige Wälder sind. Vor allem Fichtenmonokulturen sind durch Trockenheit geschwächt und großflächig vom Borkenkäfer befallen worden. Mischwälder mit heimischen Baumarten kommen mit solchen Belastungen deutlich besser zurecht.

 

Presseinformation 29-26
 
Unterschätzte Vielfalt: Neues Naturschutzprojekt stärkt Bayerns Pilze
LBV, BMG und Universität Bayreuth forschen gemeinsam zu Pilzen auf Wiesen, Weiden und Feuchtgebieten
 

 

Bad Staffelstein/Hilpoltstein, 20.04.2026 – Steinpilz, Fliegenpilz und Champignon: An diese Arten denken die meisten, wenn es um Pilze geht. Doch das Reich der verborgenen Spezialisten ist viel größer und noch weitgehend unerforscht. Das soll sich jetzt ändern: Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und die Bayerische Mykologische Gesellschaft (BMG) starten gemeinsam mit der Universität Bayreuth das neue Projekt „Pilzartenschutz in Bayern – mit Schwerpunkt Offenlandlebensräume und Feuchtgebiete“. Ziel des vierjährigen Projekts ist es, das Bewusstsein für den Schutz der Pilze zu stärken und ihre Vielfalt insbesondere auf Wiesen, Weiden und Feuchtgebieten im Freistaat gezielt zu fördern. Auf einer LBV-Fläche in Bad Staffelstein hat Bayerns Umweltminister und Stiftungsratsvorsitzender des Bayerischen Naturschutzfonds Thorsten Glauber den Förderscheck des Bayerischen Naturschutzfonds überreicht und damit den offiziellen Startschuss für das bayernweit einzigartige Vorhaben gegeben.
Pilze gehören zu den am stärksten unterschätzten Organismengruppen der Natur und bilden neben Tieren und Pflanzen ein eigenes Reich. Obwohl sie Böden aufbauen, Nährstoffkreisläufe antreiben und ganze Lebensgemeinschaften stabilisieren, finden sie im Naturschutz bislang wenig Beachtung – besonders im Offenland, wo sie wertvolle Hinweise auf den Zustand artenreicher Wiesen und Feuchtgebiete liefern. Das Projekt rückt die Pilzvielfalt dieser Lebensräume erstmals gezielt ins Zentrum: „Beim Thema Pilze schaut alles in den Wald. Wir schauen dorthin, wo kaum jemand hinsieht: auf die Wiesenpilze. Diese ökologisch hochsensible Artengruppe wurde bislang kaum erfasst“, sagt LBV-Vorsitzender Dr. Norbert Schäffer.

Glauber betonte: „Pilze sind die heimlichen Stars der Biodiversität. Sie wirken eher im Hintergrund, sind aber unentbehrlich für vitale Ökosysteme. Mit unserem bayernweiten Vorzeigeprojekt holen wir die Pilze ins Scheinwerferlicht. Naturschutz, Ehrenamt und Forschung ziehen dabei an einem Strang. Der Bayerische Naturschutzfonds fördert das Projekt vier Jahre lang mit insgesamt rund 764.000 Euro und setzt damit neue Maßstäbe im Arten- und Lebensraumschutz. Ziel ist, Pilze im Offenland noch besser zu schützen. So stärken wir Bayerns einzigartige Natur."

In den Fokus nehmen LBV und BMG die sogenannten CHEGD-Arten. Das Akronym steht für fünf Pilzartengruppen des Offenlands: Clavariaceae (Keulen- und Korallenpilze), Hygrocybe (Saftlinge), Entoloma (Rötlinge), Geoglossaceae (Erdzungen) und Dermoloma (Samtritterlinge). „Diese farbenprächtigen Gruppen sind zwar nicht eng miteinander verwandt, doch sie reagieren äußerst sensibel auf Veränderungen ihrer Umwelt. Gerade deshalb werden sie als gemeinsame Indikatorgruppe genutzt – sie zeigen uns sehr zuverlässig, wie es um Offenlandlebensräume wie Wiesen oder Feuchtgebiete steht“, erklärt LBV-Projektmanagerin Lotte Krüger. Viele dieser Pilzarten gelten inzwischen als bedroht und spiegeln die Folgen intensiver Landwirtschaft und abnehmender extensiver Bewirtschaftung wider. Erstmals werden CHEGD-Arten nun systematisch auf LBV-Flächen in ganz Bayern erfasst.

Neben den Wiesenpilzen untersuchen die Artenschützerinnen und Artenschützer auch zwei äußerst seltene, holzbesiedelnde Arten: der Struppige Stachelrindenpilz und der Zweisporige Prachtnabeling. Beide gelten in Bayern als extreme Raritäten. So ist von jeder Art lediglich ein einziger Fundort bekannt. Um sie vor dem Aussterben in Bayern zu bewahren, werden gezielte Wiederansiedlungsmaßnahmen entwickelt. Entscheidende Grundlage dafür ist das starke Bündnis zwischen LBV und BMG. „Dieses Projekt zeigt, wie wirkungsvoll Naturschutz sein kann, wenn starke Partner zusammenarbeiten. Gemeinsam mit dem LBV können wir selbst extrem seltenen Pilzarten wieder eine Zukunft geben“, betont BMG-Präsident Dr. Christoph Hahn.

Mit Methoden wie DNA-Metabarcoding, Myzelanimpfung von Totholz, Mahdgutübertragung und klassischen Kartierungen verbindet das Projekt moderne Forschung mit bewährtem Artenschutz. Die Zusammenarbeit mit der Universität Bayreuth, dem deutschlandweit einzigem Lehrstuhl für Pilzökologie unter Professor Dr. Claus Bässler schafft eine einzigartige wissenschaftliche Grundlage. Ergänzend entsteht ein Citizen-Science-Projekt, das Bürgerinnen und Bürger aktiv einbindet und das Zusammenspiel von holzzersetzenden Pilzen und Spechten erforscht, die in geschwächten Bäumen ihre Höhlen anlegen.


 

Gemeinschaftsprojekt „Pilzartenschutz in Bayern“
Im Herbst 2025 startete der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) gemeinsam mit der Bayerische Mykologische Gesellschaft (BMG) und der Universität Bayreuth ein landesweites Projekt zum Schutz gefährdeter Großpilzarten. Im Mittelpunkt stehen Pilzarten der Offenlandlebensräume und Feuchtgebiete. Gefördert wird das vierjährige Vorhaben durch den Bayerischen Naturschutzfonds. Die Zusammenarbeit vereint naturschutzfachliche Praxis, wissenschaftliche Forschung und ehrenamtliches Engagement mit dem Ziel, die Vielfalt und Schutzwürdigkeit der Pilze in Bayern sichtbar zu machen und gezielt zu fördern.
Mehr Infos: https://www.lbv.de/pilze/

 

Presseinformation 28-26
 
Rodungen am Fellhorn sind illegal
LBV verurteilt Missachtung der artenschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigung durch Fellhornbahn und reicht Begründungen zur Klage vom 26. März ein
 

 

Hilpoltstein, 20.04.2026 – Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) erhebt schwere Vorwürfe gegen die Fellhorn Bergbahnen wegen bereits erfolgter Rodungen. Diese sind auch ein Teil seiner heute beim Verwaltungsgericht Augsburg eingereichten Klagebegründungen. „Obwohl in der Genehmigung festgelegt war, dass mit den Baumaßnahmen erst begonnen werden darf, wenn eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung vorliegt, hat die Fellhornbahn GmbH bereits Anfang März erste Rodungen im Bereich der Lifttrasse Scheidtobel durchgeführt. Das zeigen uns eindeutige Fotoaufnahmen“, erklärt LBV-Geschäftsführer Helmut Beran. „Da die Genehmigung der Regierung von Schwaben jedoch erst am 10. April erteilt wurde, wurden hier Schutzauflagen einfach ignoriert. Alle Eingriffe, die vorher passiert sind, sind somit illegal.“
Die artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung der Regierung erlegt dem Betreiber hohe Auflagen auf. So ist die Fellhornbahn dazu verpflichtet, bereits vor Baubeginn Maßnahmen zum Schutz bestimmter Arten umzusetzen und deren Wirksamkeit auch zu belegen. „Dem LBV liegen jedoch bisher keine Informationen vor, dass mit der Umsetzung derartiger Schutzmaßnahmen bereits begonnen worden ist“, kritisiert der LBV-Geschäftsführer weiter.

Die strengen Auflagen der Genehmigung der Regierung von Schwaben zum Schutz bedrohter Arten und Lebensräume zeigen aus Sicht des LBV, wie wertvoll das Gebiet ökologisch ist. „Wir sehen uns darin bestätigt, dass der Sessellift sowie weitere Bauvorhaben in diesem Gebiet überhaupt nicht genehmigungsfähig sind“, verdeutlicht Helmut Beran.

Auch in zwei heute eingereichten Begründungen zu seiner Klage vom 26. März geht der LBV auf die rechtswidrigen Rodungen ein. Darüber hinaus behandeln diese aber auch eine fehlende Umweltverträglichkeitsprüfung und vor allem einen Verstoß gegen die Alpenkonvention.

Siehe auch PM-23-26 vom 26. März 2026

Hintergrund
Teilflächen der geplanten Baumaßnahmen liegen innerhalb des Naturschutzgebietes Allgäuer Hochalpen, eines FFH-Schutzgebietes und eines Vogelschutzgebietes, die das in Bayern vom Aussterben bedrohte Birkhuhn schützen sollen. Das Gebiet zählt zu den wichtigsten Lebensräumen für das Birkhuhn in Bayern.

Bereits in einer Pressemitteilung im Oktober 2025 hatte der LBV kritisiert, dass durch das sogenannte 3. Modernisierungsgesetz Umweltstandards ausgehebelt wurden. So war für den geplanten Neubau der Sesselbahn am Scheidtobel keine Umweltverträglichkeitsprüfung mehr nötig, obwohl sich das Bauvorhaben in einem Gebiet mit höchsten Schutzkategorien befindet. In einer Pressemitteilung vom November kritisierte der LBV die Pläne für den Neubau eines Sesselliftes als nicht genehmigungsfähig.

Die Alpen sind Lebensraum vieler hochbedrohter Tier- und Pflanzenarten, die durch den Klimawandel besonders gefährdet sind. Gleichzeitig trägt Bayern eine besondere Verantwortung für den Erhalt jener Arten, die in Deutschland nur in den Alpen vorkommen. Der LBV wird nicht zulassen, dass für kurzfristige wirtschaftliche Interessen massive Eingriffe in hochsensible Ökosysteme erfolgen, ohne dass die Umweltbelange umfassend geprüft wurden.

 

Presseinformation 27-26
 
Unsichtbare Gefahr Glas: Vogelschutz fängt zu Hause an
Vögel im Garten vor Kollisionen an Glasscheiben schützen – LBV gibt einfache Tipps zum Selbermachen
 

 

Hilpoltstein, 16.04.2026 – Mit dem Frühling erwacht das Leben in Bayerns Natur Gärten. Dort machen die Vögel aktuell mit ihren Gesängen auf sich aufmerksam, sind auf Partnersuche und bereiten den Nestbau vor. Dieses Naturereignis lässt sich jetzt gut im eigenen Wintergarten oder durch die Panoramascheiben im Wohnzimmer beobachtet. Doch die großen Glasfassaden bedeuten jedes Jahr für Millionen von Vögeln den Tod. Da sie Glas nicht als Hindernis erkennen, fliegen sie ungebremst gegen die Scheibe und erleiden innere Verletzungen oder sterben sogar. Doch dagegen lässt sich ganz leicht etwas tun: Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) zeigt im Rahmen seines Projekts „Unsichtbares sichtbar machen – Reduzierung von Vogelschlag an Glas“ mit welchen einfachen, selbst gestalteten Lösungen, sich Kollisionen an Glasscheiben deutlich reduzieren lassen.
Im Garten sind jetzt wieder die Gesänge von Zilpzalp, Mönchsgrasmücke und Hausrotschwanz zu hören, die aus ihren Winterquartieren im Süden zurückgekehrt sind. Ihr eifriger Gesang schallt nun aus jedem Baum und kündigt die bevorstehende Brutzeit an. „Reviere müssen erkämpft und verteidigt, Partnerinnen beeindruckt und Nester gebaut werden. Sobald die Jungen geschlüpft sind, fängt die Arbeit für die Vogeleltern erst richtig an – Eine Blaumeise muss bis zu neun hungrige Schnäbel stopfen“, berichtet LBV-Biologe Dr. Peter Stimmler. Zu dieser Jahreszeit müssen die Vögel mehr Strecken fliegen und sind weniger wachsam für Gefahren in der Umgebung. Dabei sind nicht alle Gefahren so offensichtlich wie der Sperber oder lauernde Hauskatzen.

Vielen Gartenbesitzerinnen und -besitzern ist nicht bewusst, wie gefährlich Glas für Vögel sein kann. Sie können die transparenten Flächen weder wahrnehmen noch ihnen ausweichen. Glasscheiben an Fassaden spiegeln die Gehölze im Garten und täuschen so Verstecke vor, während Wintergärten und Windfänge für Vögel unsichtbar sind. „Wer die gefiederten Besucher im eigenen Garten füttert und Nistkästen installiert, der sollte auch Gefahrenquellen durch Glasscheiben entschärfen“, betont Peter Stimmler, Leiter des LBV-Projekts „Unsichtbares sichtbar machen“.

Tipp 1: Das schützt wie am Schnürchen
Damit Vögel Glasscheiben als Hindernisse erkennen, müssen sie auf der ganzen Fläche mit gut sichtbaren Mustern markiert werden. Aus diesem Grund sind die weit verbreiteten Greifvogelsilhouetten und auch UV-Markierungen nicht wirksam. Seit einigen Jahren gibt es wissenschaftlich geprüfte Maßnahmen, mit denen Vogelschlag an Glas deutlich reduziert werden kann. „Die Installation eines selbstgebauten Schnurvorhangs aus weißer oder schwarzer Maurerschnur im Abstand von zehn Zentimetern ist eine bewährte, günstige und kaum sichtbare Maßnahme, um Vogel zu schützen. Die Schnüre müssen vor der Scheibe angebracht werden sowie oben und unten befestigt werden. Eine Anleitung hierzu findet sich unter www.lbv.de/vogelschlag.

Tipp 2: Punkt um Punkt für Bayerns Vögel
Ein wirksames Punktmuster lässt sich ganz einfach mit einer selbst gebohrten Schablone aus Karton oder Kunststoff und einem wasserfesten Kreidemarker auf die Fensterscheibe auftragen. Die Punkte sollen mindestens 1,5 Zentimeter groß sein und höchstens neun Zentimeter Abstand zueinander haben. „Wer es kreativer mag, kann sich an eigenen Mustern und Motiven versuchen. Wichtig ist, dass der Abstand zwischen den Mustern nicht größer als eine Handfläche ist“, rät der LBV-Biologe.

Tipp 3: Design und Vogelschutz verbinden
Eine hochwertige und ästhetisch ansprechende Lösung sind spezielle Markierungen aus Aluminium: Die kleinen silbernen Punkte werden von der Trägerrolle auf die Scheibe geklebt, ein beiliegendes Maßband hilft beim gleichmäßigen Anbringen. Ihre Wirksamkeit ist wissenschaftlich belegt und wird von Naturschutzverbänden und Behörden empfohlen. Die Punkte bedecken weniger als ein Prozent der Fläche und sind daher von außen kaum sichtbar, von innen wirken sie wie ein dezentes Muster. Erhältlich sind die sogenannten SEEN-Elemente im LBV-Naturshop (www.lbv-shop.de/vogelschutz).

LBV-Projekt „Unsichtbares sichtbar machen“
Über 100 Millionen Vögel verenden jedes Jahr an Glasfassaden in Deutschland. Im Rahmen des Projekts „Unsichtbares sichtbar machen – Reduzierung von Vogelschlag an Glas“ bietet der LBV Gebäudeeigentümern sowie Bürgerinnen und Bürger Beratung zu den Ursachen von Vogeltod am Glas und zu wirksamen Schutzmaßnahmen an. Ziel der Naturschützerinnen und Naturschützer ist es auch, gefährliche Glasfassaden in Bayern zu erfassen – dafür setzen sie auf die Mithilfe der Bevölkerung. Wer Vogelschlag an einem Bürogebäude, Bushäuschen oder Wintergarten beobachtet, kann dies online unter www.lbv.de/vogelschlag-melden dem LBV melden. Anhand dieser Daten will der LBV gezielte Schutzmaßnahmen an risikoreichen Gebäuden in Bayern fördern.
Weitere Informationen zum Projekt unter www.lbv.de/vogelschlag.

 

PRESSEINFORMATION
20 Jahre "Natur im Fokus" – Bühne frei für junge Naturfotografie
 

 

München, 13.03.2026 – Der renommierte Fotowettbewerb "Natur im Fokus" geht in eine neue Runde: Zum mittlerweile 20. Mal sind Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 18 Jahren dazu eingeladen, sich auf fotografische Entdeckungsreise durch Bayerns Natur zu begeben und ihre besten Bilder einzusenden. Unter dem Motto "Schau doch mal hin!" sind erneut spannende Bildkompositionen, eindrucksvolle Motive und vor allem Kreativität gefragt. In den Wettbewerbskategorien "Liebenswerte Natur" und "Bedrohte Natur" können Nachwuchstalente ihre Fotos einreichen und im Jubiläumsjahr des Wettbewerbs attraktive Preise gewinnen.

20 Jahre "Natur im Fokus" – das heißt über 27.000 eingereichte Bilder von teilnehmenden Kindern und Jugendlichen aus ganz Bayern. Diese großartige Resonanz möchten wir im Jubiläumsjahr nicht nur fortführen, sondern auch gebührend feiern! Der Wettbewerb lebt von den Einsendungen der jungen Fototalente, die die beeindruckende Vielfalt der bayerischen Natur mit ihren einmaligen Aufnahmen jedes Jahr aufs Neue unter Beweis stellen. Auch im Jubiläumsjahr ist es daher das erklärte Ziel von "Natur im Fokus" junge Menschen für die heimische Natur zu begeistern und ihr fotografisches Talent zu fördern.

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber betont: "20 Jahre ‚Natur im Fokus‘ stehen für unzählige eindrucksvolle Aufnahmen, große Kreativität und die Begeisterung junger Menschen für Bayerns Natur. Der Wettbewerb motiviert Kinder und Jugendliche, draußen unterwegs zu sein, Details zu entdecken und ihre eigenen Perspektiven sichtbar zu machen. Gerade im Jubiläumsjahr ist das ein starkes Signal für den Naturschutz in Bayern. Ich lade alle jungen Fotografinnen und Fotografen herzlich ein, mitzumachen und ihren ganz persönlichen Blick auf die Natur zu zeigen."

Dr. Michael Apel, Leitung Museum Mensch und Natur, blickt dem Jubiläumswettbewerb ebenfalls gespannt entgegen: "20 Jahre ‚Natur im Fokus‘: Das heißt unglaubliche Leidenschaft und Kreativität, großartige Bilder und viele stolze Preisträgerinnen und Preisträger. Vor allem aber hat es viele tausend Kinder und Jugendliche dazu gebracht, sich intensiv mit unserer Natur zu beschäftigen, genau hinzusehen und raus zu gehen. In diesem Sinne hoffe ich auch heuer auf eine große Resonanz und viele tolle Einsendungen."

"Natur im Fokus" wurde 2007 vom Museum Mensch und Natur, einer Einrichtung der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB), initiiert und wird seit 2010 gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz ausgerichtet. Seit 2023 ergänzt der Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e. V. gemeinsam mit der Naturschutzjugend im LBV das starke Netzwerk.

Wettbewerbskategorien 2026

Für die Motivwahl gibt es wieder zwei thematische Kategorien, die fotografisch interpretiert und mit Leben gefüllt werden dürfen.

Kategorie A "Liebenswerte Natur":
Wo fühlt ihr euch wohl, wo könnt ihr abschalten, laut lachen oder einfach mal durchatmen? Habt ihr einen Lieblingsplatz im Wald, einen See, an dem ihr immer wieder landet, oder ein Bergpanorama, an dem ihr euch nicht satt sehen könnt? Manchmal haut uns die Natur mit einer krassen Aussicht um - und dann gibt´s die kleinen Highlights, die man fast übersieht: eine einzelne Blume, ein funkelnder Tautropfen oder spannende Muster in Blättern, Steinen oder Baumrinde. Wichtig ist, die Sicht auf die liebenswerte Natur.

Kategorie B "Bedrohte Natur": Bayerns Natur ist vielseitig und schön – aber sie kommt immer öfter an ihre Grenzen. Wir suchen Fotos, die genau hinschauen. Orte und Situationen, in denen die Natur bedroht ist: Müll am Bachufer, versiegelte Flächen oder zerstörte Lebensräume. Aber auch Motive, die zeigen, wo Menschen handeln: Müllsammelaktionen, Krötenhilfe am Straßenrand oder Projekte, die Lebensräume verbessern. Zeigt uns Fotos, die aufmerksam machen – ob dokumentarisch oder kreativ: Wichtig ist eure Perspektive. Eure Botschaft.

LBV-Sonderpreis Artenkenntnis:
Zeigt, wie gut ihr euch auskennt. Hier geht´s um eure Entdeckungen draußen - Tiere, Pflanzen und Pilze, die ihr sicher bestimmen könnt. Ob Nahaufnahme oder im Lebensraum: Wichtig ist, dass ihr wisst, wen ihr da fotografiert habt und warum diese Art spannend ist.

Die prämierten Bilder des Vorjahres auf Tour durch ganz Bayern

Die ausgezeichneten Bilder gehen in Form einer Wanderausstellung jedes Jahr auf Tour und bieten Interessierten die Möglichkeit, sich von den kreativen Ergebnissen der Kinder und
Jugendlichen begeistern und inspirieren zu lassen. Unter dem Titel "Natur im Fokus on Tour" sind die prämierten Bilder aus 2025 noch bis Ende April im Museum Mensch und Natur zu sehen, zudem bayernweit in 15 Umweltbildungseinrichtungen. Bis Mitte Januar 2027 kann die Ausstellung besucht werden. Nähere Informationen und die Ausstellungstermine und -orte finden Sie online unter: https://www.natur-im-fokus.bayern.de/on_tour/index.html

Teilnahme am Wettbewerb: Mitmachen lohnt sich

Kinder und Jugendliche, die zwischen 2008 und 2019 geboren sind und in Bayern wohnen, können bei "Natur im Fokus" teilnehmen. Die Auszeichnung der Bilder findet in drei Altersklassen statt
(7-10 Jahre, 11-14 Jahre, 15-18 Jahre). Einsendeschluss ist der 30. September 2026.

Auf die Siegerinnen und Sieger wartet ein besonderes Naturerlebniswochenende – Fotoseminar mit einem professionellen Naturfotografen inklusive. Die Zweitplatzierten erhalten die Möglichkeit an einem eintägigen Fotoseminar mit einem Profi-Naturfotograf teilzunehmen. Und die Drittplatzierten dürfen sich auf ein Jahresabonnement der Zeitschrift "natur" freuen. Auch allen weiteren Gewinnerinnen und Gewinnern winken tolle Preise – darunter wunderschöne Naturfotografie-Bildbände, die der Knesebeck Verlag und der J. Berg Verlag stiften, sowie Bayern-Tickets der DB Regio Bayern.

Weitere Informationen zum Wettbewerb sowie zu den Ausstellungsterminen sind unter https://www.natur-im-fokus.bayern.de/ abrufbar.

Alle Informationen zum Wettbewerb und zu den Teilnahmebedingungen finden Sie hier. Ebenso steht Ihnen Bildmaterial zur Ankündigung des 20. Wettbewerbs und für Ihre Berichterstattung zur Verfügung: https://www.picdrop.com/museummenschundnatur/Q4M6KCoPwU

Unterstützt werden Wettbewerb und Tour unter anderem vom Sparkassenverband Bayern, DB Regio Bayern, der Hofpfisterei München, dem Knesebeck Verlag, dem J. Berg Verlag, dem Verein der Freunde und Förderer des Museums Mensch und Natur e. V., dem Förderkreis BIOTOPIA – Naturkundemuseum Bayern e. V. sowie dem Berufsverband der Kinder und Jugendärzte e. V. und PaedNetz Bayern e. V., Medienpartner sind der Münchner Merkur, das Münchner Fenster sowie die Zeitschrift natur.

 

Presseinformation 26-26
 
Wer schützt den Großen Brachvogel?
Zeilen LBV zeichnet Landwirtinnen und Landwirte für den Schutz des hoch bedrohten Vogels aus – Jetzt bewerben
 

 

Hilpoltstein, 09.04.2026 – Der Brachvogel zählt zu den Sorgenkindern des Naturschutzes: Die Trockenlegung von Mooren und Feuchtgebieten sowie die intensive Düngung der Wiesen haben den Großvogel mit dem langen, gebogenen Schnabel in Bayern an den Rand des Aussterbens gebracht. Damit der Brachvogel in Bayern eine Zukunft hat, braucht es engagierte Landwirtinnen und Landwirte. Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) zeichnet deshalb landwirtschaftliche Betriebe aus, die bei der Bewirtschaftung ihrer Flächen besondere Rücksicht auf die Art nehmen. „Wir wollen uns mit dieser Auszeichnung bei Landwirtinnen und Landwirten bedanken, die sich für bedrohte Arten wie den Brachvogel einsetzen. Diese engagierten Betriebe sind unverzichtbar für den Erhalt der Artenvielfalt in der Kulturlandschaft“, erklärt Dr. Norbert Schäffer, Vorsitzender des LBV. Landwirtinnen und Landwirte können sich für eine Auszeichnung bewerben unter: www.lbv.de/auszeichnung-feldvoegel.
Nur noch rund 500 Brutpaare des Brachvogels gibt es in Bayern. Die meisten von ihnen brüten in den Flussauen von Donau, Isar und Altmühl und in den großen oberbayerischen Mooren. Doch auch dort kann sich der Brachvogel nur halten, wenn Landwirtinnen und Landwirte Rücksicht auf den am Boden brütenden Vogel nehmen, sein Nest bei der Mahd aussparen und die Bewirtschaftung der Wiesen an seine Bedürfnisse anpassen.

Wer sich für eine Auszeichnung bewerben will, muss lediglich einige Fragen zu durchgeführten Maßnahmen in einem Onlineformular beantworten. Dabei geht es zum Beispiel darum, ob Brachvogel-Gelege bereits geschützt, Frühmahdstreifen oder feuchte Stellen angelegt werden, die die Küken gerne nutzen. „Wir bewerten es darüber hinaus positiv, wenn landwirtschaftliche Betriebe mit dem Naturschutz zusammenarbeiten – sei es mit Behörden, Verbänden oder ehrenamtlichen Wiesenbrüterberatern und -beraterinnen. Auch wer seine Maßnahmen aktiv in der Öffentlichkeit kommuniziert, zeigt vorbildliches Engagement“, erklärt LBV-Landwirtschaftsreferent Matthias Luy.

Alle teilnehmenden Betriebe erhalten als Dankeschön eine Plakette mit einem Brachvogel-Motiv und der Anerkennung des LBV. Sie kann am Hofeingang oder an Betriebsgebäuden angebracht werden und zeigt Kunden, Nachbarn, Kolleginnen und Kollegen das Engagement für den Artenschutz. Besonders engagierte Betriebe werden zudem im Oktober bei einem Festakt geehrt. Unterstützt wird die Initiative von der Stiftung Bayerisches Naturerbe.

Landwirtschaftliche Betriebe können sich online bewerben unter lbv.de/auszeichnung-feldvoegel. Bei Rückfragen können sich interessierte Betriebe an den LBV-Landwirtschaftsreferenten Matthias Luy per E-Mail an [email protected] wenden. Die Bewerbungsfrist endet am 30. Juni.

 

Bayerns verborgene Pilzvielfalt: Neues Projekt zu den kleinen Helden der Natur startet
LBV, BMG und Universität Bayreuth forschen gemeinsam zu Pilzen auf Wiesen, Weiden und Feuchtgebieten
 
Datum: Montag, 20.04.2026
Zeit:
10.00 bis 11.30 Uhr
Ort
: LBV-Schutzgebiet „Morgenbühl“ Bad Staffelstein, https://maps.app.goo.gl/7LGQs5U161gzuCi17
Anwesend:

Thorsten Glauber, Bayerischer Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz
Dr. Norbert Schäffer, LBV-Vorsitzender
Dr. Christoph Hahn, Präsident BMG
Prof. Dr. Claus Bässler und Henrik Oechler, Universität Bayreuth
Lotte Krüger, LBV-Projektmanagerin Pilzartenschutz

 

 

Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und die Bayerische Mykologische Gesellschaft (BMG) starten in Kooperation mit der Universität Bayreuth das neue Projekt „Pilzartenschutz in Bayern – mit Schwerpunkt Offenlandlebensräume und Feuchtgebiete“. In dem LBV-Schutzgebiet „Morgenbühl“ bei Bad Staffelstein überreicht der Bayerische Umweltminister Thorsten Glauber den Förderscheck des Bayerischen Naturschutzfonds und gibt damit den Startschuss für ein einzigartiges Vorhaben.

Pilze sind faszinierende und unverzichtbare Mitbewohner der Natur: Sie zersetzen organisches Material, versorgen Pflanzen mit Nährstoffen und halten ganze Ökosysteme im Gleichgewicht. Trotz dieser zentralen Rolle ist das Wissen über viele Pilzarten bislang noch lückenhaft. Gerade in Bayerns Wiesen, Weiden und Feuchtgebieten verbirgt sich eine beeindruckende, oft übersehene Vielfalt. Mit dem gemeinsamen Projekt möchten LBV und BMG diese ökologisch bedeutende Gruppe der Pilze stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken und ihre Vielfalt gezielt fördern. Wissenschaftlich begleitet wird das Vorhaben vom deutschlandweit einzigen Lehrstuhl für Pilzökologie an der Universität Bayreuth, der modernste Forschungsmethoden einsetzt.

Neben der Übergabe des Förderschecks und einer Projektvorstellung werden die Pilzexpertinnen und -experten auf einer kurzen Exkursion auch Einblicke in die Pilzvielfalt auf dieser wertvollen Wacholderheide geben. Zudem wird exemplarisch eine Myzel-Animpfung an einem Baumstamm demonstriert. Mit dieser Methode soll im Rahmen des Projekts eine der seltensten Pilzarten Deutschlands, der struppige Stachelrindenpilz, wiederangesiedelt werden.

Festes Schuhwerk ist empfehlenswert. Bitte beachten Sie die empfohlene Fahrstrecke auf dem Lageplan, da andere Zufahrten nicht öffentlich zugänglich sind. Parkmöglichkeiten am Wegrand sowie Wendemöglichkeiten stehen vor Ort zur Verfügung.

 

 
Die Veranstaltung ist für die Fernseh- und Radioberichterstattung besonders gut geeignet.

Über Ihr Kommen freuen wir uns sehr. Bitte teilen Sie uns bis zum 18.04.2026 an [email protected] mit, ob Sie an der Veranstaltung teilnehmen können.

 

Presseinformation 26-26
 
Vogel-Punk unterwegs: Wiedehopfe können wieder in Bayern gesichtet werden
Orange-schwarzen Vogel mit Federhaube gesehen? Am Osterwochenende die Augen offen halten und Sichtungen dem LBV melden
 

 

Hilpoltstein, 01.04.2026 – Aus dem Landkreis Augsburg hat den bayerischen Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) bereits die erste Wiedehopf-Meldung des Frühlings erreicht. Die etwa amselgroßen, orange-schwarzen Vögel mit ihrer markanten Federhaube und dem langen Schnabel sind in Bayern sehr selten und vom Aussterben bedroht. "Auf ihrem Weg aus den Überwinterungsgebieten in Afrika Richtung Mitteleuropa machen Wiedehopfe auch in Bayern Halt – manchmal sogar in Gärten", erklärt LBV-Biologe Torben Langer. Bis in den Mai hinein können die Durchzügler nun bei uns auftauchen, bevor sie weiter nach Nordosten ziehen – einige von ihnen werden für das Brutgeschäft aber auch in Bayern bleiben. Wer in den kommenden Wochen einen der auffälligen Vögel sieht, den bittet der LBV diese Beobachtung zu melden unter www.lbv.de/wiedehopf-melden. Solche Meldungen helfen dem LBV herauszufinden, wo sich der Wiedehopf in Bayern wohlfühlt und ihn lokal bei der Wiederansiedlung zu unterstützten.
Wer hat wie viele Wiedehopfe wann und wo gesehen – und was haben sie dabei gemacht? Diese Informationen sind für den LBV entscheidend. "Besonders spannend für uns ist, ob der charakteristische Ruf des Wiedehopfs zu hören ist – ein dumpfes ‚hup-hup-hup‘, mit dem die Männchen um ein Weibchen werben", so Langer. Hält sich ein Vogel länger als einen Tag an einem Ort auf und zeigt Balzverhalten, ist das ein wertvoller Hinweis auf einen geeigneten Lebensraum. Der LBV kann dann gezielt Schutzmaßnahmen ergreifen und zum Beispiel Nistkästen anbringen.

Im vergangenen Jahr wurden dem LBV rund 300 Sichtungen gemeldet. Ein Großteil der beobachteten Vögel legt in Bayern nur eine kurze Rast ein und zieht dann weiter. "Wir hoffen aber, dass wieder mehr Wiedehopfe in Bayern bleiben und versuchen, bei uns zu brüten. Wenn sie hier einmal Nachwuchs bekommen haben, stehen die Chancen sehr gut, dass sie auch im Folgejahr zurückkehren", erklärt Torben Langer. Momentan sind nur wenige Gebiete in Bayern bekannt, in denen der Wiedehopf regelmäßig brütet. Im Sebalder Reichswald zwischen Nürnberg und Erlangen oder in den wärmebegünstigten Tälern des Oberpfälzer Jura gibt es inzwischen aber wieder stabile Populationen.

Um die Brutchancen zu erhöhen und einige der Vögel zum Bleiben zu überreden, führt der LBV seit mehreren Jahren Schutzmaßnahmen für den Wiedehopf durch. Für gewöhnlich nistet der scheue Vogel gerne in großen Baumhöhlen. Weil diese selten geworden sind, haben LBV-Kreisgruppen mittlerweile mehrere hundert Nistkästen gebaut und aufgehängt. Außerdem treffen den Wiedehopf die Auswirkungen des Insektensterbens schwer. Er findet nicht mehr genug Großinsekten, von denen er sich hauptsächlich ernährt. "Indem wir intakte Lebensräume wie Streuobstwiesen schaffen und erhalten, können wir dem Wiedehopf helfen, genug Nahrung und Nistmöglichkeiten zu finden", so der LBV-Biologe Torben Langer.

 

Gemeinsame Presseinformation
 
Naturschutz trifft Technik: Gemeinsam Gärten sicher für Igel machen
Neues Projekt: Naturschutzverband LBV und Verein Deutscher Ingenieure (VDI) entwickeln Standards für Mähroboter
 

 

Hilpoltstein, 31.03.2026 – Ende März erwachen die ersten Igel aus dem Winterschlaf und streifen auf Nahrungssuche durch Gärten und Parks. Doch die Bestände des westeuropäischen Igels gehen immer weiter zurück. Seit 2024 steht er erstmals als „potenziell gefährdet“ auf der internationalen Roten Liste. Neben Ursachen wie dem Insektenrückgang, dem Einsatz von Pestiziden und der Versiegelung von Grünflächen machen dem Gartenbewohner auch Mähroboter zu schaffen. Denn die autonom fahrenden Gartenwerkzeuge können bei Igeln zu ernsthaften oder tödlichen Verletzungen führen. Deshalb setzen sich der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) in einem neuen Projekt mit Unterstützung aus dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) dafür ein, den Einsatz von Mährobotern zukünftig sicherer für Igel zu machen. Das Projekt wird durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) gefördert.
Deutschlandweit nehmen die Verkäufe und der Einsatz von Mährobotern in Gärten zu. Gleichzeitig steigt die Zahl an Igeln mit Schnittverletzungen, die tot aufgefunden oder schwer verletzt in Pflegestationen abgegeben werden. „Da sie bei Gefahr – wie einem herannahenden Mähroboter – verharren und einrollen, anstatt zu flüchten, sind Igel besonders bedroht. Bisher gibt es noch keine Mähroboter-Modelle, die Igel nachweislich sicher bereits vor einem Zusammenstoß erkennen“, erklärt Dr. Anne Berger vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, die das Projekt mit ihrer jahrelangen Expertise in der Igel-Forschung unterstützt. Da Igel nachtaktiv sind, könnte man die Möglichkeit des potenziell gefährlichen Aufeinandertreffens von Mähroboter und Igel allein dadurch deutlich senken, dass man Mähroboter nur tagsüber benutzt. Immer mehr Städte setzen deshalb Nachtfahrverbote für Mähroboter um, wie es der LBV bereits seit Längerem für ganz Bayern fordert. Nachts gehört der Garten den Tieren und deshalb sollten Mähroboter dann pausieren. Sie in der Dunkelheit auszuschalten, ist immer noch eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen für den Igel und andere Wildtiere im Garten.

Bisher fehlen Normen oder einheitliche Prüfverfahren zur Wildtiersicherheit der Mähroboter. Hier setzt das neue LBV-Projekt an, das vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert wird. Bis Mitte 2027 wird in einem Gremium mit Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft, Technik, Wildtierschutz und Behörden eine technische Richtlinie erarbeitet. Mit dieser haben die Hersteller erstmals die Möglichkeit, objektiv nachzuweisen, ob ihre Modelle dieser Norm entsprechend Igel zuverlässig erkennen und vor Verletzungen schützen. „Da Mähroboter ohnehin millionenfach genutzt werden, bringen wir unsere Expertise aus dem Naturschutz ein, um sie für den Igel zumindest sicherer zu machen. Es braucht klare Sicherheitsstandards für diese Gartengeräte. Wir setzen uns für eine Schadensbegrenzung ein und wollen so Verbesserungen für Igel im Garten, auf Golfplätzen und anderen Grünanlagen erreichen", betont LBV-Projektleitung Lisa Schenk.

Technische Innovation muss mit Verantwortung einhergehen
Der VDI bringt seine Erfahrung in der technischen Regelsetzung in das Projekt ein. Gemeinsam mit den Projektpartnern arbeitet der Verein an klar definierten Prüfverfahren und technischen Anforderungen, mit denen sich künftig bewerten lässt, ob Mähroboter Igel zuverlässig erkennen und Gefahren vermeiden können. Dabei geht es unter anderem um Sensorik, Reaktionszeiten der Systeme und reproduzierbare Testszenarien. „Damit Hersteller die Sicherheit ihrer Geräte objektiv nachweisen können, brauchen wir standardisierte Prüfmethoden und klare technische Kriterien“, sagt Simon Jäckel, Geschäftsführer der VDI-Gesellschaft Technologies of Life Sciences. „Technische Innovation muss mit Verantwortung einhergehen. Die Richtlinie soll festlegen, unter welchen Bedingungen Mähroboter Igel erkennen müssen und wie ihre Systeme darauf reagieren sollen, zum Beispiel durch sofortiges Stoppen oder Ausweichen. So schaffen wir eine belastbare Grundlage für mehr Wildtiersicherheit in der Praxis“, ergänzt Jäckel.

Naturnahe Gärten ohne Mähroboter immer am igelfreundlichsten
Der LBV sieht seine Rolle in diesem Projekt als Problemlöser und wichtiger Brückenbauer bei einem Konflikt zwischen Naturschutz und Technik. „Selbstverständlich lehnt der LBV den Einsatz von Mährobotern grundsätzlich ab“, versichert Schenk. Denn neben der akuten Verletzungsgefahr für Wildtiere führen Mähroboter zu dauerhaft kurzgemähten Rasenflächen mit viel weniger Artenvielfalt. Auf diesen Flächen finden Tiere wenig Nahrung und Versteckmöglichkeiten. „Doch solange Mähroboter eingesetzt werden, müssen sie Igel erkennen. Die Gefahr für die Tiere muss dringend bestmöglich reduziert werden, weshalb die Erarbeitung einer Richtlinie eine folgerichtige Konsequenz für uns ist“, so die LBV-Projektleitung.

 

Über das Projekt
Der bayerische Naturschutzverband LBV und der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) setzen das Projekt „Mähroboter und die Bewahrung der Artenvielfalt in Gärten“ gemeinsam mit Unterstützung aus dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) um. Ziel ist es, eine technische Richtlinie zu entwickeln, mit der Hersteller künftig objektiv nachweisen können, ob ihre Geräte Igel zuverlässig erkennen und vor Verletzungen schützen. Das Projekt läuft bis Mitte 2027 und wird vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) gefördert.
Mehr Informationen unter: https://lbv.de/projekt-maehroboter

 

Gemeinsame Presseinformation
 
Wo in Bayern verbergen sich noch vogelfreundliche Gärten?
Über 7.000 Plaketten "Vogelfreundlicher Garten" wurden bereits vergeben – Jetzt als Gartenjury Mitglied bewerben
 

 

Hilpoltstein/Augsburg, 30.03.2026 – Es summt, blüht und zwitschert: Mit dem Frühling startet auch die nächste Saison der Aktion "Vogelfreundlicher Garten". Ab April ist die ehrenamtliche LBV-Gartenjury erneut in ganz Bayern unterwegs, um private Gärten auszuzeichnen und damit ein Zeichen für mehr Artenvielfalt im Siedlungsraum zu setzen. Wer in diesem Frühjahr den eigenen Garten zertifizieren lassen möchte, oder als Jurymitglied aktiv werden möchte kann sich noch bewerben.

Seit dem Start der Aktion im Jahr 2022 wurden bereits 7.099 Gärten in Bayern als "vogelfreundlich" ausgezeichnet. Allein in der vergangenen Saison kamen fast 2.000 neue Gärten dazu. Und das Interesse reißt nicht ab: Aktuell warten noch über 1.000 Gartenbesitzerinnen und -besitzer auf die Bewertung ihres Gartens. "Wir sind wirklich überwältigt von der anhaltend großen Resonanz", sagt LBV-Projektleiterin Anke Brüchert. "Das zeigt, wie viele Menschen sich direkt vor ihrer Haustür für die Natur einsetzen und Vögeln sowie vielen anderen Arten einen Rückzugsort schaffen möchten."

Dabei braucht es oft gar nicht viel, um den eigenen Garten möglichst naturnah zu gestalten. Schon kleine Veränderungen machen einen Unterschied: heimische, samentragende Wildkräuter, beerentragende Sträucher, ein paar wilde Ecken oder selteneres Mähen machen den Garten zu einem attraktiven Lebensraum für zahlreiche Tiere. Jeder Garten kann so Schritt für Schritt "vogelfreundlich" werden und einen wertvollen Beitrag für die Artenvielfalt leisten.

Bewertet werden die Gärten von über 700 ehrenamtlichen Mitgliedern der LBV-Gartenjury, die in ihrer Freizeit von April bis Anfang Oktober im Einsatz sind. Nach der Anmeldung besuchen sie die Gärten vor Ort und prüfen sie anhand festgelegter Kriterien. Wer diese erfüllt, erhält die Plakette "Vogelfreundlicher Garten". "Naturnahe Gärten werden oft als ungepflegt und optisch unattraktiv empfunden", sagt Maria Hußlein, die Leiterin des Bayerischen Artenschutzzentrums. "Die Auszeichnung als vogelfreundlicher Garten zeigt: Hier wird bewusst etwas für Vögel, Insekten und Natur getan. So eröffnen sich neue Blickwinkel – und genau das kann auch andere inspirieren, selbst aktiv zu werden."

Tipps für den vogelfreundlichen Garten im Frühling

Bayerns Privatgärten bieten zusammengenommen ein enormes Potenzial für den Artenschutz. Immerhin ist ihre Fläche fast so groß wie die aller Naturschutzgebiete im Freistaat. Gerade jetzt im Frühjahr ist ein guter Zeitpunkt, um den eigenen Garten naturnah weiterzuentwickeln. Heimische Gehölze wie Hunds-Rose oder Schwarzer Holunder liefern Blüten und Blätter für Insekten und später im Jahr Früchte für Vögel. Auch Wildpflanzen wie Wiesen-Salbei, Schafgarbe oder Flockenblume lassen sich jetzt gut aussäen und fördern die biologische Vielfalt direkt vor der Haustür.

Aufgrund der vielen Anmeldungen kann es in einzelnen Regionen zu Wartezeiten bei der Bewertung kommen. In einigen Landkreisen suchen wir deshalb noch dringend nach Gartenjury-Mitgliedern. Wo noch Jurymitglieder gesucht werden, ist einsehbar unter: www.vogelfreundlichergarten.de.


Über das Projekt:
Die von LBV und LfU verliehene, kostenlose Gartenplakette "Vogelfreundlicher Garten" ist eine Wertschätzung und Auszeichnung von besonders vogelfreundlichen und artenreichen Gärten, egal ob groß oder klein. Mit der Auszeichnung setzen wir ein Umdenken in Gang und fördern die Akzeptanz für etwas mehr Wildnis vor der eigenen Haustür. Die Bewertung erfolgt durch ein ehrenamtliches Team der LBV-Gartenjury nach einem festgelegten Kriterienkatalog. Werden genügend Kriterien erfüllt, erhält der Garten die Plakette, mit der öffentlich gezeigt wird, dass dieser vogelfreundlich ist. Die Aktion findet im Rahmen der Kampagne gArtenvielfalt des LfU statt. Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber ist Schirmherr der Aktion. Weitere Informationen unter www.vogelfreundlichergarten.de.

 

Presseinformation 24-26
 
„Kuckuck, kuckuck“: Wo ruft’s aus dem Wald?
Wenn er ruft, ist der Frühling da: Jetzt den ersten Kuckuck des Jahres dem LBV melden
 

 

Hilpoltstein, 27.03.2026 – Wenn der markante Ruf des Kuckucks erklingt, ist der Frühling in Bayern in vollem Gange. „Sein namensgebender Ruf dient dem Männchen dazu, sein Revier abzustecken und ist in Bayern meist ab Anfang April zu hören, wenn die Kuckucke aus ihren Überwinterungsquartieren in Afrika zurückkehren“, weiß LBV-Vogelexpertin Dr. Angelika Nelson. Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) lädt auch heuer wieder alle Naturinteressierten ein, dieses frühlingshafte Naturphänomen zur erleben und die eigene Beobachtung mit anderen zu teilen. Jetzt den ersten Kuckuck des Jahres melden unter: www.lbv.de/kuckuck.
Sobald der Kuckuck aus seinem Winterquartier in Afrika zurückkehrt, besetzt das Männchen mit einem weit hörbarem „ku kuu“ sein Revier. Von einem hohen Punkt aus versucht es damit auch Kuckucks-Weibchen anzulocken. Üblicherweise ertönt der bekannte Ruf im Freistaat zwischen April und Juli. „Besonders an sonnigen, windstillen Tagen sind Kuckucke aktiv. Dann sind ihre Rufe weithin zu hören und die Karte der ersten Kuckucksmeldungen auf der LBV-Webseite füllt sich rasch. Es ist jedes Jahr wieder spannend mitzuverfolgen, wie sich die Meldungen von Süden nach Norden hin ausbreiten“, erklärt Angelika Nelson.

Achtung: Verwechslungsgefahr

Obwohl der Ruf des Kuckucks so charakteristisch scheint, ist vor der Meldung genaues Hinhören gefragt: „Der kurze, prägnante Reviergesang des Kuckucks kann manchmal mit dem ähnlich klingenden, langgezogenen Balzruf der Türkentaube verwechselt werden“, erklärt die Vogelexpertin. Denn auch die Türkentauben sind zurzeit in Paarungsstimmung und lassen ihren Ruf weithin erklingen. Wer sich nicht sicher ist, ob die gehörten Laute von einem Kuckuck oder einer Taube stammen, dem hilft der LBV-Ruf-Check mit Hörbeispielen unter www.lbv.de/kuckuck.

Gefährdung des Kuckucks

Der Bestand des Kuckucks geht deutschlandweit zurück, in der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands wird er seit 2020 als „gefährdet“ eingestuft. Die Ursachen dafür sind komplex. „Verschiedene Faktoren im Brutgebiet, während dem Vogelzug sowie in den Rast- und Überwinterungsgebieten sind dafür verantwortlich, dass es auch in Bayern immer weniger Kuckucke gibt“, sagt Nelson. Einige wissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass Singvögel, die kürzere Strecken als der Kuckuck ziehen, aufgrund Klimaveränderungen früher in ihre Brutgebiete zurückkehren und daher auch früher mit der Eiablage beginnen als in den letzten Jahrzehnten. „Der Kuckuck legt sein Ei gezielt in das Nest anderer Vogelarten – idealerweise der Art, von der er selbst aufgezogen wurde. Dabei muss das Ei zeitlich genau abgestimmt sein, sonst entwickelt sich der Kuckuck nicht rechtzeitig neben den Wirtsjungen. Kommt der Kuckuck zu spät aus seinem Winterquartier in Afrika, findet er keinen passenden Wirtsvogel und seine Fortpflanzung ist gefährdet“, erklärt die Ornithologin. Um besser zu verstehen, ob der Kuckuck auf andere Wirtsvogelarten ausweicht oder sein Verbreitungsgebiet verändern kann, sind langfristige, bayernweite Beobachtungen entscheidend. Mit der Meldung ihres ersten gehörten Kuckucks können so auch aufmerksame Bürgerinnen und Bürger mithelfen, eine Wissengrundlage zum Vorkommen des Kuckucks zu schaffen.

 

Presseinformation 23-26
 
LBV klagt im Eilverfahren auf sofortigen Baustopp am Fellhorn
Neuer Sessellift am Scheidtobel und Pistenbau gefährden bedrohtes Birkhuhn und sind nicht genehmigungsfähig
 

 

Hilpoltstein, 23.03.2026 – Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) hat heute beim Verwaltungsgericht Augsburg Klage gegen den Neubau eines Sessellifts am Scheidtobel sowie gegen den Pistenbau im Bereich Bierenwang und Walsergund am Fellhorn im Landkreis Oberallgäu eingereicht. „Da im Bescheid für den Bau des geplanten Sessellifts ein Sofortvollzug angeordnet wurde und bereits erste Rodungen im Gebiet stattgefunden haben, haben wir einen Eilantrag für einen sofortigen Baustopp gestellt“, erklärt LBV-Geschäftsführer Helmut Beran. Der betroffene Bereich am Scheidtobel liegt in einem besonders sensiblen Gebiet der Allgäuer Hochalpen. Teilflächen der geplanten Baumaßnahmen liegen innerhalb des Naturschutzgebietes Allgäuer Hochalpen, eines FFH-Schutzgebietes und eines Vogelschutzgebietes, die das in Bayern vom Aussterben bedrohte Birkhuhn schützen sollen. Das Gebiet zählt zu den wichtigsten Lebensräumen für das Birkhuhn in Bayern. „Der Sessellift sowie weitere Bauvorhaben im Gebiet sind nach unserer Einschätzung überhaupt nicht genehmigungsfähig“, kritisiert Beran.
Bei dem geplanten Bau des Sessellifts soll die Talstation rund 100 Meter talwärts verlegt und die Bergstation etwa 220 Meter höher positioniert werden. Hinzu kommen verschiedene Ausweitungen der Pistenflächen an der Bierenwang- und der Walsergundabfahrt. „Nach unserer Einschätzung handelt es sich bei diesen Baumaßnahmen nicht um ein Ersatzvorhaben, sondern um eine Neuschaffung von Ski-Infrastrukturmaßnahmen, die den Vorgaben des Alpenplans widersprechen und somit nicht genehmigungsfähig sind“, erläutert LBV-Geschäftsführer Beran.

Selbst die Betreiber gehen von einer Vielzahl von Störfaktoren für das Birkhuhn aus. Dazu zählen Schneeverdichtung, der Verlust von Winterlebensräumen, Störungen an Balzplätzen, erhebliche Beeinträchtigungen während der Bauphase und Zerschneidung der Lebensräume. „Daraus zu folgern, dass in der Summe der Baumaßnahmen keine Verschlechterung entstehe und das Vorhaben unbedenklich sei, ist fachlich nicht nachvollziehbar und steht im Widerspruch zu den Erhaltungszielen der betroffenen Schutzgebiete“, verdeutlicht Helmut Beran.

Darüber hinaus plant die Fellhornbahn noch weitere Vorhaben im Bereich Scheidtobel, die nicht Bestandteil der jetzt genehmigten Maßnahmen sind. So soll beim Kanzelwandhaus ein neuer Schneiteich mit dreifach höherer Speicherkapazität errichtet werden, außerdem ist ein neuer Swisscord-Lift gelpant. Der LBV hat von Anfang an eine Zusammenlegung aller Planungen in einem Verfahren gefordert, um die Auswirkungen auf alle Schutzgüter erfassen zu können. „Ohne die Gesamtwirkung aller geplanten Maßnahmen im Gebiet zu berücksichtigen, ist eine fundierte fachliche Beurteilung nicht möglich. Hier wird eine Art Salamitaktik angewendet, um Genehmigungen für Einzelvorhaben zu erhalten, die in ihrer Summe gar nicht oder nur mit hohen Auflagen genehmigt würden“, erklärt Beran.

Hintergrund
Bereits in einer Pressemitteilung im Oktober 2025 hatte der LBV kritisiert, dass durch das sogenannte 3. Modernisierungsgesetz Umweltstandards ausgehebelt wurden. So war für den geplanten Neubau der Sesselbahn am Scheidtobel keine Umweltverträglichkeitsprüfung mehr nötig, obwohl sich das Bauvorhaben in einem Gebiet mit höchsten Schutzkategorien befindet. Das Gebiet ist zugleich Naturschutzgebiet, FFH-Gebiet und europäisches Vogelschutzgebiet. In einer Pressemitteilung vom November kritisierte der LBV die Pläne für den Neubau eines Sesselliftes als nicht genehmigungsfähig.

Die Alpen sind der Lebensraum vieler hochbedrohter Tier- und Pflanzenarten, die durch den Klimawandel besonders gefährdet sind. Gleichzeitig trägt Bayern eine besondere Verantwortung für den Erhalt jener Arten, die in Deutschland nur in den Alpen vorkommen. Der LBV wird nicht zulassen, dass für kurzfristige wirtschaftliche Interessen massive Eingriffe in hochsensible Ökosysteme erfolgen, ohne dass die Umweltbelange umfassend geprüft wurden.

 

Terminhinweis
 
Stunde der Gartenvögel vom 8. bis 10. Mai
LBV veranstaltet zum 22. Mal große Mitmachaktion im Frühling
 

 

Hilpoltstein, 24.03.2026 – Vom 8. bis 10. Mai 2026 findet zum 22. Mal die "Stunde der Gartenvögel" statt: Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und sein bundesweiter Partner NABU rufen dazu auf, eine Stunde lang die Vögel im Garten, auf dem Balkon oder im Park zu beobachten, zu zählen und zu melden. Im Mittelpunkt der Aktion stehen vertraute und oft weit verbreitete Vogelarten des Siedlungsraums, wie Meisen, Finken, Spatzen oder Rotkehlchen. Mehr Informationen zur Aktion unter lbv.de/stunde-der-gartenvoegel.
Die "Stunde der Gartenvögel" ist gemeinsam mit der Schwesteraktion "Stunde der Wintervögel" die größte bürgerwissenschaftliche Mitmachaktion Deutschlands, bei der möglichst viele Menschen gemeinsam große Datenmengen sammeln und so wichtige Hinweise zur Entwicklung der heimischen Vogelwelt geben. Die Langzeitstudie liefert dem LBV eine Fülle wertvoller Informationen zum Schutz der Artenvielfalt. Jährlich beteiligen sich an der Aktion mehrere Tausend Menschen.

Die Beobachtungen am Zählwochenende melden Teilnehmende am einfachsten online unter lbv.de/stunde-der-gartenvoegel. Dort sind ab dem ersten Zähltag auch fortlaufend aktualisierte Zwischenstände abrufbar, die nach Landkreisen und Regierungsbezirken gefiltert werden können. Meldeschluss für die "Stunde der Gartenvögel" 2026 ist der 18. Mai.

Einen druckfähigen Teilnahmebogen zur Verwendung in Printmedien, Pressebilder zu den häufigsten Gartenvögeln und weitere Materialien zur Aktion finden Sie unter www.lbv.de/sdg-presse.

"Schulstunde der Gartenvögel"
Vom 4. bis 8. Mai 2026 sind alle Lehrkräfte eingeladen, im Rahmen der "Schulstunde der Gartenvögel" gemeinsam mit ihren Schülerinnen und Schülern die heimische Vogelwelt spielerisch kennenzulernen und eine Stunde lang auf dem Pausenhof, im Park oder im Schulgarten zu beobachten.

Wir freuen uns, wenn Sie die Mitmachaktion im Vorfeld ankündigen. Bitte teilen Sie uns mit, wenn Sie an Interviews mit unseren Vogelexpert*innen, Tipps zur Vogelbeobachtung oder weiterem Material interessiert sind.

 

Gemeinsame Presseinformation
 
Bayerisches Agrarbündnis fordert:
Umbau der Agrarförderung überfällig
Verbände verlangen von Agrarministerkonferenz: Landwirtschaft muss ökonomisch gestärkt und nachhaltiger werden
 

 

Hilpoltstein/Bad Reichenhall, 17.03.2026 – Anlässlich der Agrarministerkonferenz (AMK) vom 18. bis 20. März in Bad Reichenhall stellte das bayerische Agrarbündnis bestehend aus Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), BUND Naturschutz (BN), Deutscher Verband für Landschaftspflege (DVL), Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) und Landesvereinigung für den ökologischen Landbau (LVÖ) seine Positionen zur zukünftigen Agrarpolitik vor. Die Verbändeplattform setzt sich für einen politischen und wirtschaftlichen Rahmen ein, in dem landwirtschaftliche Betriebe ein gutes wirtschaftliches Auskommen haben, unsere Lebensgrundlagen sauberes Wasser, gesunde Böden sowie die Artenvielfalt schützen und zum Klimaschutz beitragen. Die aktuellen Entwürfe zur zukünftigen Agrarpolitik gehen jedoch in die falsche Richtung und sind nicht geeignet, die bestehenden Herausforderungen zu bewältigen.
Josef Schmid, AbL in Bayern: „Alter Wein in alten Schläuchen“ droht die zukünftige Agrarpolitik in Bund und EU zu werden. Sie bietet keine Lösungen für die drängenden Probleme in Klimaschutz, Artenschutz, Düngeverordnung und Umbau der Tierhaltung. Stattdessen sollen unter dem Deckmantel des Bürokratieabbaus mühsam errungene Fortschritte und Übereinkünfte verworfen, und agrarpolitische Dinosaurier, wie Exportorientierung und Intensivierung der Produktion aus der Versenkung geholt werden. Die von Bäuerinnen und Bauern erbrachten Gemeinwohlleistungen müssen endlich einkommenswirksam honoriert werden, um positive ökologische und soziale Entwicklungen zu bewirken, zu Problemlösungen beizutragen, und um letztlich die kontraproduktiven Flächenprämien zu ersetzen. Nur durch eine überzeugende Legitimierung sind zukünftige Kürzungen der EU-Fördergelder überhaupt noch zu verhindern. Jetzt liegt es in den Händen der AgrarministerInnen, in geschlossenen Betriebskreisläufen wirtschaftende Betriebe zu stärken, um die Ernährungssicherheit zu gewährleisten, auch wenn Lieferketten gestört sind, und die LKWs mit Dünger, Importfutter und Pflanzenschutzmitteln ausbleiben.“

Dr. Norbert Schäffer, LBV-Vorsitzender: „Intakte Ökosysteme sind die Voraussetzung für eine langfristig produktive Landwirtschaft. Der dramatische Rückgang von Feldvögeln und Insekten in der Agrarlandschaft gefährdet unsere Lebensgrundlagen. Wo es keine Rebhühner, Schmetterlinge und Wildbienen mehr gibt, kann man auch keine Lebensmittel mehr herstellen. Verantwortlich für das Artensterben ist nach dem Verlust von Lebensräumen auch der jahrzehntelange flächendeckende Einsatz von Pestiziden. Bund und Länder müssen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln halbieren, wie im Zuge des Volksbegehrens „Rettet die Bienen!“ in Bayern beschlossen. Statt die Zulassung neuer Mittel zu vereinfachen und sogar unbefristete Genehmigungen zu fordern, müssen Pestizide viel umfassender getestet werden. Nur dann kann sich die Artenvielfalt in unserer Landschaft erholen.”

Martin Geilhufe, BN-Vorsitzender: „Die Agrarministerkonferenz in Bad Reichenhall steht vor Entscheidungen mit enormer Tragweite: Die EU-Wiederherstellungsverordnung ist kein Bürokratiemonster, sondern unsere zentrale Chance, Moore, Wälder und Flüsse zu retten und damit Klima, Artenvielfalt, Ernährung und Lebensqualität zu sichern. Wir erwarten von der Staatsregierung, dass sie diese Verordnung nicht weiter bekämpft, sondern engagiert umsetzt und sich für eine solide Finanzierung durch Bund und EU einsetzt. Denn eine echte nachhaltige Landwirtschaft, die auch in Zukunft unser Überleben sichert, heißt: Schutz intakter Ökosysteme, konsequenter Ausbau des Ökolandbaus, Ausbau der Agrarumweltprogramme und eine vielfältige, regional angepasste Bewirtschaftung. Gleichzeitig fordern wir die Ministerinnen und Minister auf, die Landwirtschaft gentechnikfrei zu erhalten – neue Gentechnik ohne Risikoprüfung und Kennzeichnung wäre ein gefährliches Spiel mit der Natur, den bäuerlichen Betrieben und den Verbraucherrechten.“

Moritz Stüber, DVL-Bereichsleiter: „Viele Betriebe haben sich in den letzten Jahren, auch aufgrund politischer Versprechungen, hin zur Erbringung von Umweltleistungen diversifiziert. Allein in Bayern nehmen 30.000 Betriebe am Vertragsnaturschutz teil. Die AMK muss jetzt handeln, damit die Diversifizierung nicht zur Sackgasse wird und die Betriebe auch künftig eine finanzielle Perspektive für den Naturschutz in der Landwirtschaft haben. Dazu zählen ein Mindestbudget für Agrarumweltmaßnahmen in der GAP, ein Definitionsrahmen, der die Erbringung von Umweltleistungen als landwirtschaftliche Tätigkeit ausweist und eine auskömmliche Finanzierung auf Bundes- und Länderebene über die GAK und das "Sonderprogramm Naturschutz und Klimaanpassung". Naturerhalt und Wiederherstellung sind nichts Neues für unsere Betriebe. Innerhalb der Landschaftspflegeverbände setzen unsere Landwirtinnen und Landwirte das seit Jahren erfolgreich und professionell um - einzig müssen wir ihnen eine Perspektive geben!"

Manfred Gilch, Vorsitzender BDM: „Die seit über drei Jahrzehnten betriebene EU-Agrarpolitik hat uns in eine Sackgasse geführt, die wahren Profiteure sind die konzerngelagerten Strukturen der Verarbeitungs- und Ernährungsindustrie. Um für unsere Hofnachfolger wirtschaftliche Perspektiven eröffnen zu können, bedarf es einer Neuausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik und insbesondere der Gemeinsamen Marktordnung GMO. Dass dringender Handlungsbedarf besteht, beweisen die in regelmäßigen Abständen auftretenden massiven Marktkrisen mit der Folge, dass die Preise für unsere Agrarprodukte regelrecht abstürzen und dabei Einkommensverluste in Milliardenhöhe verursachen. Allein wir deutschen Milchviehbetriebe verlieren durch die aktuelle Krise rund 5 Milliarden Euro. Um das vom Bundeskartellamt und die Monopolkommission zu Ungunsten der Landwirtschaft bestätigte Machtgefälle beseitigen zu können, bedarf es in der GMO verankerter wirkungsvoller Marktkriseninstrumente, der Vorgabe, sich vor der Lieferung unserer Agrarprodukte ausnahmslos über Preis, Menge, Qualität und Vertragsdauer vereinbaren zu müssen und Maßnahmen, die die Landwirtschaft in die Lage versetzen, eigenverantwortlich Marktmanagement zu betreiben."

Thomas Lang, Vorsitzender der LVÖ Bayern: „Der ökologische Landbau ist das einzige EU-weit gesetzlich definierte Produktionssystem mit nachgewiesenen Leistungen für die Artenvielfalt, sauberes Wasser und gesunde, dauerhaft fruchtbare Böden. Deshalb ist es gut und richtig, dass der ökologische Landbau auch in Zukunft verpflichtend von allen Mitgliedsländern der EU gefördert werden muss. Aber dazu braucht es jetzt und künftig feste, zuverlässige und ausreichend hohe Förderbudgets. Nur so werden sich mehr und mehr Betriebe für diese nachhaltigste Form der Lebensmittelproduktion entscheiden. Gerade jetzt, wo der Markt günstig ist, müssen Förderzusagen eingehalten werden, um die wachsende Umstellungsbereitschaft zu unterstützen.“

 

Presseinformation 22-26
 
Natur und Landwirtschaft stärken: LBV und NABU mit Forderungen zur Agrarministerkonferenz
Gelder für Agrarnaturschutz in der GAP ab 2028 sichern und die EU-Naturwiederherstellung schnell und mutig ausgestalten
 

 

Hilpoltstein/Bad Reichenhall, 16.03.2026 – Anlässlich der Agrarministerkonferenz (AMK) vom 18. bis 20. März in Bad Reichenhall rufen der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und sein bundesweiter Partner NABU Bund und Länder dazu auf, die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ab 2028 sowie die Umsetzung der EU-Naturwiederherstellungsverordnung entschlossen voranzubringen. Beide Themen stehen auf der Tagesordnung der Konferenz.
„Die Agrarministerinnen und Agrarminister müssen jetzt die Weichen stellen, damit Landwirtschaft, vitale Wälder und Natur gleichermaßen Zukunft haben“, sagt NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger. „Die Vorschläge der EU-Kommission zur Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2027 sichern kein verlässliches Mindestbudget für den Agrarnaturschutz. Doch ohne klare finanzielle Grundlagen für freiwillige Maßnahmen und Kooperationen lässt die Politik die Landwirtinnen und Landwirte im Stich. Öffentliches Geld muss konsequent für öffentliche Leistungen und die Zukunft des Sektors eingesetzt werden. Andernfalls hat die GAP keine Zukunft.“

NABU und LBV warnen davor, weiterhin Milliarden an pauschalen Flächenprämien auszuzahlen, ohne damit messbare Fortschritte für Natur und landwirtschaftliche Betriebe zu erzielen. Es brauche europäische Mindeststandards und ein verbindliches Budget für Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen. Diese seien zugleich ein zentraler Baustein für die Umsetzung der Naturwiederherstellungsverordnung.

„Gerade in Bayern sehen wir, wie stark Landwirtschaft und Artenvielfalt miteinander verflochten sind“, sagt Dr. Norbert Schäffer, Vorsitzender des LBV. „Wenn Feldvögel, Insekten und strukturreiche Landschaften verschwinden, verliert auch die Landwirtschaft ihre ökologische Grundlage. Eine zukunftsfähige Agrarpolitik muss deshalb gezielt diejenigen Betriebe stärken, die sich für Natur- und Klimaschutz engagieren.“

Mit Blick auf die EU-Naturwiederherstellungsverordnung fordern NABU und LBV die Agrarministerinnen und Agrarminister dazu auf, die Umsetzung jetzt konstruktiv zu auszugestalten. Die Verordnung soll geschädigte Natur in ganz Europa wiederherstellen und ihre Widerstandsfähigkeit stärken. Krüger: „Die Naturwiederherstellungsverordnung ist eine große Chance für die Land- oder Forstwirtschaft: Sie bietet Rückhalt, um geschädigte Natur wiederherzustellen und die natürlichen Lebensgrundlagen zu sichern. Zugleich gibt sie der Entwicklung lebenswerter ländlicher Räume Priorität und sichert eine stabile Landwirtschaft. Diese ist auf genug Wasser, fruchtbare Böden und Bestäuber angewiesen. Auch unsere Wälder profitieren davon, wenn wir sie widerstandsfähiger gegen Klimastress, Schädlinge und Extremwetter machen.“

Die Verordnung gebe nur grobe Ziele auf Ebene des Mitgliedsstaates vor und lasse große Spielräume bei der konkreten Umsetzung und der Ausgestaltung entsprechender Indikatoren. Entscheidend sei deswegen nun die Vorlage eines klugen deutschen Wiederherstellungsplans auf Basis der Vorschläge der Länder. „Alle Bundesländer haben es selbst in der Hand, die Verordnung bürokratiearm und entlang der jeweiligen Stärken und Bedarfe umzusetzen“, sagt Schäffer. „Gerade Bayern sollte die Chance nutzen: Die Verordnung kann dem Waldumbau erheblichen Rückenwind geben. Sie ermöglicht beispielsweise deutlich mehr Spielraum für den Aufbau vielfältiger und widerstandsfähiger Mischwälder – gut für die Artenvielfalt und wichtig für die wirtschaftliche Stabilität der Forstbetriebe.“

Hintergrund
Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU verteilt jährlich rund 55 Milliarden Euro an Fördermitteln. Ein Großteil der Mittel wird weiterhin als pauschale Flächenprämie ausgezahlt. Naturschutzverbände fordern seit Jahren, diese Gelder stärker an konkrete Umwelt- und Klimaleistungen zu binden. Die EU-Naturwiederherstellungsverordnung verpflichtet EU-Mitgliedstaaten dazu, geschädigte Ökosysteme schrittweise zu verbessern und ihre ökologische Funktionsfähigkeit wiederherzustellen. Die konkrete Umsetzung erfolgt über nationale Wiederherstellungspläne. Für ihre wiederholten Angriffe auf die Verordnung wurden die Agrarministerinnen und Agrarminister von Bund und Ländern im vergangenen Jahr mit dem Negativpreis „Dinosaurier des Jahres“ ausgezeichnet.

 

Presseinformation 21-26
 
Moorschutz beginnt im Gemüsebeet: LBV ruft zum Verzicht von Torf im Garten auf
Bundesweite Woche „Torffrei Gärtnern“ vom 13. bis 22. März
 

 

Hilpoltstein, 12.03.2026 – Zum Start der bundesweiten Aktionswoche „Torffrei Gärtnern“ am 13. März ruft der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) Hobby-Gärtnerinnen und Gärtner dazu auf, beim Kauf von Blumenerde bewusst auf torffreie Produkte zu achten. Denn in vielen Garten- und Blumenerden steckt Torf, das über Jahrtausende in Moorten entstanden ist. „Moore gehören zu den effektivsten natürlichen Klimaschützern. Wird Torf abgebaut, entweichen große Mengen des über Jahrtausende gespeicherten Kohlenstoffs in die Atmosphäre“, erklärt Franziska Back, Pressereferentin beim LBV. Noch dazu sind Moore ein einzigartiger Lebensraum, der zahlreiche spezialisierte Tier- und Pflanzenarten vom Sonnentau bis zum Moorfrosch beherbergt. Obwohl der industrielle Torfabbau in Bayern inzwischen eingestellt ist, wird weiterhin Torf aus anderen Ländern, etwa aus dem Baltikum, importiert. Dort zerstört der Abbau immer noch wertvolle Moorlandschaften.
Jedes Frühjahr kaufen Hobby-Gärtnerinnen und -Gärtner große Mengen Blumenerde für Balkonkästen, Hochbeete und Gemüsebeete. Dabei wissen viele nicht, dass die meisten der angebotenen Substrate erhebliche Mengen Torf beinhalten. „Der über Jahrtausende entstandene Torf ist viel zu kostbar, um ihn nur für einen Sommer als Pflanzsubstrat zu nutzen und anschließend zu entsorgen“, so Franziska Back vom LBV. Dabei gibt es längst Alternativen: Torffreie Substrate bestehen meist aus Mischungen aus Kompost, Rindenhumus und Holzfasern. Versuche aus gärtnerischen Lehr- und Forschungseinrichtungen zeigen, dass sie für Hobbygärten ebenso gut geeignet sind wie torfhaltige Erde. Wichtig ist ein genauer Blick auf die Verpackung: Bezeichnungen wie „torfreduziert“ oder „Bio-Erde“ bedeuten nicht automatisch, dass kein Torf enthalten ist.

Wer im Garten kompostiert oder Kompost aus einer kommunalen oder gewerblichen Kompostieranlage verwendet, kann diesen außerdem unter das gekaufte, torffreie Substrat mischen und der Erde so zu mehr Nährstoffen verhelfen. Dadurch ist der Düngebedarf meist geringer. So lässt sich auch Erde aus Pflanzgefäßen vom Vorjahr wieder auffrischen. „Pflanzerde lässt sich oft mehrfach verwenden, indem man sie vor der neuen Gartensaison mit frischem Kompost und organischem Dünger wie Hornmehl mischt“, sagt Franziska Back.

Auch beim Kauf von Pflanzen können Gartenfreunde darauf achten, dass kein Torf enthalten ist. Viele gekaufte Jungpflanzen wachsen nämlich in torfhaltigen Substraten. Wer Gemüse, Kräuter oder Blumen selbst aussät, hat mehr Kontrolle über die verwendete Erde.

Mit solchen einfachen Maßnahmen können Hobby-Gärtnerinnen und -Gärtner aktiv zum Schutz der Moore beitragen. „Wer torffrei gärtnert, schützt Klima und Artenvielfalt – und zeigt, dass Naturschutz schon im eigenen Garten beginnen kann“, so die LBV-Pressereferentin.

 

Pressemitteilung: Volksbegehren Artenvielfalt
 
Sogenanntes „Modernisierungsgesetz“ greift Bestandteile des Volksbegehrens an
Erstmals werden Vorgaben aus dem Volksbegehren „Rettet die Bienen!“ gestrichen – Trägerkreis spricht von Tabubruch
 

 

München/Hilpoltstein, 12.03.2023 – Die Abgeordneten des Bayerischen Landtags haben das sogenannte „4. Modernisierungsgesetz“ verabschiedet. Unter dem Deckmantel des Bürokratieabbaus werden damit erstmals Vorgaben aus dem Volksbegehren Artenvielfalt - „Rettet die Bienen!“ gestrichen. Betroffen sind essenzielle Informationsquellen wie die Berichte zum Biotopverbund, zur Biolandwirtschaft und zum Zustand der Natur in Bayern. Der Trägerkreis des Volksbegehrens, bestehend aus ÖDP, LBV, Bündnis 90/Die Grünen und der Gregor Louisoder Umweltstiftung (GLUS), sieht hier einen Präzedenzfall, der weitere Änderungen und Schwächungen des Naturschutzrechts nach sich ziehen könnte. Zudem stellen die Streichungen einen Angriff auf den Willen der mehr als 1,7 Millionen Bürgerinnen und Bürger dar, die 2019 für mehr Schutz der Artenvielfalt in Bayern unterschrieben haben. „Das ersatzlose Streichen von Passagen aus dem Volksbegehren ist ein Tabubruch, den wir nicht einfach akzeptieren werden“, so Agnes Becker, ÖDP-Vorsitzende und Sprecherin des Trägerkreises. „Wir werden der Staatsregierung weiterhin genau auf die Finger schauen und uns für einen konsequenten Schutz von Natur und Artenvielfalt in Bayern einsetzen!“
Die Berichte zur Lage der Natur, zum Biotopverbund und zur Biolandwirtschaft sind keine überflüssige Bürokratie, sondern zentrale Indikatoren für den Zustand der Natur in Bayern. Sie zeigen, ob die Staatsregierung die gesetzlich verankerten Naturschutzziele umsetzt, oder nicht. „In Zukunft müssen die Informationen zur Umsetzung der Ziele beim Biotopverbund und in der Biolandwirtschaft mühsam erfragt werden – und das ausgerechnet in den Bereichen, in denen die Umsetzung der gesteckten Ziele kaum vorankommt“, kritisiert Agnes Becker. „Es muss durch diese Berichte aber nachvollziehbar bleiben, ob Gesetze und Versprechen eingehalten und der Wille der Bevölkerung geachtet wird.“

Der Entscheidung im Landtag ging lediglich eine Scheinbeteiligung voraus, in der keine Einwendungen berücksichtig wurden und keine Diskussion über die Änderungen stattfand. Die von der Grünen-Landtagsfraktion eingebrachten Änderungsanträge zum Erhalt der Berichtspflichten wurden ausnahmslos von den Regierungsfraktionen von CSU und FW abgelehnt. Dabei hatte der Trägerkreis bereits im Vorfeld deutlich gemacht, dass er die genannten Berichte für unverzichtbar hält (siehe PM 72 vom 11.02.26 und PM 71 vom 11.08.25).

Aus Sicht des Trägerkreises ist das vom Landtag verabschiedete Gesetz kein sogenanntes Modernisierungs-, sondern vielmehr ein Naturschutz-Verhinderungsgesetz. Der Naturschutz steht aktuell in vielen Bereichen unter politischem Druck, auf bayerischer wie auf europäischer Ebene. Unter dem Stichwort „Bürokratieabbau“ werden mit Modernisierungs-, Beschleunigungs- oder Omnibusgesetzen Umweltstandards gesenkt und Informationsrechte der Bürgerinnen und Bürger ausgehöhlt. Zugleich will die Staatsregierung des Umwelt-Verbandsklagerecht abschaffen und die EU-Wiederherstellungsverordnung außer Kraft setzen lassen. „Die Biodiversitätskrise ist dringender denn je, und auch das Artensterben in Bayern ist längst nicht gestoppt. Wir fordern die Staatsregierung auf, sich weiterhin mit Engagement und Transparenz für den Erhalt der bayerischen Natur einzusetzen!“, so Agnes Becker. Sinnvollen Anpassungen und Änderungen im Gesetz mit echter Beteiligung wäre der Trägerkreis nicht abgeneigt.

 

Gemeinsame Presseinformation
 
Willkommen zuhause!
Nächster Meilenstein im Projekt von Nationalpark und LBV: Junge Bartgeier kehren an ihren Auswilderungsort zurück
 

 

Berchtesgaden/Hilpoltstein, 10.03.2026 – Seit einigen Wochen halten sich mehrere der im Nationalpark ausgewilderten Jungvögel im Schutzgebiet und in der Umgebung auf. Und nicht nur das: Zu den Jungvögeln gesellen sich regelmäßig weitere junge Wildvögel. Wie kam es zu dieser auffälligen Häufung an Bartgeier-Beobachtungen rund um den Königssee in den Berchtesgadener Alpen und was bedeutet das für das laufende Wiederansiedlungsprojekt vom Nationalpark Berchtesgaden und dem bayerischen Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz)?

„In den vergangenen Wochen haben wir bei guten Bedingungen regelmäßig mehrere Bartgeier gleichzeitig im Gebiet beobachtet“, freut sich Nationalpark-Projektleiter Ulrich Brendel. „Nepomuk, Wiggerl und Generl sind lange Zeit gemeinsam über dem Königssee in Sichtweite zu Vinzenz gekreist, der sich aktuell im nur wenige Kilometer entfernten Tennengebirge aufhält. Die Vögel profitieren in den Wintermonaten von den guten Nahrungsbedingungen im Nationalpark und in angrenzenden Regionen. Hier ist ganzjährig ausreichend Fallwild vorhanden und die Vögel kommen in ihrem neuen Lebensraum außerordentlich gut zurecht.“ Bartgeier sind reine Aasverwerter und ernähren sich im Erwachsenenalter ausschließlich von Knochen und Knochenmark.

Auch die im Jahr 2022 ausgewilderte Bartgeier-Dame Recka beweist, dass sie in den Ostalpen ihr Zuhause gefunden hat. Im Gegensatz zu ihren Artgenossen hat Recka nie größere Streifzüge durch den Alpenraum unternommen. Die junge Bartgeier-Dame hatte seit ihrer Auswilderung stets eine enge Bindung zum Alpenhauptkamm in Österreich. Nun hat sie dort einen Partner gefunden: „Unsere etwas frühreife Recka hat sich im Nationalpark Hohe Tauern mit einem dort ansässigen, älteren Männchen zusammengetan. Beide haben sich bereits gepaart und bauen gemeinsam an einem Horst“, verrät LBV-Projektleiter Toni Wegscheider. „Mit einer erfolgreichen Brut rechnen wir heuer allerdings noch nicht. Dafür ist Recka noch zu jung. Bartgeier werden in der Regel erst mit rund sechs Jahren geschlechtsreif. Aber die Romanze der beiden zeigt uns: Die im Nationalpark Berchtesgaden ausgewilderten Jungvögel kehren größtenteils nach einigen Jahren des Vagabundierens in den Alpen wieder in ihre Heimat zurück, um dort ein Revier zu gründen. Die ausgewilderten Vögel leisten einen wichtigen Beitrag zur Etablierung der Art in den gesamten Ostalpen.“

Auch den in Berchtesgaden ausgewilderten Junggeiern Sisi, Dagmar und Luisa scheint es in den nördlichen Kalkalpen gut zu gefallen: Sie halten sich seit mehreren Monaten im Karwendel und in den Lechtaler Alpen auf. Damit ziehen derzeit mehrere der seit 2022 ausgewilderten Jungvögel in Regionen bis maximal 190 Kilometer Luftlinie um ihren Auswilderungsort ihre Kreise – eine Situation, die die Bartgeier-Experten zuversichtlich in die Zukunft blicken lässt: „Ziel des Wiederansiedlungsprojektes von Nationalpark und LBV sind Reviergründungen östlich des Bartgeier-Kerngebiets, das aktuell noch in den westlichen Alpen in Frankreich und in der Schweiz liegt. Unsere Jungvögel zeigen uns, dass wir hier auf einem sehr guten Weg sind“, erklärt Ulrich Brendel.

Bartgeier-Beobachtungen online melden
GPS-Sender übermitteln die Aufenthaltsorte der im Nationalpark Berchtesgaden ausgewilderten Junggeier regelmäßig an eine zentrale Datenbank, einzusehen auf den Webseiten von Nationalpark und LBV unter www.lbv.de/bartgeier-auf-reisen. Dennoch ist das Bartgeier-Team auf Sichtungen angewiesen: Wer Bartgeier entdeckt, wird gebeten, die Beobachtungen mit Angaben zu Ort und Zeit und – sofern möglich – Fotos oder Videos zu melden: [email protected] oder unter www.lbv.de/bartgeier-melden.

Zum Projekt:
Der Bartgeier (Gypaetus barbatus) zählt mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,90 Metern zu den größten, flugfähigen Vögeln der Welt. Anfang des 20. Jahrhunderts war der majestätische Greifvogel in den Alpen ausgerottet. Im Rahmen eines großangelegten Zuchtprojekts werden seit 1986 im Alpenraum in enger Zusammenarbeit mit dem in den 1970er Jahren gegründeten EEP (Europäisches Erhaltungszuchtprogramm) der Zoos junge Bartgeier ausgewildert. Das europäische Bartgeier-Zuchtnetzwerk wird von der Vulture Conservation Foundation (VCF) mit Sitz in Zürich geleitet. Während sich die Vögel in den West- und Zentralalpen seit 1997 auch durch Freilandbruten wieder selbstständig vermehren, kommt die natürliche Reproduktion in den Ostalpen nur schleppend voran. Ein vom bayerischen Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und dem Nationalpark Berchtesgaden gemeinsam initiiertes und betreutes Projekt zur Auswilderung von jungen Bartgeiern im bayerischen Teil der deutschen Alpen greift dies auf und unterstützt in Kooperation mit dem Tiergarten Nürnberg die alpenweite Wiederansiedelung. Dafür werden in den kommenden Jahren im Klausbachtal junge Bartgeier ausgewildert – im Jahr 2021 erstmals in Deutschland. Der Nationalpark Berchtesgaden eignet sich aufgrund einer Vielzahl von Faktoren als idealer Auswilderungsort in den Ostalpen.
Mehr Informationen zum Projekt unter
www.lbv.de/bartgeier-auswilderung.

 

Pressestatement
 
Statement des LBV-Vorsitzenden Dr. Norbert Schäffer zu den Pressemitteilungen des StMUV „EU-Wiederherstellungsverordnung außer Kraft setzen“ und des StMELF „Bundesrat fordert Außerkraftsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung“ vom 06.03.26
Scharfe Kritik an Forderungen zur Aussetzung der Natur-Wiederherstellungsvorordnung

 


LBV-Vorsitzender Dr. Norbert Schäffer:

„Der Vorstoß im Bundesrat, die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur außer Kraft setzen zu wollen, ist ein fatales Signal für den Natur- und Klimaschutz in Europa. Der LBV kritisiert vehement, dass die bayerische Landwirtschaftsministerin Kaniber und der bayerische Umweltminister Glauber die treibenden Kräfte hinter dem Ratsbeschluss waren. Mit dieser Blockadehaltung werden die Interessen Einzelner bedient, anstatt das Wohl der Gemeinschaft in den Blick zu nehmen. Die Behauptung, die Verordnung sei wegen Fristen, fehlender europäischer Finanzierung oder Bürokratie grundsätzlich nicht umsetzbar, halten wir für vorgeschoben. Derartige Herausforderungen wären bei ernsthaftem politischem Willen lösbar. Der Dialog zur Umsetzung wird bislang nur sehr einseitig geführt. Dadurch entsteht ein verzerrtes Bild der Natur-Wiederherstellungsverordnung. Wir fordern die Minister auf, Abstand von ihrer Forderung nach einer Aussetzung der Verordnung zu nehmen. Stattdessen sollten sie mit Landnutzern, Kommunen und der Zivilgesellschaft gleichermaßen konstruktiv und lösungsorientiert in den Dialog treten und die vorhandenen Spielräume für eine gute Umsetzung nutzen. Besonders unverständlich ist, warum Bayern sich hier an die Speerspitze des Widerstands setzt, obwohl wir bei der Umsetzung des Volksbegehrens Artenvielfalt „Rettet die Bienen“, dass auf die Ziele der Wiederherstellungsverordnung einzahlt, gut voranschreiten.“

 

Presseinformation 19-26
 
Das große Wiedersehen: Frühling bringt viele Zugvögel zurück nach Bayern
Vogelzug in vollem Gange – Zahlreiche Arten kommen in den nächsten Tagen und Wochen im Freistaat an
 

 

Hilpoltstein, 06.03.2026 – Mit den deutlich länger werdenden Tagen und steigenden Temperaturen beginnt eines der beeindruckendsten Naturschauspiele des Jahres: Millionen Zugvögel kehren derzeit aus ihren Winterquartieren im Süden nach Bayern zurück. Zunächst machen sich die Kurzstreckenzieher auf den Weg, später folgen die Langstreckenzieher aus Afrika. „Der Frühling ist akustisch längst da: Amseln, Meisen und Rotkehlchen lassen bereits ihre Reviergesänge hören. Doch mit der Rückkehr der Zugvögel füllen sich Wälder, Wiesen und Siedlungen nun Tag für Tag mit noch mehr Gesang“, sagt die LBV-Vogelexpertin Dr. Angelika Nelson. Mit fünf Fakten gibt der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) Einblicke in den faszinierenden Vogelzug im Frühjahr.
Wer kommt zuerst – und wer zuletzt?
Zu den ersten Rückkehrern zählen typische Kurzstreckenzieher wie Star, Zilpzalp, Mönchsgrasmücke und Bachstelze. Sie haben den Winter meist im Mittelmeerraum verbracht. „Die Stare machen schon seit einigen Wochen mit ihren auffälligen Gesängen auf sich aufmerksam. Als wahre Stimmkünstler imitieren sie die Rufe anderer Vogelarten und sogar verschiedene Alltagsgeräusche“, erklärt Angelika Nelson. Erst später treffen die Langstreckenzieher wie Gartenrotschwanz oder Rohrsänger ein, die südlich der Sahara überwintert haben. Einige Arten wie Nachtigall, Mauersegler oder Ziegenmelker kommen erst Ende April oder Anfang Mai an. „Je weiter das Winterquartier entfernt liegt, desto später kehren die Vögel zurück.“

Nacht- oder Tagflug?

Der Großteil der Singvögel reist nachts. „Im Schutz der Dunkelheit sind sie vor tagaktiven Greifvögeln geschützt und profitieren von kühleren Temperaturen“, weiß die LBV-Vogelexpertin. Größere Vögel wie Störche und Kraniche hingegen nutzen tagsüber die Thermik, um energiesparend zu gleiten. Charakteristisch sind dabei ihre V-Formationen. Durch den Flug in Reihen verringert sich der Luftwiderstand für den einzelnen. Das spart Kraft für die oft tausende Kilometer lange Reise.

Wer hat den weitesten Weg?
Zu den beeindruckendsten Langstreckenziehern, die in Bayern brüten, zählen Fischadler, Weißstorch und Mauersegler. Während der Fischadler häufig in West- oder Zentralafrika überwintert und jedes Jahr mehrere tausend Kilometer zurücklegt, ziehen manche bayerische Vögel bis nach Südafrika – bis zu 10.000 Kilometer einfache Strecke. „Dass diese Vögel jedes Jahr tausende Kilometer zwischen ihren Brutgebieten in Bayern und den Winterquartieren zurücklegen und dann punktgenau an denselben Ort zurückfinden, gehört zu den erstaunlichsten Leistungen im Tierreich“, sagt die LBV-Vogelexpertin Angelika Nelson.

Wer fliegt am längsten ohne Pause?
Als Ausdauer-Champion gilt der Mauersegler. Er überwintert im südlichen bis südöstlichen Afrika und ist nahezu permanent in der Luft. Selbst Schlaf und Paarung finden im Flug statt. „Der Mauersegler ist mit seiner sichelförmigen Flügelform und den kurzen Beinen perfekt an ein Leben in der Luft angepasst. Er berührt außerhalb der Brutzeit kaum festen Boden“, erklärt Nelson.

Wo legen Zugvögel Rast ein?
Nicht alle Vögel schaffen die lange Reise ohne Zwischenstopp. Entscheidend sind daher Rastgebiete, wo sie ihre Energiereserven auftanken können. Zu den wichtigen Rastplätzen in Bayern zählen der Ismaninger Speichersee, der Altmühlsee sowie das Donaumoos. „An Tagen mit günstigen Rückenwinden und stabilen Hochdrucklagen kann es zu regelrechten Zugwellen kommen, bei denen besonders viele Vögel gleichzeitig unterwegs sind“, so die LBV-Biologin.

Vogelzug im Wandel

Einige Arten bleiben immer häufiger den ganzen Winter über in Bayern oder kehren früher ins Brutgebiet zurück, etwa Stare, Zilpzalp oder Mönchsgrasmücke. „Wir beobachten, vor allem bei Kurzstreckenziehern, dass sie früher zurückkehren als noch vor einigen Jahrzehnten“, sagt Angelika Nelson. Langstreckenzieher können sich nicht so leicht anpassen, besonders für sie bleibt der Zug eine enorme Kraftanstrengung und birgt viele Risiken. Rastplätze verschwinden, Lebensräume schrumpfen und in manchen Ländern werden Zugvögel noch immer aktiv gejagt. Der LBV setzt sich deshalb für den Schutz von Zugvögeln entlang ihrer Routen ein und dafür, dass Zugvögel auch künftig geeignete Rast- und Brutplätze in Bayern finden.

 

Presseinformation 18-26
 
LBV fordert: Keine grundlose Jagd auf Wölfe in Bayern
Population zu gering für Bestandsregelung – Mehr Unterstützung für Herdenschutz statt einer generellen Jagdzeit
 

 

Hilpoltstein, 06.03.2026 – Nachdem der Bundestag die Novelle des Bundesjagdgesetzes beschlossen hat, fordert der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) die Staatsregierung auf, auf eine grundlose Jagd auf Wölfe in Bayern zu verzichten. Aus Sicht des LBV ist die Gesetzesänderung nicht geeignet, die Konflikte im Zusammenhang mit der Rückkehr des Wolfes zu lösen. Eine reguläre Bejagung kann wirksamen Herdenschutz nicht ersetzen und birgt neue rechtliche sowie gesellschaftliche Risiken. „Eine pauschale Jagd auf Wölfe ist keine Lösung, sondern lediglich Symbolpolitik“, sagt Dr. Norbert Schäffer, Vorsitzender des LBV. „Wer suggeriert, Abschüsse seien die Patentlösung für einen guten Herdenschutz, weckt Erwartungen, die rechtlich und praktisch nicht erfüllt werden können.“
Eine pauschale Bejagung schafft nach Auffassung des LBV keine Sicherheit für Weidetierhaltende. Abschüsse führen bei Wölfen nicht zu mehr Distanz zu den Weidetieren, während standortangepasster Herdenschutz hier erwiesenermaßen nachhaltig wirkt. „Herdenschutz wirkt, und er ist der einzig verlässliche Weg, um Konflikte dauerhaft zu reduzieren“, so der LBV-Vorsitzende. „Getötete Wölfe lernen nichts mehr. Tiere hingegen, die funktionierende Elektrozäune erleben, geben dieses Meideverhalten ans Rudel weiter.“ Fakt ist: Nicht die Anzahl der Wölfe in einer Region ist für das Rissgeschehen maßgeblich, sondern die Frage, ob Herdenschutz angewandt wird oder nicht.

Der LBV betont, dass problematische Einzeltiere gemäß dem bayerischen Aktionsplan Wolf bereits nach geltendem Recht entnommen werden können. Eine generelle Jagdzeit ohne konkreten Anlass lehnt der LBV jedoch strikt ab. Auch die Ausweisung sogenannter nicht schützbarer oder nicht zumutbar zäunbarer Weidegebiete in den Alpen, in denen Wölfe grundsätzlich geschossen werden dürfen, sieht der LBV sowohl praktisch als auch rechtlich kritisch. Die Herausforderungen im Herdenschutz unterscheiden sich definitiv je nach Landschaftstyp. In den Alpen setzen jedoch bereits heute etliche Betriebe erfolgreich Herdenschutz um. Es wäre sinnvoll, die Förderung zu verbessern und bürokratische Hürden zu senken.

Population zu gering für Bestandsregelung
Die aktuelle Bestandsentwicklung des Wolfs zeigt, dass eine Regulierung des Wolfsbestandes durch Jagd nicht erforderlich ist. In Bayern lebt nach den neuesten offiziellen Zahlen lediglich eine kleine reproduzierende Population mit einer sehr lückigen Verbreitung: Sechs Rudel und vier Paare Wölfe. Damit ist Bayern auch nach den Maßstäben, die der Europäische Gerichtshof in Grundsatzurteilen gesetzt hat, weit entfernt von einem erforderlichen günstigen Erhaltungszustand, der durch eine reguläre Bejagung erst recht nicht erreicht werden könnte. Nach Auffassung des LBV ist nicht erkennbar, welche Zielpopulation mit einer regulären Bejagung in Bayern erreicht werden soll – weder hinsichtlich der Größe der Population, noch hinsichtlich ihres Verbreitungsgebietes.

Hintergrund
Auf Vorschlag von Bayerns Jagdminister Hubert Aiwanger hat das bayerische Kabinett am 29. Januar 2026 einen Gesetzentwurf zur Änderung des Bayerischen Jagdgesetzes (BayJG) sowie weiterer Vorschriften beschlossen. Mit Blick auf den im Juli 2025 durch die EU abgesenkten Schutzstatus des Wolfs schafft das Bayerischen Jagdgesetz nach Meinung der Staatsregierung nun die Voraussetzungen für eine nachhaltige Bejagung des Wolfes bzw. die Einführung eines Bestandsmanagement in Bayern.

Aus Sicht des LBV besteht keine Notwendigkeit, den Wolf in das Jagdrecht zu überführen. Ein effektiver Herdenschutz als vollständig vom Land finanzierter Präventionsmaßnahme sowie Entschädigungszahlungen nach Wolfsübergriffen, sofern der vom Land empfohlene Herdenschutz eingehalten wurde, sind hier wesentlich wirksamer. Entscheidend ist es auch, dass die zuständigen Fachbehörden eine kompetente Vor-Ort- Beratung für einen standortangepassten Herdenschutz sicherzustellen.

 

Presseinformation 17-26
 
Alle Falter sind schon da? Jetzt die ersten Schmetterlinge des Jahres melden
Sichtungen von Admiralen und Taubenschwänzchen deuten auf erfolgreiche Überwinterung hin – LBV bittet um Mithilfe
 

 

Hilpoltstein, 04.03.2026 Mit den ersten milden frühlingshaften Tagen des Jahres erwacht auch die heimische Schmetterlingswelt zu neuem Leben. Neben Tagpfauenaugen und Zitronenfalter, die bekannte Frühlingsboten sind, können möglicherweise auch Admiral und Taubenschwänzchen bereits beobachtet werden. Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern) ruft deshalb dazu auf, jetzt besonders aufmerksam zu sein und jede Sichtung dieser beiden Fokus-Arten im Mitmachprojekt "Falter im Fokus" zu melden. "Bereits im Dezember gingen einige Meldungen von Admiralen und Taubenschwänzchen bei uns ein. Das zeigt, dass sie versucht haben, in Bayern zu überwintern. Nun wollen wir wissen: Wie viele Falter haben den Winter tatsächlich überstanden und wo tauchen sie jetzt auf?", erklärt Schmetterlings-Experte Simon Habermann. Meldungen sind möglich unter www.lbv.de/falter-im-fokus.
Steigen die Temperaturen in den kommenden Wochen an, werden immer mehr überwinterte Falter aktiv. Im zeitigen Frühjahr nutzen sie die ersten verfügbaren Nektarquellen und können häufig an früh blühenden Pflanzen auf Lichtungen, an Waldrändern oder in naturnahen Gärten beobachtet werden. "Taubenschwänzchen lassen sich manchmal an Frühblühern wie Schneeglöckchen entdecken. Admirale hingegen fliegen im Frühjahr bevorzugt früh blühende Gehölze wie Schlehe oder Salweide an, die für sie eine wichtige erste Energiequelle sind", weiß der LBV-Schmetterlingsexperte.

Das beliebte Projekt "Falter im Fokus" geht heuer bereits in sein drittes Jahr. Beim letzten Meldeaufruf im Dezember zeigte sich erneut, wie groß die Begeisterung der Menschen in Bayern für Schmetterlinge ist: Über 50 Meldungen zum Admiral und über 30 Meldungen zum Taubenschwänzchen gingen im Laufe des Monats ein – die meisten davon an den wenigen warmen Tagen Mitte Dezember. Die Beobachtungen stammten dabei verstreut aus dem ganzen Freistaat, wobei sich beim Admiral ein leichter Schwerpunkt in Südbayern abzeichnet.

Ursprünglich verbringen die beiden Fokus-Arten den Winter in wärmeren Regionen Südeuropas oder sogar Nordafrikas und kehren erst später im Frühjahr, meist ab Mitte April, nach Bayern zurück. Durch die zunehmend milderen Winter versuchen jedoch immer mehr der Tiere, hier zu überwintern. Alle Falter, die jetzt im zeitigen Frühjahr bereits unterwegs sind, gelten daher als erfolgreiche Überwinterer. "Für das Projekt sind solche Beobachtungen besonders wertvoll, weil sie direkt zeigen, wo und unter welchen Bedingungen die beiden Arten den Winter in Bayern überleben konnten. Jede einzelne Meldung hilft uns besser zu verstehen, wie stark sich das Überwinterungsverhalten bereits verändert hat und welche Regionen dafür besonders geeignet erscheinen," sagt Simon Habermann.

Schmetterlinge melden: www.lbv.de/falter-im-fokus

Alle Schmetterlingsdaten werden an "Schmetterlinge in Bayern" der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Entomologen e.V. (ABE) weitergeleitet, um sie bestehenden Daten zuzuführen und eine weitere Verwendung zu gewährleisten. Mehr Infos unter www.schmetterlingebayern.de.

 

Presseinformation 16-26
 
LBV klagt gegen den Bau von zwei Windkraftanlagen am Schwarzen Berg
Ausbau erneuerbarer Energien darf nicht zu Lasten des Artenschutzes gehen – keine Windkraft außerhalb der Vorranggebiete
 

 

Hilpoltstein, 02.03.2026 – Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern) hat heute beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof München Klage gegen den Bau von zwei Windkraftanlagen am Schwarzen Berg westlich von Nittenau im Landkreis Schwandorf eingereicht. „Nachdem die betroffene Waldfläche zwar ursprünglich als Vorranggebiet für Windkraft vorgesehen war, hat der Regionale Planungsverband Oberpfalz Nord inzwischen jedoch das Vorranggebiet aus Artenschutzgründen wieder gestrichen. Es ist absolut unverständlich, dass jetzt das Landratsamt Schwandorf den Bau von zwei Windkraftanlagen genau an dieser Stelle doch genehmigt hat“, kritisiert LBV-Geschäftsführer Helmut Beran. Aus Sicht des LBV ist der Ausbau der Windenergie eine unverzichtbare und tragende Säule der Energiewende, dieser darf jedoch nicht zu Lasten der biologischen Vielfalt gehen.
In der Nähe der geplanten Anlagen brüten mehrere gefährdete und besonders geschützte Vogelarten wie Seeadler, Uhu und Wanderfalke. Aus diesem Grund hat der Regionale Planungsverband Oberpfalz Nord diesen Bereich als Vorranggebiet gestrichen. „Wenn nun doch außerhalb von Vorranggebieten Baugenehmigungen für Windkraftanlagen erlassen werden, wird die gesamte Regionalplanung ad absurdum geführt. Was ist dann der monate- bis jahrelange Planungsprozess überhaupt noch wert?“, fragt Helmut Beran.

Im Fall der Windkraftplanung Schwarzer Berg hat der LBV frühzeitig – sowohl mündlich als auch schriftlich – gegenüber der Genehmigungsstelle am Landratsamt Schwandorf sehr deutlich auf die naturschutzfachlichen Konflikte hingewiesen und auf eine Beteiligung am Verfahren gedrängt. „Der LBV wurde weder am Verfahren beteiligt, noch wurden unsere Kritikpunkte an der Planung aufgegriffen“, bemängelt der LBV-Geschäftsführer.

Der Naturschutzverband befürwortet grundsätzlich den Ausbau der Windkraft als flächen- und energieeffizienteste Form der erneuerbaren Energiegewinnung. Voraussetzung ist jedoch eine sorgfältige Standortwahl, damit der Ausbau nicht zu einer weiteren Gefährdung ohnehin bedrohter Vogel- und Fledermausarten oder wertvoller Lebensräume führt. Werden diese naturschutzfachlichen Kriterien berücksichtigt, gibt es aus Sicht des LBV in der Region durchaus genügend geeignete Gebiete für die Windenergie.

Weitere Informationen zum Thema Windkraft und Naturschutz finden sich online in den FAQs unter http://lbv.de/faq-windkraft sowie im LBV-Positionspapier Windenergie.

 

Presseinformation 13-26
 
Zum Teich statt unter die Räder: Jetzt ehrenamtlich Kröten retten
Vorbereitungen für die Amphibienwanderung laufen beim LBV auf Hochtouren – Kröten, Frösche und Molche sind bald in Bayern unterwegs
 

 

Hilpoltstein, 23.02.2026 – Mindestens 6°C in der Nacht und Regen sind der Startschuss für die alljährliche Wanderung der Amphibien in Bayern zu ihren Laichgewässern. Die Vorbereitungen für die große Amphibienwanderung laufen bei den Aktiven des bayerischen Naturschutzverbands LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) schon auf Hochtouren, damit Teichmolche, Springfrösche und Erdkröten ihre Laichgewässer wieder möglichst gefahrlos erreichen können. „In ganz Bayern sind zahlreiche LBV-Ehrenamtliche dabei, Schutzzäune entlang von Straßen aufzustellen oder instand zu setzen“, so LBV-Amphibienexperte Dr. Andreas von Lindeiner. Dennoch werden im Freistaat noch helfende Hände gesucht. Vor allem während der Wanderung bis etwa Mitte April ist tatkräftiges Engagement bei der Kontrolle der Zäune sehr willkommen.
Mit zunehmender Tageslänge, hoher Luftfeuchtigkeit und steigenden Temperaturen, vor allem nachts, ist mit den ersten wandernden Amphibien im Tiefland zu rechnen. „Gras- und Springfrösche sowie Teich- und Bergmolche sind dann die ersten, die sich auf die Wanderung begeben. Erdkröten brauchen allerdings noch etwas Zeit“, so der LBV-Amphibienexperte. Sobald die Temperaturen insgesamt noch milder werden, erwachen aber auch sie aus ihrer Winterstarre und machen sich auf den Weg zu ihren Fortpflanzungsgewässern. An einem naturnahen Gewässer können durchaus mehr als 1.000 Erdkröten gemeinsam beim Laichgeschäft beobachtet werden.

Viele LBV-Gruppen stellen mobile Krötenzäune auf, um Amphibien an besonderen Gefährdungsstellen vor dem Straßentod zu retten. Unter anderem engagieren sich hier die LBV-Kreisgruppen in Fürstenfeldbruck, Landsberg am Lech, Weißenburg-Gunzenhausen, Cham und Berchtesgadener Land. Insgesamt betreuen LBV-Aktive mehrere Hundert Krötenzaunanlagen in Bayern. „Sobald die Zäune stehen, kontrollieren die Krötenschützer diese jeden Tag, am besten am frühen Abend und am frühen Morgen. Befinden sich Amphibien in den Eimern, werden diese in Transporteimern sicher über die Straße getragen. Meist werden dabei Art, Geschlecht und Anzahl dokumentiert“, erklärt Andreas von Lindeiner.

Aktiv im Amphibienschutz
Wer beim Krötenretten mitmachen möchte, kann sich dazu an die örtliche LBV-Gruppe wenden. Vorkenntnisse sind nicht zwingend nötig. Wie die Hilfe funktioniert, wie man die Tiere richtig anfasst, welche Hygienevorschriften zu beachten sind und wie man Grasfrösche von Springfröschen, Bergmolche von Teichmolchen oder Männchen und Weibchen unterscheidet, ist schnell gelernt.
Die Kontakte zu den LBV-Kreisgruppen finden sich unter www.lbv.de/lbv-vor-ort

 

Presseinformation 12-26
 
Gärtnern mit Verantwortung: Heckenschnitt nur noch bis Ende Februar erlaubt
Schnittarbeiten im öffentlichen Raum und im Garten ab 1. März verboten – LBV informiert: Brutzeit beginnt
 

 

Hilpoltstein, 13.02.2026 – Noch ist es draußen vielerorts kalt und ungemütlich, doch der Frühling steht bereits in den Startlöchern. Dann geht es auch in der Vogelwelt wieder rund und die Brutzeit beginnt. Um die Tiere in dieser sensiblen Phase nicht zu stören, ruft der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) in Erinnerung, dass ab 1. März der radikale Rückschnitt von Hecken, Gebüschen und Gehölzen verboten ist. Wer noch größere Gehölzschnitte vornehmen möchte, sollte das deshalb möglichst schnell tun. "Die gesetzliche Regelung zum Heckenschnitt leistet einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Wildtieren: Im dichten Gestrüpp nisten und brüten viele Singvögel wie Amsel, Rotkehlchen, Gartengrasmücke und Heckenbraunelle. Zudem sind naturnahe Hecken auch ein wichtiger Lebensraum für andere Tiere wie Igel, Spitzmäuse, Erdkröten oder Blindschleichen", erklärt die LBV-Biologin Dr. Angelika Nelson.
Die beste Zeit für die Pflege von Hecken ist zur Vegetationsruhe von Oktober bis Februar, bevor im März bereits die ersten Vögel zu brüten beginnen. "Wenn die Hecke während der Brutzeit geschnitten wird, sind die Jungvögel aufgrund fehlender Zweige nicht mehr geschützt und so leichte Beute für Fressfeinde. Außerdem finden die Altvögel keine sicheren Schlafplätze und auch Insekten, die in einer dichtgewachsenen Hecke leben, fehlen dann als wichtige Nahrungsquelle", betont Angelika Nelson.

Zum Schutz der Natur schreibt der Gesetzgeber vor, dass Hecken im öffentlichen Raum sowie in privaten Gärten zwischen dem 1. März und dem 30. September nicht radikal geschnitten werden dürfen. "Kleine Verschönerungen an der Hecke – sogenannte leichte Form- und Pflegeschnitte – sind in diesem Zeitraum in Ordnung. Aber mit Vorsicht. Dabei ist es wichtig, vorher zu überprüfen, ob und wo Vögel in dem Gebüsch brüten und ob kleine Säugetiere sich dort Futtervorräte angelegt haben", so die LBV-Biologin.

Optimale Heckenpflege
Damit naturnah angelegte Hecken alle Funktionen als Sichtschutz und Lebensraum für Tiere erfüllen, sollten sie gepflegt werden. Darunter versteht man eine Verjüngung der Hecke. Denn überaltern die Hecken, tragen sie kaum mehr Früchte, werden innen kahl oder sterben ab. Für eine fachgerechte Pflege wird die Hecke in Abschnitten knapp über dem Boden gekürzt. Wichtig ist, dass eine Heckenreihe nicht komplett entfernt wird, sondern dass jeweils im Wechsel Heckenabschnitte stehen bleiben, die Tieren Lebensraum bieten. "Nicht fachgerecht ist auch der Einsatz von Geräten, die Äste und Zweige nicht sauber abschneiden, sondern regelrecht zerfetzen. Das schadet den Sträuchern", erklärt die LBV-Biologin.

Gartenabfälle korrekt entsorgen

Um der Natur nicht zu schaden, sollten Gartenbesitzende außerdem einige Regeln bei der Entsorgung des Schnittguts beachten. Gartenabfälle im Wald oder an anderen Orten in der Landschaft zu entsorgen ist nicht nur illegal, sondern führt in manchen Fällen auch zu biologischen Problemen. "So können unter anderem gebietsfremde Pflanzen in das bestehende Ökosystem gelangen und heimische Arten verdrängen. Wer sich im Frühling an Maiglöckchen, Buschwindröschen oder Schlüsselblumen am Waldrand erfreut, sollte sich bewusst sein, dass schon eine geringe Menge hier abgelagerter Gartenabfälle diese Vielfalt zerstören kann", erklärt Angelika Nelson. Der LBV appelliert außerdem an die Bürgerinnen und Bürger, die Gartenabfälle unter keinen Umständen offen zu verbrennen. Beim Verbrennungsprozess im Garten werden sehr viele Schadstoffe und Feinstaub freigesetzt.

"Wir empfehlen den Grünschnitt auf dem Kompost im eigenen Garten zu entsorgen, denn in den vermeintlichen Abfällen sind wertvolle Nährstoffe gespeichert, die so in den Garten zurückgeführt werden. Auch die Anlage einer Benjes-Hecke – dabei werden Zweige, Äste und Gehölzmaterial locker aufeinandergeschichtet – ist eine gute Option", so die LBV-Expertin. Überschüssige Gartenabfälle können bei kommunalen Grüngut-Annahmestellen kostenlos abgegeben werden, vielerorts ist auch die Entsorgung in der Biomülltonne möglich. Dabei ist es wichtig, auf lokale Regelungen zu achten.

Weitere Informationen unter http://www.lbv.de/hecken.

 

Presseinformation 11-26
 
Schlehe statt Schnittrose: So hilft der Valentinstag der Artenvielfalt
LBV gibt Tipps für einen naturnahen Tag der Liebe – Vögel, Insekten und kleine Säugetiere freuen sich über Holunder, Weißdorn und Kornelkirsche
 

 

Hilpoltstein, 12.02.2026 – Am Valentinstag werden sich Verliebte in Bayern wieder zahllose Blumensträuße und Topfpflanzen schenken. Für die Natur ist das allerdings keine Liebeserklärung. Denn die Produktion und der Export von Schnittblumen und Topfpflanzen belastet die Umwelt stark. Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) gibt Tipps für nachhaltige Alternativen direkt aus der Region. „Holunder, Schlehe und Kornelkirsche sind blütenreiche Sträucher, mit denen man nicht nur seinem Herzblatt, sondern auch der Natur eine Freude machen kann. Statt kurzlebige Schnittblumen zu verschenken, ist es ein viel schöneres Zeichen der Zuneigung, zum Valentinstag gemeinsam einen Strauch in den Garten oder auf den Balkon zu pflanzen. Das perfekte Symbol für jahrelange Liebe“, sagt die LBV-Bildungsreferentin Marie Radicke.
Ein Großteil der in Bayern angebotenen Schnittblumen stammt aus Übersee. In Ländern wie Kenia oder Kolumbien werden sie mit massivem Pestizideinsatz herangezogen und dann unter großem CO2-Ausstoß weltweit exportiert. Ware aus Europa, wie zum Beispiel den Niederlanden, ist keineswegs nachhaltiger, weil für die Beheizung der Gewächshäuser viel Energie benötigt wird. Auch Topfpflanzen haben oft keine gute Öko-Bilanz. „Primeln oder Hyazinthen im Töpfchen enthalten meist immer noch torfhaltige Erde. Um Torf für den Gartenbau zu gewinnen, werden großflächig Moore zerstört. Diese Ökosysteme sind nicht nur wichtiger Lebensraum für gefährdete Arten, sondern speichern sehr große Mengen an Kohlenstoff. Das macht sie unverzichtbar in Zeiten der Klimakrise“, erläutert Marie Radicke.

Heimische Wildsträucher können bei frostfreiem Wetter den ganzen Winter über in die Erde gesetzt werden. „Für kleinere Gärten eignen sich zum Beispiel Gewöhnliche Felsenbirne, Kornelkirsche oder Wildrosen hervorragend. Ist im Garten etwas mehr Platz, gedeihen dort Weißdorn oder Salweide, die eine wichtige Nahrungsquelle für tierische Gartenbewohner sind“, sagt die LBV-Expertin. Die Beeren des Weißdorns werden von über 30 verschiedenen Vogelarten gefressen und seine weißen Blüten versorgen viele Insekten mit Nektar. Die Salweide lockt viele Schmetterlinge wie den kleinen Fuchs und das Tagpfauenauge an. Diese Falter wiederum sind die optimale Futterquelle für Fledermäuse. Heimische Sträucher bieten neben Nahrung auch Unterschlupf und Nistplätze für viele Tiere.

Liebe geht durch den Magen
Mit Wildsträuchern holen sich Verliebte auch kulinarische Köstlichkeiten in den Garten. „Die Früchte vieler Sträucher sind nicht nur lecker, sondern auch besonders reich an Vitaminen und Mineralstoffen. Aus ihnen lassen sich im Spätsommer und im Herbst Marmeladen, Sirup, Tee oder Liköre herstellen“, so Marie Radicke. Das Versprechen auf die gemeinsame Zubereitung einer Felsenbirnenmarmelade, eines Holundersirup oder eines Schlehenlikörs rundet das Valentinsgeschenk perfekt ab.

 

Staatsregierung will auf Zwischenzeugnisse verzichten
Trägerkreis fordert Leistungsnachweise im Naturschutz beizubehalten – Koalition will sich um Berichte drücken
 

 

Hilpoltstein/München, 11.02.2026 – Zeitgleich zum siebten Jahrestag, an dem 2019 1,7 Millionen Menschen mit ihrer Unterschrift das Volksbegehren Artenvielfalt – „Rettet die Bienen!“ zum Erfolg führten, erhalten auch Bayerns Schülerinnen und Schüler ihre Zwischenzeugnisse. Wenn es um deren Leistungen geht, verlässt sich der Freistaat nicht auf den guten Willen oder Selbsteinschätzungen: Es zählen ausschließlich überprüfbare Leistungsnachweise. Geht es jedoch um die eigene Leistung bei der Umsetzung des Volksbegehrens, legt die Staatsregierung offenbar andere Maßstäbe an. Aktuell befindet sich das sogenannte vierte Modernisierungsgesetz in der parlamentarischen Beratung. Es sieht vor, zentrale Berichtspflichten zur Umsetzung des Volksbegehrens, darunter die Berichte zum Biolandbau, zum Biotopverbund und zur Lage der Natur, zu streichen. Der Trägerkreis des Volksbegehrens aus ÖDP, LBV, Bündnis 90/Die Grünen und Gregor Louisoder Umweltstiftung (GLUS) fordert die Staatsregierung daher auf, die Umsetzung der beschlossenen Ziele auch weiterhin mit Engagement und Transparenz voranzutreiben. Dazu gehört auch ein ordnungsgemäßer Leistungsnachweis, der durch die regelmäßig zu erstellenden Berichte bisher gewährleistet ist.
Dr. Norbert Schäffer, LBV-Vorsitzender:
„Während tausende Schülerinnen und Schüler in Bayern am Freitag eine eindeutige Bewertung ihrer schulischen Leistungen erhalten, möchte sich die Staatsregierung offenbar lieber nicht mehr so genau auf die Finger schauen lassen. Mit dem sogenannten 4. Modernisierungsgesetz will sie nämlich drei zentrale Berichte zur Umsetzung des Volksbegehrens streichen. Aber klar ist auch: Ohne Daten und genaue Kenntnis des Zustands von Artenvielfalt und Lebensräumen können wir diese nicht ernsthaft schützen. Die Staatsregierung darf sich deshalb nicht vor einem Zwischenzeugnis drücken!“

Agnes Becker, Beauftragte des Volksbegehrens und ÖDP-Landesvorsitzende:
„Die Biolandwirtschaft in Bayern wächst zu langsam, um das Ziel von 30 Prozent Biolandwirtschaft bis zum Jahr 2030 zu erreichen. Und das, obwohl die private Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln immer weiter steigt. Frau Ministerin Kanbier kann sich nicht länger hinter dem fadenscheinigen Argument verstecken, dass die Politik ja alles tue, aber der Verbraucher nicht möchte. Die Politik tut bei Weitem nicht alles. Auch nach sieben Jahren fehlt immer noch eine verbindliche Bioquote beim Lebensmitteleinkauf der öffentlichen Hand. Wie notwendig das ist, zeigt auch der Bericht zum Biolandbau. Den streichen zu wollen, weil das Ergebnis nicht passt, ist peinlich.“

Ludwig Hartmann, Vizepräsident des Bayerischen Landtags (Bündnis 90/Die Grünen):
„Die jährlichen Berichte zum Biotopverbund sind kein bürokratischer Ballast. Sie sind vielmehr der einzige belastbare Nachweis dafür, ob der Aufbau eines echten bayerischen Biotopverbunds überhaupt vorankommt. Der aktuelle Bericht zeigt jedoch, dass die vermeintlich positiven Zahlen teilweise durch rechnerische Kunstgriffe entstehen und nicht, weil sich die Landschaft tatsächlich verbessert hätte. So wurden zuletzt zusätzliche Kategorien wie Randstreifen an Gewässern dritter Ordnung ohne ausreichende Qualitätskriterien einbezogen. Genau deshalb muss die Wirksamkeit der Maßnahmen überprüfbar bleiben. Transparenz ist für eine demokratische Gesellschaft unverzichtbar.“

Claus Obermeier, Vorstand der Gregor Louisoder Umweltstiftung (GLUS):
„Die IUCN (International Union for Conservation of Nature) schätzt, dass fast ein Drittel aller erfassten Arten vom Aussterben bedroht ist. Das ist das Ergebnis der jüngsten Aktualisierung der ‚Roten Liste‘, die im vergangenen Herbst veröffentlicht wurde. Auch in Deutschland befindet sich mehr als die Hälfte der Lebensräume in einem ungünstigen Zustand. Ein Drittel aller Arten ist gefährdet, wie der ‚Faktencheck Artenvielfalt‘ 2024 gezeigt hat. Wir brauchen auch für Bayern eine klare Analyse über den Zustand von Arten und Lebensräumen, um das Artensterben endlich aufzuhalten. Der ‚Bericht zur Lage der Natur‘, der mit dem Volksbegehren festgeschrieben wurde, bietet hier eine unverzichtbare Grundlage und muss unbedingt beibehalten werden.“

 

Preisverleihung des 19. Fotowettbewerbs „Natur im Fokus“ für Kinder und Jugendliche aus Bayern durch Staatsminister Glauber
 

 

Bayerns Natur aus jungen Blickwinkeln: In einer feierlichen Preisverleihung hat Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber am Montag, 9. Februar 2026, die Gewinnerinnen und Gewinner des Fotowettbewerbs „Natur im Fokus 2025“ im Museum Mensch und Natur in München ausgezeichnet. Aus rund 1.100 eingereichten Fotografien setzten sich die prämierten Aufnahmen durch und zeigen die beeindruckende Vielfalt der bayerischen Natur aus der Perspektive junger Menschen. Mit dem Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e. V. (LBV) als starkem Partner soll der Wettbewerb auch künftig Kinder und Jugendliche für Naturbeobachtung und Naturschutz begeistern.

Unter dem Motto „Schau doch mal hin! – Mit der Kamera auf Entdeckungsreise in Bayerns Natur“ lud die 19. Auflage von „Natur im Fokus“ Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 18 Jahren ein, ihre Umwelt bewusst wahrzunehmen und fotografisch festzuhalten. Im Wettbewerbsjahr 2025 beteiligten sich über 500 junge Naturfotografinnen und -fotografen aus allen Regionen Bayerns und reichten über 1.100 Bilder ein.
Der Wettbewerb wurde 2007 vom Museum Mensch und Natur, einer Einrichtung der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB), initiiert und wird seit 2010 gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz ausgerichtet. Seit 2023 ergänzt der Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e. V. gemeinsam mit der Naturschutzjugend im LBV das starke Netzwerk.

Feierliche Preisverleihung im Museum Mensch und Natur: 23 Auszeichnungen
Die von einer Fachjury ausgewählten stolzen Gewinnerinnen und Gewinner wurden im Rahmen der festlichen Veranstaltung von Umweltminister Thorsten Glauber geehrt.

Der Minister zeigte sich beeindruckt von der Qualität und Ausdruckskraft der Arbeiten und würdigte das Engagement sowie die kreative Leistung der jungen Talente:

"Bayerns Natur ist großartig – vom kleinsten Detail bis zum imposanten Panorama hält sie eine unglaubliche Vielfalt wunderbarer und sehenswerter Motive bereit. Jedes Jahr lädt der Fotowettbewerb 'Natur im Fokus' Kinder und Jugendliche ein, in die heimische Natur auszuschwärmen, Besonderes zu entdecken, zu beobachten und mit der Kamera festzuhalten. Es ist immer wieder eine große Freude zu sehen, wieviel Ausdauer, Geduld und Gespür für den perfekten Augenblick in den eingereichten Fotos steckt. Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern gilt mein Dank für ihr Können und ihr Interesse. Auch die heute ausgezeichneten Bilder werden mit einer Sonderausstellung durch Bayern touren. Sie tragen dazu bei, die Wertschätzung und Begeisterung für die Schönheit und Einzigartigkeit unserer bayerischen Natur in all ihren Facetten zu wecken und zu fördern."

Neben Minister Glauber nahmen unter anderem der Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns, Prof. Dr. Jörg Overmann, sowie der Vorsitzende des Landesbunds für Vogel und Naturschutz in Bayern e. V., Dr. Norbert Schäffer an der Preisverleihung teil.

Auch Prof. Dr. Jörg Overmann, Generaldirektor der SNSB, zeigte sich beeindruckt:

"Der Fotowettbewerb Natur im Fokus beweist erneut, wie neugierig Kinder und Jugendliche nach draußen gehen und die Natur mit wachem, offenem, ja fast schon forschendem Blick beobachten. Ich bin begeistert von den zahlreichen Einsendungen und so vielen beeindruckenden Aufnahmen: die außergewöhnlichen Motive, die spannenden Perspektiven und die Freude am Entdecken. Damit tragen die Fotos auch zu unserem Verständnis der Vielfalt des Lebens bei - einem hochaktuellen Thema, dem sich die SNSB mit ihren Sammlungen, Forschungsarbeiten und Museen tagtäglich widmen."

Neben dem Umweltminister und Professor Overmann würdigten auch Dr. Norbert Schäffer, Vorsitzender des LBV, Museumsleiter Dr. Michael Apel, Dorothea Böhm vom Verein der Freunde und Förderer des Museums Mensch und Natur e. V., Prinzessin Dr. Auguste von Bayern vom Förderkreis BIOTOPIA – Naturkundemuseum Bayern e. V., Dr. Gabi Haus vom Landesverband der Kinder- und Jugendärzte in Bayern sowie Larissa Gmeinwieser vom Bayerischen Sparkassenverband die herausragenden Leistungen der jungen Talente.

18 Preisträgerinnen und Preisträger aus ganz Bayern
Die glücklichen Preisträgerinnen und Preisträger kamen auch in diesem Jahr wieder aus ganz unterschiedlichen Teilen Bayerns. Die insgesamt 23 Preise gingen an 18 Kinder und Jugendliche, da ein Teilnehmer gleich doppelt und zwei Teilnehmer sogar dreifach ausgezeichnet wurden. In der jüngsten Altersklasse 7-10 Jahre gewann der 10-jährige Leo Brenner aus Benediktbeuern die Kategorie A, „Magie der Farben“.
Anni Frauendorfer (10 Jahre) aus Schwarzenfeld konnte die Kategorie B, „Mensch und Natur“, für sich entscheiden.
Gleich beide Preise in der mittleren Altersklasse 11-14 Jahre holte sich Gustav Wörle (12 Jahre) aus Würzburg. In der Altersklasse 15-18 Jahre wurde Raphael Christoph (18 Jahre) aus Gauting auch doppelt mit dem ersten Platz ausgezeichnet.

Dr. Michael Apel, Leiter des Museums Mensch und Natur und selbst Teil der Jury, zeigte sich erneut begeistert:

"Es ist jedes Mal aufs Neue faszinierend zu sehen, wie die jungen Fotografinnen und Fotografen ihren ganz persönlichen Blick auf die Natur in ihren Bildern festhalten und uns an ihrer Sicht teilhaben lassen. Wir sind einmal mehr begeistert und beeindruckt von der Vielfalt, Kreativität und Tiefe der eingereichten Bilder!"

Preise als Motivation und Anerkennung
Die Erstplatzierten erwartet als Hauptpreis ein Naturerlebniswochenende im Wildniscamp am Falkenstein im Nationalpark Bayerischer Wald, einschließlich eines Fotoseminars mit dem Naturfotografen Ingo Zahlheimer. Die Zweitplatzierten erhalten ein eintägiges Fotoseminar mit dem Naturfotografen Dr. Ferry Böhme im Museum Mensch und Natur sowie Bildbände des Verlags J. Berg. Die Drittplatzierten werden mit einem Jahresabonnement der Zeitschrift natur ausgezeichnet.
Darüber hinaus erhalten alle Preisträgerinnen und Preisträger hochwertige Naturfotografie-Bildbände des Knesebeck Verlags sowie Bayern-Tickets der DB Regio Bayern. Sonderpreise für besondere fotografische oder kreative Leistungen vergaben unter anderem der Sparkassenverband Bayern, der Verein der Freunde und Förderer des Museums Mensch und Natur e. V., der Förderkreis BIOTOPIA – Naturkundemuseum Bayern e. V., PaedNetz Bayern sowie der Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e. V.

LBV als starker Partner für Natur- und Umweltbildung
Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz mit der Naturschutzjugend im LBV ist auch in diesem Jahr Partner des Wettbewerbs. Die Zusammenarbeit soll in den kommenden Jahren weiter vertieft werden, um noch mehr junge Menschen für Natur und Naturschutz zu begeistern.

Dr. Norbert Schäffer, Vorsitzender des LBV, erklärte:

"Herzlichen Glückwunsch an die naturbegeisterten Fotografinnen und Fotografen, die solche beeindruckenden und teils seltenen Naturmomente festgehalten haben. Die Bilder machen sichtbar, mit welcher Achtsamkeit Kinder und Jugendliche ihre Umwelt wahrnehmen und inspirieren hoffentlich viele Menschen zum Schutz unserer Artenvielfalt."


Wanderausstellung „Natur im Fokus on Tour“
Die Preisverleihung markierte zugleich den Auftakt der Wanderausstellung „Natur im Fokus on Tour“. Ab Mitte Februar 2026 werden die ausgezeichneten Bilder in drei identischen Ausstellungen durch Umweltbildungseinrichtungen in ganz Bayern reisen.
Weitere Informationen zum Wettbewerb und zu den Ausstellungsterminen finden sich unter:
www.natur-im-fokus.bayern.de
Der Fotowettbewerb und die Ausstellungstour werden unter anderem unterstützt vom Sparkassenverband Bayern, dem Verein der Freunde und Förderer des Museums Mensch und Natur, dem Förderkreis BIOTOPIA – Naturkundemuseum Bayern e. V., DB Regio Bayern, der Zeitschrift natur, dem Knesebeck Verlag, der Hofpfisterei München, dem Landesverband der Kinder- und Jugendärzte in Bayern sowie dem Münchner Merkur und dem Münchner Fenster.

 

Presseinformation 10-26
 
Zimmer gesucht: Jetzt Vogelfamilien ein Zuhause bieten
Das Einmaleins der Nistkästen: LBV gibt Tipps zur Auswahl, Platzierung und Pflege
 

 

Hilpoltstein, 10.02.2026 – Die Tage werden länger und die bayerische Tierwelt beginnt sich auf das nahende Frühjahr vorzubereiten. Wer aufmerksam ist, hört bereits vermehrt den Gesang von Gartenvögeln wie Kohl- und Blaumeise, Amsel oder Grünfink. Lautstark stecken die Männchen ihr Revier ab und versuchen eine Vogeldame anzulocken. Die ersten Vogelpaare halten auch schon Ausschau nach geeigneten Brutplätzen. Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) weist deshalb daraufhin, dass jetzt die passende Zeit ist, um noch Nistkästen aufzuhängen. „Auch in der Vogelwelt ist der Wohnungsmarkt angespannt“, erklärt die LBV-Biologin Dr. Angelika Nelson. „Naturhöhlen in alten, morschen Bäumen oder geeignete Brutnischen an Gebäuden sind oft rar.“ Mit passenden Nisthilfen kann jede und jeder den gefiederten Gästen unter die Flügel greifen und sich zudem auf faszinierende Naturbeobachtungen im Garten oder auf dem Balkon freuen.
Verschiedene Vogelarten haben unterschiedliche Ansprüche an einen Nistplatz. „Wer beispielsweise Hausrotschwanz oder Rotkehlchen unterstützen möchte, sollte auf Halbhöhlennistkästen setzen“, erklärt die LBV-Biologin. „Vögel, die in der Natur Mauerspalten, Balken oder Dachvorsprünge zum Nestbau nutzen, nehmen diese halb offene Nistkästen gerne an.” Auch Bachstelze oder Grauschnäpper beziehen die Nistkästen, wenn sie sie ungehindert anfliegen können. Der Kasten sollte in der Nähe zu offenen Flächen wie Wiesen hängen, auf denen diese Arten Insekten fangen können.

Klassische Höhlenbrüterkästen mit einem einzelnen Einflugloch werden gerne von verschiedenen Meisenarten, Feld- und Haussperling, Star oder Kleiber angenommen. „Um unterschiedlichen Arten Wohnraum zu bieten, ist es sinnvoll, Kästen mit verschieden großen Einfluglöchern aufzuhängen. Denn ein Star braucht ein größeres Loch als eine Kohl- oder Blaumeise“, weiß Angelika Nelson. Einige Vögel wie Spatzen brüten außerdem in Kolonien. Sie nehmen Nisthilfen nur an, wenn mehrere davon nebeneinander hängen.

Ein sichereres Zuhause für den Nachwuchs
Damit Vögel sicher brüten können, spielt auch die richtige Platzierung des Nistkastens eine entscheidende Rolle. Der Kasten sollte für die meisten Arten in einer Höhe von 1,5 bis drei Metern und mit der Einflugöffnung nach Osten oder Südosten hängen, damit sich der Innenraum nicht zu sehr aufheizt. Außerdem muss er gut befestigt sein, so dass er auch Sturm und Gewitter standhält. „Um die Brut vor Fressfeinden wie Katzen oder Mardern zu schützen ist es empfehlenswert, Dornenranken, zum Beispiel von Wildrose oder Schlehe, unterhalb des Nistkastens anzubringen. Man kann sie um den Baumstamm, an dem der Kasten angebracht ist, legen. So können Nesträuber nicht hinaufklettern“, erklärt die LBV-Ornithologin. Auch der Abstand zu Gebäudedächern oder Ästen sollte groß genug sein, damit Nesträuber nicht von oben auf den Kasten springen können. Ein Metallring um das Einflugloch kann außerdem Spechte daran hindern, die Öffnung größer zu hacken und so an die Brut zu gelangen. Einen weiteren Schutz vor Eichhörnchen und Mardern bieten spezielle Vorbauten.

Auch für die Reinigung bereits bestehender Kästen ist es jetzt höchste Zeit. Altes Nistmaterial kann Parasiten beherbergen und sollte entfernt werden. Chemische Reinigungsmittel dürfen nicht verwendet werden, Bürste und Wasser genügen. „Wer es in den kommenden Tagen nicht schafft, die Nistkästen zu säubern, sollte die Vögel dann lieber nicht mehr stören“, meint Angelika Nelson.

Mehr als nur ein Dach über dem Kopf: Garten naturnah gestalten
Der beste Nistkasten hilft nichts, wenn das Umfeld nicht passt. Vögel brauchen auch Nahrung und Versteckmöglichkeiten. Ein naturnaher Garten mit vielen Insekten, wilden Ecken, Stauden und Sträuchern erhöht die Wahrscheinlichkeit auf voll belegte Nistkästen. „Schon ein paar heimische Wildstauden wie Flockenblume, Disteln, Wegwarte oder Königskerze können einen großen Effekt haben. Diese können auch auf dem Balkon angepflanzt werden und sind zudem schön anzusehen“, sagt die LBV-Expertin.

Kostenloser Online-Kurs und Bauanleitungen für Nistkästen
Der LBV bietet wissenswerte Informationen zu Nistkästen in einem kostenlosen Online-Kurs an. Jederzeit buchbar können Anfänger und Fortgeschrittene in nur 30 Minuten das Wichtigste zu Nistkastentypen, Reinigung und Anbringung lernen. Bauanleitungen, ein kostenloses Faltblatt und viele weitere Informationen zu Nistkästen gibt es unter www.lbv.de/nistkasten. Wer es nicht mehr schafft, selbst eine Nisthilfe zu bauen, kann auf ein breites Angebot und Beratung im LBV-Naturshop zurückgreifen.

 

Presseinformation 09-26
 
Wenn Rebhühner flirten: Balzzeit beim Vogel des Jahres beginnt
Jahresvogel 2026 geht ab Mitte Februar auf Brautschau – Blüh- und Brachflächen sind essenziell für erfolgreiche Brut
 

 

Hilpoltstein, 09.02.2026 – "Kirräck": Der Vogel des Jahres 2026 ist auf Partnersuche und lässt ab Mitte Februar in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden seinen rauen Revierruf ertönen. "Wer in den kommenden Tagen und Wochen ein scharrendes "Kirräck" beim Spaziergehen in der Dämmerung hört, kann sich glücklich schätzen. Denn das Rebhuhn ist in Bayern selten geworden", weiß die LBV-Biologin Dr. Angelika Nelson. Eine erfolgreiche Brut ist deshalb sehr wichtig für den scheuen Hühnervogel. Dazu braucht er eine strukturreiche Landschaft mit Brach- und Blühflächen. Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel und Naturschutz) fordert deshalb, dass Förderprogramme ausgebaut und erweitert werden, die diese Entwicklung zum Ziel haben.

Mit ihrem charakteristischen, rauen Revierruf machen die Männchen auf sich aufmerksam. Haben sich Hahn und Henne gefunden, bleiben sie sich nach einer ausgedehnten Kennenlernphase oft ein – wenn auch eher kurzes – Leben lang treu. Erst im Mai kommt es zur Paarung. Kurz darauf legt die Rebhenne bis zu 20 Eier. Bis das Gelege vollständig ist, können mehrere Wochen vergehen. Anschließend brütet die Henne 24 bis 25 Tage lang gut verborgen in dichter Vegetation – stets wachsam auf der Hut vor Nesträubern wie dem Fuchs.

Damit Rebhühner ihren Nachwuchs erfolgreich großziehen können, sind sie auf strukturreiche Lebensräume angewiesen. Entscheidend ist eine vielfältige Landschaft mit einem Mosaik aus Feldern, Wiesen, Hecken, Blühflächen und Brachen. Allerdings hat die EU eine Vorgabe zurückgenommen, die die Landwirtschaft verpflichtet hatte, mindestens vier Prozent der Ackerfläche brach liegen zu lassen. "Es muss dringend mehr Lebensraum durch Brach- und Blühflächen sowie Gehölze in der Agrarlandschaft geschaffen werden", sagt Angelika Nelson. Dazu müssen die zuständigen Ministerien Förderprogramme ausbauen und bessere Anreize für Landwirtinnen und Landwirte schaffen. "Davon profitiert nicht nur die Artenvielfalt, sondern auch wir Menschen. Denn eine vielfältige, lebendige Landschaft bietet Raum für Naturerleben und Erholung."

Wer selbst dazu beitragen möchte, die Situation des Jahresvogels 2026 zu verbessern, kann schon beim nächsten Einkauf ansetzen. "Der Kauf von Bio-Produkten unterstützt eine naturverträglichere Landwirtschaft mit weniger Pestizideinsatz. Davon profitieren das Rebhuhn und viele andere Feldvögel", erklärt die LBV-Biologin.

Ein wichtiger Baustein für den Schutz des Rebhuhns ist außerdem das Wissen um aktuelle Vorkommen und Bestände. Der LBV engagiert sich deshalb als Partner des Dachverbands Deutscher Avifaunisten bei der Kartierung von Rebhühnern im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel (MsB). Die nächste Erfassungsperiode findet während der Balz von Mitte Februar bis Mitte März statt. Die Erfassung von Rebhühnern eignet sich auch für den Einstieg ins Vogelmonitoring, da der Fokus auf einer Art liegt und die Mitarbeit nur wenig Zeit erfordert. Mehr Infos zum Brutbestandsmonitoring Rebhuhn: www.dda-web.de/monitoring/msb/module/rebhuhn

 

Preisverleihung des 19. Fotowettbewerbs "Natur im Fokus" für Kinder und Jugendliche aus Bayern durch Staatsminister Glauber
PRESSEINFORMATION ZUR PREISVERLEIHUNG AM 09.02.2026
 

 

München, 03.02.2026 – Am 9. Februar um 13:00 Uhr ehrt Umweltminister Thorsten Glauber im Münchener Museum Mensch und Natur die Gewinnerinnen und Gewinner des Fotowettbewerbs "Natur im Fokus". An der Preisverleihung nehmen zudem der Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB), Prof. Dr. Jörg Overmann, sowie der Vorsitzende des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz in Bayern e. V. (LBV), Dr. Norbert Schäffer, teil. Auch in diesem Jahr haben sich über 500 Kinder und Jugendliche aus ganz Bayern mit Kamera oder Smartphone auf die Suche nach außergewöhnlichen Naturmotiven begeben und an der mittlerweile 19. Wettbewerbsrunde teilgenommen. Aus mehr als 1.100 eingereichten Fotografien, die eindrucksvoll die Vielfalt der Natur im Freistaat widerspiegeln, wählte eine Fachjury die Preisträgerinnen und Preisträger aus. Ihre ausgezeichneten Bilder touren auch dieses Jahr durch Bayern

Der beliebte Nachwuchswettbewerb fand im vergangenen Jahr bereits zum 19. Mal statt und
motivierte junge Menschen im Alter von 7 bis 18 Jahren dazu, Bayerns Natur aufmerksam zu erkunden und kreativ festzuhalten. Ins Leben gerufen wurde "Natur im Fokus" 2007 vom Museum Mensch und Natur, einer Einrichtung der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns. Seit 2010 wird der Wettbewerb gemeinsam mit dem Bayerischen Umweltministerium ausgerichtet und seit 2023 ist der bayerische Naturschutzverband LBV mit seiner Naturschutzjugend NAJU Bayern ein Partner des Projekts.
Ziel von "Natur im Fokus" ist es, junge Naturfotografinnen und -fotografen zu fördern und ihr Interesse an der heimischen Tier- und Pflanzenwelt zu wecken. Dabei stehen nicht technische Perfektion oder teure Ausrüstung im Vordergrund, sondern der kreative Blick, spannende Bildkompositionen und originelle Motive.

Große Beteiligung aus ganz Bayern – Natur im Fokus erneut ein voller Erfolg

Im Wettbewerbsjahr 2025 beteiligten sich erneut über 500 Kinder und Jugendliche aus allen Regionen Bayerns und reichten insgesamt mehr als 1.100 Fotos ein. Eine Jury aus Expertinnen und Experten aus den Bereichen Fotografie, Medien und den beteiligten Projektpartnern vergab 18 Preise in zwei Kategorien und jeweils drei Altersgruppen (7–10, 11–14 und 15–18 Jahre). In der Kategorie A "Magie der Farben" waren Fotografien gefragt, die die Farbenvielfalt von Tieren
und Pflanzen sowie die beeindruckende Natur Bayerns in Szene setzen. Kategorie B widmete sich dem Thema "Mensch und Natur" und zeigte besondere Begegnungen und Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt. Darüber hinaus würdigt ein Sonderpreis des Partners LBV das Erkennen der fotografierten Tier- und Pflanzenarten. Weitere Sonderpreise werden vom Verein der Freunde und Förderer des Museums Mensch und Natur e.V., dem Förderkreis BIOTOPIA – Naturkundemuseum Bayern e.V., dem Sparkassenverband Bayern sowie dem PaedNetz Bayern vergeben.

Ansporn und Anerkennung: Attraktive Preise für junge Fototalente
Auf die Erstplatzierten jeder Kategorie und Altersgruppe wartet ein besonderes Highlight: ein Naturerlebniswochenende im Wildniscamp am Falkenstein im Nationalpark Bayerischer Wald, inklusive eines Fotoseminars mit dem Naturfotografen Ingo Zahlheimer. Die Zweitplatzierten erhalten ein eintägiges Fotoseminar mit dem Naturfotografen Dr. Ferry Böhme im Museum Mensch und Natur, während sich die Drittplatzierten über ein Jahresabonnement der Zeitschrift natur – das
Magazin für naturbewusstes Leben freuen dürfen. Zusätzlich erhalten alle Preisträgerinnen und Preisträger hochwertige Naturfotografie-Bildbände, gestiftet vom Knesebeck Verlag.

Dr. Michael Apel, Leiter des Museums Mensch und Natur und Teil der Jury:
"Genau hinschauen, bewusst wahrnehmen und einfach rausgehen – das ist es, was wir mit unserem Fotowettbewerb bewirken möchten. Natur im Fokus soll Kinder und Jugendliche für die Natur vor ihrer Haustür begeistern und ermuntern, sie zu entdecken und genauer unter die Lupe zu nehmen. So wächst nicht nur die Freude am Beobachten, sondern auch das Verständnis und die Motivation, sich für den Schutz der Natur einzusetzen."

Haluk Soyoglu
, Geschäftsführer der Jugendorganisation des LBV:
Die Vielzahl hochwertiger Aufnahmen und beeindruckender Motive hat dieses Jahr der Jury die
Entscheidungsfindung erschwert – erfreulich! Denn aus meiner Sicht ist dies ein Indiz dafür, dass
und wie "Natur im Fokus" junge Menschen zu einer Interaktion mit der Natur inspiriert und ihnen
zugleich den Raum eröffnet, bewusst Zeit in der Natur zu verbringen."

Preisverleihung und Ausstellungen "Natur im Fokus on Tour" in ganz Bayern
Am 9. Februar 2026 werden die Gewinnerinnen und Gewinner des Fotowettbewerbs "Natur im Fokus" im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung im Museum Mensch und Natur ausgezeichnet. Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber ehrt dabei die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen. Zugleich fällt mit der Veranstaltung der Startschuss für die Wanderausstellung "Natur im Fokus on Tour 2026", die ab Mitte Februar 2026 in drei Ausführungen durch kulturelle Einrichtungen in ganz Bayern tourt.

Weitere Informationen zum Wettbewerb sowie zu den Ausstellungsterminen sind unter https://www.natur-im-fokus.bayern.de/ abrufbar.

Unterstützt werden der Wettbewerb und die Ausstellungstour unter anderem vom Sparkassenverband Bayern, dem Verein der Freunde und Förderer des Museums Mensch und Natur, dem Förderkreis Biotopia – Naturkundemuseum Bayern, dem Verband der Kinder- und Jugendärzte Landesverband Bayern, PaedNetz, DB Regio, der Zeitschrift natur, dem Knesebeck Verlag, der Hofpfisterei München sowie dem Münchner Merkur und dem Münchner Fenster.

Einladung Preisverleihung
Pressevertreterinnen und -vertreter sind zur Preisverleihung herzlich eingeladen. Wir bitten um Anmeldung bis zum 6. Februar 2026 an die unten angegebenen Kontakte. Sie haben Interesse an einem Interview mit einem der Preisträger oder Preisträgerinnen? Dies ist im Rahmen der Verleihung sehr gern möglich. Bei Interesse melden Sie sich bitte im Vorfeld bei uns an. Eine Übersicht der Preisträger und Preisträgerinnen ist auf Anfrage unter der Berücksichtigung
der Sperrfrist (9. Februar 2026, 15:00 Uhr) verfügbar.

 

Presseinformation 08-26
 
Viel Schnee in Bayern: Eulen und Greifvögeln finden keine Nahrung mehr
LBV rät zu einfachen Hilfsmaßnahmen – Ställe und Scheunen für Mausejäger jetzt öffnen
 

 

Hilpoltstein, 30.01.2026 – Die starken Schneefälle der vergangenen Tage in Bayern sind nicht nur für Auto- und Bahnreisende eine große Herausforderung, sondern können auch für Eulen und Greifvögel ein ernstes Problem werden. Liegt über einen längeren Zeitraum eine dicke Schneedecke, kommen viele der Mäusejäger kaum noch an ihre Beute. „Während Vogelarten wie Mäusebussard und Turmfalke vor Kälte und Schnee in weniger winterliche Regionen flüchten können, sind die meisten Eulen Standvögel, die den ganzen Winter in ihren angestammten Revieren bleiben. Fehlen schneefreie Flächen, drohen Hunger und in strengen Wintern sogar deutliche Bestandseinbrüche“, sagt Torben Langer, Eulenexperte des bayerischen Naturschutzverbands LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz). Der LBV verrät, welche Möglichkeiten es gibt, den Eulen in dieser Jahreszeit zu helfen.
In vielen Teilen Bayerns sind in den vergangenen Tagen mehr als 30 Zentimeter Neuschnee gefallen. Im Winter fressen Eulen normalerweise Mäuse. Werden diese knapp, versuchen sie auf Vögel auszuweichen. Erfolgreich sind dabei meist nur große Arten wie der Uhu. Kleinere Eulen und Käuze haben es deutlich schwerer, zumal alternative Beute oft nicht ausreichend verfügbar ist. „Besonders Schleiereulen und Steinkäuze in Nordbayern leiden aktuell stark unter den Schneemengen, vor allem dann, wenn ihnen der Zugang zu Scheunen oder Ställen fehlt, in denen sie auch im Winter jagen könnten“, erklärt Langer.

Der LBV bittet daher Landwirtinnen und Landwirte sowie Gebäudeeigentümer in verschneiten Regionen, Eulen den Zugang zu Ställen und Scheunen zu ermöglichen. Im Inneren der Gebäude können die Vögel auch bei geschlossener Schneedecke weiter auf Mäusejagd gehen und leisten damit zugleich einen wertvollen Beitrag zur natürlichen Regulierung von Nagetieren. „Früher waren aus diesem Grund sogenannte Eulenlöcher selbstverständlich“, so der LBV-Biologe. „Wo solche Einfluglöcher heute fehlen, genügt oft schon ein geöffnetes Fenster oder ein offener Spalt im Scheunentor, um die Vögel vor dem Verhungern zu bewahren.“

Weitere Schutzmaßnahmen für Eulen
Auch andere Flächen – etwa auf dem landwirtschaftlichen Hof oder im Wald – lassen sich mit wenig Aufwand in wertvolle Nahrungsräume für Mäusejäger verwandeln. Werden einige Bereiche geräumt, entstehen schneefreie Zonen. Wer hier mit entsprechendem Futter gezielt Kleintiere anfüttert, bietet auch den Eulen eine Winternahrung. Geeignet ist eine Mischung aus Wildvogelfutter, Weizen, gefetteten Haferflocken, Karottenstücken und Meisenknödeln. Auch Strohballen erhöhen die Attraktivität dieser Flächen für Mäuse und helfen so auch den Eulen und Käuzen.

Langfristig lässt sich die Nahrungsverfügbarkeit für Eulen und Greifvögel zudem durch sogenannte Mäuseburgen erhöhen. Hierbei handelt es sich um eine Kombination aus Strohballen und Futterstelle, in der sich die Nagetiere verstecken und ansiedeln können. An einer trockenen und sonnigen Stelle fühlen sie sich besonders wohl. Profitieren können Eulen und Greifvögel vor allem dann, wenn sich in der Nähe ein geeigneter Ansitz wie ein Baum oder Zaunpfahl befindet.

 

Gemeinsame Presseinformation
 
Trauriger Rekord: 30 Vögel wurden 2025 in Bayern vergiftet
LBV und GLUS ziehen Jahresbilanz im Projekt "Tatort Natur" – Illegale Verfolgung geschützter Vögel auf dem höchsten Stand seit vier Jahre
 

 

Hilpoltstein, 28.01.2026 – Vergiftet, beschossen, in Fallen gefangen: Auch 2025 wurde Bayerns Großvögeln wieder skrupellos nachgestellt. Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und die Gregor-Louisoder-Umweltstiftung (GLUS) haben vergangenes Jahr so viele Fälle von Naturschutzkriminalität dokumentiert wie seit vier Jahren nicht mehr. Insgesamt registrierten die Naturschützerinnen und Naturschützer 30 vergiftete Vögel und mehrere weitere schwere Straftaten gegen geschützte Arten. Dazu zählten unter anderem Beschüsse sowie illegale Fangmethoden. Darüber hinaus ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. "Die illegale Verfolgung geschützter Arten ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat. Dass uns im vergangenen Jahr so viele Hinweise erreicht haben, zeigt, wie aufmerksam und engagiert viele Menschen inzwischen hinschauen", sagt LBV-Projektmitarbeiterin Nicole Meier.
Insgesamt wurden 133 tote Großvögel gemeldet, bei denen zumindest ein anfänglicher Verdacht auf illegale Verfolgung bestand – fast dreimal so viele wie 2024. Ist die Todesursache des Vogels bei einer Obduktion nicht ersichtlich, wird für gewöhnlich eine toxikologische Untersuchung eingeleitet. Auf diese Weise konnten vergangenes Jahr 30 Fälle von Vergiftung nachgewiesen werden. Besonders oft griffen die Täter zu dem seit 2008 in der EU verbotenen Insektizid Carbofuran. "Das Nervengift Carbofuran wirkt bereits bei Hautkontakt und ist auch für Menschen und Haustiere gefährlich. Wenn ein Greifvogel einen damit präparierten Giftköder frisst, kommt er oft nur noch wenige Meter weit, bevor er qualvoll stirbt", erklärt Nicole Meier.

Für besonders viel Aufregung sorgte ein Fall im niederbayerischen Landkreis Dingolfing-Landau. Ende Juli wurden der Polizei dort mehrere tote Greifvögel gemeldet. Bei einer Absuche konnten insgesamt mehr als zwölf tote Vögel auf engem Raum gefunden werden, darunter Arten wie Schwarzmilan, Rotmilan und Mäusebussard. Die Tiere starben alle an Vergiftungen mit Carbofuran, wie Untersuchungen zeigten. Die Polizei ermittelt hier nach wie vor intensiv.

Ebenfalls Aufsehen erregte eine Tat im westlichen Landkreis Haßberge, wo im Oktober ein Mäusebussard mit dem verbotenen Insektizid Parathion – auch bekannt als E605 – vergiftet worden war. Parathion ist ein hochtoxisches Nervengift, das schon bei Hautkontakt zu Erbrechen, Durchfall, Atemlähmung, schweren Krämpfen oder sogar dem Tod führen kann. Im näheren Umkreis zum Fundort des Mäusebussards starben im gleichen Jahr auch mehrere Hunde, nachdem sie Symptome einer Vergiftung aufzeigten. Das Ermittlungsverfahren wurde zwischenzeitlich eingestellt.

Tauben als lebendige Köder

Neben Fleisch oder Schlachtabfällen kommen auch immer wieder sogenannte "Kamikazetauben" als Köder zum Einsatz. Die Täter streichen dabei züchterisch uninteressante Tauben mit Gift im Nacken ein und lassen sie als Köder in der Nähe ihres Schlags fliegen. Ziel solcher Taten ist es meist, Greifvögel wie Habicht oder Wanderfalke zu vergiften, in deren Natur es liegt, andere Vögel in der Luft zu jagen. Werden die Tauben nicht erbeutet, sterben sie selbst an dem Gift, welches sie langsam über die Haut aufnehmen. 2025 wurden zwei Fälle solcher Kamikazetauben registriert – im Landkreis Regensburg und im Landkreis Miesbach.

Auch fahrlässige Vergiftungen gefährden
Neben vorsätzlichen Tötungen beschäftigen die Naturschutzverbände seit Jahren auch Fälle fahrlässiger oder unbeabsichtigter Vergiftungen. So starb im März ein Gänsegeier im Unterallgäu an einer Bleivergiftung. Der seltene Vogel hatte das Schwermetall vermutlich aufgenommen, weil er Aas eines Wildtieres fraß, das mit bleihaltiger Jagdmunition beschossen worden war. Der LBV setzt sich daher seit Langem für eine flächendeckende Jagd mit bleifreier Munition ein – wie sie im bayerischen Staatswald bereits erfolgreich umgesetzt wird.

Greifvögel werden zudem immer wieder Opfer sogenannter Sekundärvergiftungen durch Rattengifte wie Brodifacoum. Ratten nehmen das Gift auf, sterben jedoch oft erst nach mehreren Tagen. In dieser Zeit können sie von Greifvögeln erbeutet werden, die sich dadurch selbst vergiften und verenden. Im Jahr 2025 traf es auf diese Weise einen Mäusebussard, einen Rotmilan und einen Uhu.

Fallen und Schüsse: Weitere Formen illegaler Verfolgung
Geschützten Vögeln wird jedoch nicht nur mit Gift nachgestellt. Täter setzen auch Fallen ein, etwa sogenannte Habichtfangkörbe, in denen häufig lebende Tauben als Lockvögel missbraucht werden. Einen solchen Fall meldete eine LBV-Aktive im niederbayerischen Landkreis Deggendorf der Polizei.

Darüber hinaus registrierten die Naturschutzverbände im Rahmen des Projekts insgesamt drei Beschüsse. Zwei Sperber in der Oberpfalz starben an Schussverletzungen. Ein Weißstorch im Unterallgäu hatte Glück: Ehrenamtliche brachten ihn rechtzeitig in eine Klinik.Projektile steckten in beiden Flügeln,einer davon war durch den Beschuss gebrochen. Nach seiner Genesung in der LBV-Vogelauffangstation
konnte der Storch erfolgreich wieder ausgewildert werden.

Sensibilisierung von Behörden und Gesellschaft bleibt essenziell
Im Rahmen des Projekts führen der LBV und die GLUS auch immer wieder Schulungen rund um Naturschutzkriminalität durch – zum Beispiel an Landratsämtern. Auch der Austausch zwischen Behörden, Ehrenamtlichen und Polizei wird bei Fachtagungen angeregt. Durch die wertvolle Aufklärungsarbeit ist das Thema in vielen Behörden mittlerweile bekannt, und die nötigen Abläufe zur Meldung und Dokumentation haben sich etabliert. Zudem gibt es inzwischen einen Handlungsleitfaden für alle Polizeibehörden in Bayern. "Die Sensibilisierung von Gesellschaft, Polizei, Staatsanwaltschaften und Behörden ist entscheidend, um bei der Strafverfolgung tatsächlich Erfolge zu erzielen. Wir hoffen, dass so zukünftig viele der Delikte aufgeklärt werden können. Bisher konnten leider nur in wenigen Fällen Tatverdächtige ausfindig gemacht werden", erklärt Franziska Baur, GLUS-Fachreferentin für Naturschutz.

 

Gemeinsames Projekt: "Naturschutzkriminalität dokumentieren und stoppen!"
Ein Großteil der Fälle von Naturschutzkriminalität bleibt ungeklärt und für die Täter folgenlos, was sich dringend ändern muss. LBV und GLUS starten deshalb 2019 das gemeinsame Projekt "Naturschutzkriminalität dokumentieren und stoppen!". In einer bayernweiten Datenbank sollen alle (Verdachts-)Fälle von Naturschutzkriminalität gespeichert werden. Als erste Anlaufstelle für betroffene Behörden und die Öffentlichkeit soll die Datenbank fachliche Unterstützung bieten und als Melde- und Informationsplattform dienen. Mit ihrer Hilfe soll außerdem die langfristige Weiterverfolgung einzelner Fälle sichergestellt werden. Mit dem Projekt soll auch die Öffentlichkeitsarbeit verstärkt und Fortbildungsangebote bereitgestellt werden. Projektleiter und Ansprechpartner sind die Biologen Franziska Baur (GLUS) und Dr. Andreas von Lindeiner (LBV).
Fälle illegaler Verfolgung von Vögeln dokumentiert der LBV seit diesem Jahr im Auftrag des LfU/staatliche Vogelschutzwarte.

Weitere Informationen:

Mehr Infos zum Thema "Naturschutzkriminalität" und eine Checkliste zum richtigen Verhalten bei einem Totfund mit Verdacht auf illegale Tötung können auf der Seite www.tatort-natur.de heruntergeladen werden. Dort können auch Fälle oder Verdachtsfälle von Naturschutzkriminalität gemeldet werden.

 

Presseinformation 07-26
 
Flaute trotz Frost: Große Zählaktion zeigt Schwund der Vögel im Garten
Ergebnisse der Stunde der Wintervögel in Bayern: Seltene Gäste von Kranich bis Wiedehopf und ein anhaltender Negativtrend
 

 

Hilpoltstein, 27.01.26 – Schnee, Eis und klirrende Kälte ließen vom 9. bis 11 Januar 2026 besonders viele Vogelfans zum Fernglas greifen, um an der 21. Stunde der Wintervögel des bayerischen Naturschutzverbands LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und seinem bundesweiten Partner NABU teilzunehmen. In Bayern zählten rund 29.600 Teilnehmende in mehr als 21.300 Gärten und Parks insgesamt 626.600 Vögel. "Das winterliche Wetter erschwerte einigen Vogelarten die Futtersuche im Freiland und brachte auch ungewöhnliche Besucher an die Futterstellen und in die Nähe der Menschen", sagt die LBV-Biologin Dr. Angelika Nelson. "Der große Einflug von Wintergästen aus dem Norden blieb heuer aus. Dafür zogen manche der daheimgebliebenen Vögel wie Kraniche über Bayern fluchtartig nach Süden auf der Suche nach schnee- und eisfreien Flächen." Die Stunde der Wintervögel ist Deutschlands größte bürgerwissenschaftliche Mitmachaktion. Die gesammelten Meldungen geben einen einzigartigen Einblick in die heimische Vogelwelt. Die Ergebnisse aus allen bayerischen Regierungsbezirken und Landkreisen sind einsehbar unter www.stunde-der-wintervoegel.de.
Die durchschnittliche Vogelzahl pro Garten lag in diesem Jahr wieder leicht unter dem Vorjahreswert. Im Mittel wurden etwa 29 Vögel pro Garten gezählt – das sind rund zwei Individuen weniger als im Vorjahr. "Anders als im vergangenen Jahr blieben große Einflüge von Bergfinken und anderen nordischen Wintergästen wie Erlenzeisigen aus. Solche großen Vogelschwärme können die Durchschnittswerte deutlich nach oben treiben und hatten 2025 vermutlich einen maßgeblichen Einfluss auf das Ergebnis", erklärt Angelika Nelson. Unabhängig davon lässt sich jedoch ein schleichender, aber kontinuierlicher Rückgang der Vogelzahlen in den Gärten nicht von der Hand weisen. "Viele Teilnehmende berichten von einem besorgniserregenden Schwund von früher häufigen Vögeln in ihrer unmittelbaren Umgebung. Auch ein Blick auf die vergangenen 20 Jahre zeigt klar, dass sowohl die Vielfalt als auch die Anzahl der Vögel im Garten abnimmt", so die Ornithologin. Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielfältig und komplex. Vor allem fehlt es vielen Vogelarten zunehmend an geeigneten Lebensräumen und genügend Insekten zur Jungenaufzucht.

Die Top Ten der häufigsten Wintervögel
Die Spitze der Rangliste der häufigsten Wintervögel ist schon seit Jahren stabil mit nur geringfügigen Verschiebungen: Auch heuer führt der Haussperling die Top Ten an, gefolgt von Kohlmeise und Feldsperling. Dahinter tauschten Amsel und Blaumeise die Plätze – die Amsel rückte auf Rang vier vor. Als Bodenfresser benötigt sie schneefreie Stellen, die sie heuer hauptsächlich an Futterstellen fand. Davon profitierte auch das Rotkehlchen und schafft es auf Rang 9. Vor ihm liegen Buchfink (6.), Elster (7.) und Grünfink (8.). Den Abschluss bildet die Rabenkrähe (10.) Der Bergfink, der im vergangenen Jahr auf Platz sieben lag, ist wieder aus den Top Ten verschwunden. Er ließ sich heuer kaum in Bayern blicken.

Große Gruppen von Kranichen und Kormoranen       
Spannende Beobachtungen gab es auch über die häufigen Wintervögel hinaus. Fliegende Formationen laut rufender Kraniche überraschten einige Teilnehmende. "Vermutlich handelte es sich bei diesen Vögeln um eine Winterflucht infolge des deutlichen Kälteeinbruchs am Zählwochenende: Kraniche versuchen zunehmend, in Norddeutschland zu überwintern, bei anhaltender Kälte ziehen sie jedoch rasch entlang ihrer üblichen Route weiter nach Südwesten", ordnet Angelika Nelson ein. Da die wichtigste Zugroute über Hessen führt, konnten nur Teilnehmende in Nordbayern dieses Naturschauspiel, das man sonst aus dem Herbst kennt, genießen. Auch Kormorane sammelten sich und suchten gemeinsam nach eisfreien Flüssen und Seen, um dort Fische zu fangen. Dabei wurden sie im Vorbeifliegen oft von Teilnehmenden gemeldet.


Überraschende Überwinterer: Von Wiedehopf bis Zippammer
Für Staunen sorgten zudem einzelne Meldungen von Wiedehopf, Bekassine, Zippammer und Brachvogel. Bei allen handelt es sich um Zugvögel, die normalerweise die kalte Jahreszeit in südlichen Gefilden verbringen und zudem als selten und scheu gelten. Ob auch sie versuchten die im Schnitt milder werdenden Winter in Bayern zu verbringen oder als Irrgäste hier gelandet sind, lässt sich nicht klären. Durch Schnee und Frost wurden sie an leicht erreichbare Nahrungsquellen in die Nähe von Siedlungen und oft direkt an die Futterstellen getrieben. Besonders bemerkenswert waren die Beobachtungen des Wiedehopfs: Bereits vor der Stunde der Wintervögel gingen beim LBV entsprechende Meldungen mit Fotobeweis aus dem Landkreis Forchheim in Oberfranken ein. "Der Wiedehopf ist eine wärmeliebende, auf größere Insekten angewiesene Art und zählt zu den Langstreckenziehern, die normalerweise südlich der Sahara überwintern", sagt LBV-Biologin Nelson.

Die nächste Vogelzählung findet vom 8. bis 10. Mai 2026 statt. Dann rufen der LBV und sein bundesweiter Partner NABU alle Vogelfreundinnen und -freunde auf, bei der "Stunde der Gartenvögel" die Brutvögel in den Gärten und Parks zu zählen.

Infos zur Aktion und Ergebnisse aus allen Regierungsbezirken und Landkreisen in Bayern: www.stunde-der-wintervoegel.de

 

Presseinformation 06-26
 
Welttag der Umweltbildung: LBV warnt vor Folgen stagnierender Fördermittel
LBV-Umweltstationen in Bayern leisten unverzichtbare Bildungsarbeit
 

 

Hilpoltstein, 22.01.2026 – Der 26. Januar steht weltweit im Zeichen der Umweltbildung: Als World Environmental Education Day (Welttag der Umweltbildung) rückt er die pädagogische Auseinandersetzung mit Umwelt- und Zukunftsfragen in den Fokus. In Bayern zählt der Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) zu den zentralen Akteuren der Umweltbildungsszene. Mit elf anerkannten Umweltstationen und 25 Mitarbeitenden vermittelt der Verband Themen der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), wie beispielsweise Klimawandel und Biodiversität. Doch knappe Fördermittel gefährden diese wertvolle, außerschulische Bildungsarbeit für Kinder und Jugendliche. „Wir brauchen eine gute finanzielle Grundlage, damit unsere wichtige Bildungsarbeit alle Menschen erreichen kann. Unsere Inhalte sind die Grundlage für eine nachhaltige Zukunft und keiner sollte durch hohe Teilnahmekosten davon ausgeschlossen werden“, betont der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer.
Die LBV-Umweltstationen werden jährlich von rund 100.000 Menschen besucht, die an Bildungsprogrammen und Seminaren teilnehmen, Projekttage und Ausstellungen besuchen oder die vielseitigen Außengelände erforschen. Vor allem Schülerinnen und Schüler profitieren von dieser Ergänzung des Unterrichts durch praxisnahe Erfahrungen, die sowohl kritisches Denken fördern als auch die Handlungskompetenz steigern. „Das Verständnis über die Zusammenhänge in der Natur erfährt man am besten in der Natur selbst. Unsere Umweltstationen bieten den Raum und die pädagogische Qualität für ganzheitliche Zugänge zu Natur und Nachhaltigkeit“, erklärt Magdalena Buckreus, Leiterin des Referats Umweltbildung/Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Die inklusiven, chancengerechten und ganzheitlichen Bildungsangebote des LBV befähigen Zielgruppen jeden Alters, eine zukunftsfähige Welt mitgestalten zu können.

Die Bildungsarbeit des LBV wird vom Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt- und Verbraucherschutz finanziell unterstützt. Ziel des Freistaats Bayern ist es, durch mindestens eine Umweltstation in jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt ein flächendeckendes Netz von Einrichtungen der BNE zu etablieren. Dafür erkennt er seit 1990 Umweltstationen staatlich an und vergibt an diese Fördergelder. Aktuell deckt die jährliche Grundförderung jedoch nur ein Viertel der anfallenden Kosten, beispielsweise für qualifizierte, pädagogische Fachkräfte, Materialkosten und den Unterhalt der Station. „Auch in unseren Bildungseinrichtungen spüren wir die Auswirkungen der Inflation. Eine höhere Förderung würde unseren Umweltstationen mehr Planungssicherheit geben. Vor allem könnten wir so sicherstellen, dass alle Kinder kostenfreien Zugang zu Bildung für nachhaltige Entwicklung erhalten“, sagt Buckreus.

Mit der bestehenden Höhe der Förderung pro Umweltstation ist das Ziel einer flächendeckenden hochwertigen Bildung für nachhaltige Entwicklung zukünftig nicht zu gewährleisten. Dabei nehmen die Umweltstationen in der regionalen sowie bayernweiten Bildungslandschaft eine zentrale Rolle in der außerschulischen BNE und Umweltbildung ein. „Wenn wir wollen, dass Nachhaltigkeit mehr ist als ein schönes Wort, müssen wir Umweltbildung und BNE konsequent stärken – mit verlässlicher Finanzierung, politischem Rückhalt und gesellschaftlicher Wertschätzung. Denn nur wer versteht, handelt. Und nur wer handelt, gestaltet Zukunft“, bekräftigt Magdalena Buckreus.

Rolle der Umweltstationen

Bereits seit 1995 ist der LBV Träger von Umweltstationen. Diese Bildungseinrichtungen bringen Fachwissen und innovative Methoden ein, die Schulen allein nicht leisten können. Zudem schaffen sie emotionale Bindung zur Natur und motivieren durch erlebnisorientiertes Lernen. Durch ihre Netzwerke mit Kommunen, Kitas, Schulen, Hochschulen und anderen Bildungsakteuren stärken sie regionale Bildungslandschaften und tragen entscheidend dazu bei, Nachhaltigkeit in der Gesellschaft zu verankern und die Agenda 2030 der Vereinten Nationen umzusetzen. Eine Übersicht aller LBV-Umweltstationen in Bayern findet sich unter http://lbv.de/umweltstationen

 

Umweltbildung im LBV
Seit 40 Jahren betreibt der bayerische Naturschutzverband LBV Umweltbildung sowie Bildung für nachhaltige Entwicklung und nimmt dabei bundesweit eine Vorreiterrolle ein. Das generationenübergreifende Bildungsangebot des LBV richtet sich an Kitas, Schulen, Familien und Seniorenheime. Während der LBV in seinen 17 bayernweiten Umweltbildungseinrichtungen jährlich über 130.000 Besucherinnen und Besucher begeistert, bietet das digitale Umweltbildungsprojekt „Naturschwärmer“ online zahlreiche, nachhaltige Aktionsideen für Familien. Kitas und Schulen können sich um die Auszeichnungen „ÖkoKids - KindertageseinRICHTUNG NACHHALTIGKEIT“ bzw. „Umweltschule in Europa / Internationale Nachhaltigkeitsschule“ bewerben. Die vielfältigen LBV-Bildungsprogramme vermitteln zukunftsrelevante Kompetenzen und Werte und leisten einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Die Umweltbildung des LBV ist mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Qualitätssiegel „Qualitätsnetzwerk BNE in Bayern“ und als Lernort und Netzwerk der deutschen UNESCO-Kommission.

 

Presseinformation 05-26
 
Zumeldung zur Pressemitteilung des StMELF „Seilbahnförderung auch ab 2026“
Ende der Förderungen von Schneekanonen ist ein wichtiges Signal
Erste Schritte zum besseren Schutz der bayerischen Alpen – Langfristiges Ziel muss Verbot von neuen Seilbahnen in unerschlossenen Gebieten sein
 

 

Hilpoltstein, 15.01.2026 – Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) setzt sich bereits seit mehreren Jahren intensiv dafür ein, dass umwelt- und klimaschädliche Subventionen wie die Förderung von Seilbahnen und Beschneiungsanlagen abgeschafft werden. Die Tatsache, dass bei der nun verkündeten Verlängerung der Seilbahnförderrichtlinie zukünftig Beschneiungsanlagen nicht mehr förderfähig sind, bewertet der LBV als wichtiges Signal. „Diese Entscheidung war überfällig. Beispiele wie das Aus des Skibetriebs am Jenner zeigen, dass Investitionen in die Ski-Infrastruktur trotz massiver staatlicher Förderung keine Zukunftsperspektive für unsere bayerischen Alpen darstellen“, erklärt LBV-Geschäftsführer Helmut Beran.
Ein weiterer wichtiger Zwischenschritt zum Schutz der Berge im Freistaat ist der Beschluss, künftig den Neubau von Seilbahnen nicht mehr zu fördern. „Damit wird einer weiteren Erschließung unberührter Bereiche des bayerischen Alpenraums ein Riegel vorgeschoben. Dies kann jedoch nur ein erster Schritt sein. Langfristig muss das Ziel zum Schutz des einzigartigen Naturraums Alpen sein, den Neubau von Seilbahnen und Beschneiungsanlagen in bisher unerschlossenen Gebieten grundsätzlich zu verbieten“, betont LBV-Geschäftsführer Beran.

Kritisch am Beschluss des Tourismusministeriums zur Seilbahnförderung sieht der LBV, den Ganzjahresbetrieb als Voraussetzung für eine Förderung. „Gerade ein Ausbau des Sommerbetriebs führt zu einer zusätzlichen Störung in der Brutzeit und der Zeit der Jungenaufzucht“, erklärt Beran.

Die Alpen sind das herausragende Naturjuwel Bayerns. Ihr Schutz ist von bundesweiter Bedeutung. Die Alpenregion muss vor allem im Zuge des Klimawandels zukunftsfähig bleiben. „Eventtourismus, große Infrastruktur-Vorhaben und eine stetige Erhöhung der Tourismuskapazitäten haben dort deshalb keine Zukunft. Die Alpen müssen als Naturraum bewahrt werden. Nur ein sanfter Tourismus sichert letztendlich auch das wirtschaftliche Potenzial des Alpentourismus für die kommenden Jahrzehnte“, so LBV- Geschäftsführer Helmut Beran.

 

Pressestatement
 
Statement des LBV-Geschäftsführers Helmut Beran zur Pressekonferenz der Freien Wähler „Wertschöpfung durch Tourismus“ im Rahmen ihrer Winterklausur in Berchtesgaden
Der Jenner als Ort der Wertschöpfung durch Tourismus ist an Scheinheiligkeit kaum zu überbieten

 

LBV-Geschäftsführer Helmut Beran:
„Dass die Freien Wähler das Thema „Wertschöpfung durch Tourismus“ ausgerechnet auf dem Jenner inszenieren, ist an Scheinheiligkeit kaum zu überbieten. Die private Jennerbahn in Berchtesgaden ist ein Paradebeispiel dafür, dass Investitionen in die Ski-Infrastruktur trotz massiver staatlicher Förderung keine Zukunftsperspektive für unsere bayerischen Alpen darstellen. Nachdem der Neubau bereits mit 10,5 Millionen Euro von der Bayerischen Staatsregierung subventioniert worden war, waren weitere öffentliche Gelder notwendig, um den defizitären Winterbetrieb überhaupt aufrechtzuerhalten. So hat die Gemeinde Schönau beschlossen, ihre Unterstützung von zuvor 30.000 auf dann 300.000 Euro pro Jahr zu erhöhen. Dabei hatte der Bürgermeister sogar eingestanden, dass für diese Subventionierung Kürzungen an anderer Stelle im Gemeindehaushalt vorgenommen werden mussten. Und als wäre das nicht schon genug, hat der Vorstand der Berchtesgadener Bergbahn AG Ende 2023 das endgültige Aus des klassischen Skibetriebs am Jenner aufgrund der unrentablen Entwicklung bekannt gegeben. Künftig soll der Schwerpunkt am Jenner auf sanftere Formen des Wintertourismus gelegt werden.

In Bayern wird die Modernisierung von Skigebieten durch klimaschädliche staatliche Subventionen unterstützt. Wer Skigebiete mit den Steuergeldern der Bürgerinnen und Bürger fördert, treibt damit die Zerstörung der letzten naturnahen Lebensräume in den deutschen Alpen voran. Inmitten der Klimakrise ist das absurd. Der LBV fordert daher seit Jahren den Ausbau eines naturverträglichen Tourismus ohne klimaschädliche Subventionen für die Skiinfrastruktur. Offensichtlich mussten jedoch erst 10,5 Millionen Euro Steuergelder verpulvert werden, bevor sich diese Erkenntnis bei den Verantwortlichen durchsetzte.“

Hintergrund:
Nach den Beschlüssen zu schonenderen Formen des Wintertourismus in der Region hat der LBV weitere Maßnahmen gefordert. So soll beispielsweise der Sessellift am Mitterkaser abgebaut werden, da dieser bisher ausschließlich für den Skibetrieb genutzt wurde und künftig nicht mehr benötigt wird. Der Lift stellt eine Gefahrenquelle für Tierarten wie das vom Aussterben bedrohte Birkhuhn dar, das in der Region noch vorkommt. Durch den überdimensionierten und mit hohen Steuergeldern geförderten Ausbau der Jennerbahn vor einigen Jahren wurde der heimische Birkhuhnbestand bereits erheblich gefährdet. Der Schutz der heimischen Tier- und Pflanzenwelt ist ein zentrales Anliegen des LBV – gerade im betroffenen Gebiet an der Grenze zum Nationalpark Berchtesgaden. Die Beseitigung stillgelegter Nebenbahnen muss die logische Konsequenz sein, um die Überlebenschancen der bedrohten Raufußhühner zu erhöhen. Die Entwicklung am Jenner sollte auch ein deutliches Signal für andere Skigebiete in Bayern sein. Obwohl Umweltverbände wie der LBV immer wieder mahnen, werden weiterhin Bahnneubauten und der Ausbau von Beschneiungsanlagen geplant – beispielsweise an der Kampenwand und am Götschen in der Nähe des Jenners. Der LBV fordert daher die Abschaffung der staatlichen Seilbahnförderung.

 

Presseinformation 03-26
 
Gefährdete Arten im Fadenkreuz: LBV kritisiert geplante Neuregelungen im bayerischen Jagdgesetz
Von Wolf bis Rebhuhn: Naturschutzverband fordert fachlich fundierte Jagdpolitik
 

 

Hilpoltstein, 07.01.2026 – Bis heute läuft das Anhörungsverfahren zur geplanten Novelle des Bayerischen Jagdgesetzes. Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) hat hierzu seine Stellungnahme beim bayerischen Wirtschaftsministerium eingereicht. Die ursprünglich geplanten weitreichenden Gesetzesänderungen zulasten des Artenschutzes konnten auch durch das Engagement des LBV abgewendet werden. Dennoch gibt es im aktuell vorliegenden Gesetzentwurf immer noch kritische Punkte. So lehnt der Verband die geplante Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht entschieden ab. Aus Sicht des LBV besteht dafür weder eine fachliche noch eine rechtliche Notwendigkeit. „Der Schlüssel zur Reduzierung von Nutztierrissen liegt nicht in der Jagd, sondern im konsequenten und wirksamen Herdenschutz“, betont Dr. Andreas von Lindeiner, LBV-Landesfachbeauftragter für Naturschutz. Auch kritisiert der Verband die Jagd auf Vogelarten, die gefährdet sind oder negative Bestandstrends aufzeigen. Der LBV fordert die Staatsregierung auf, Jagdrecht und Jagdzeiten konsequent an wissenschaftlichen Erkenntnissen und dem tatsächlichen Erhaltungszustand der Arten auszurichten. „Naturschutz und Jagd müssen sich an klaren fachlichen Kriterien orientieren – nicht an politischen Symboldebatten“, so von Lindeiner.

Die aktuelle Bestandsentwicklung der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) zeigt deutlich, dass eine Regulierung des Wolfsbestandes durch Jagd nicht erforderlich ist. „Bereits heute sind Entnahmen einzelner auffälliger Wölfe über Ausnahmeregelungen des Bundesnaturschutzgesetzes rechtssicher möglich. Dies respektiert selbstverständlich auch der LBV. Die fachlichen Grundlagen für die Entnahme einzelner Wölfe bietet der bayerischen Aktionsplan Wolf“, so von Lindeiner. Entscheidend ist laut LBV vielmehr, dass Tierhalterinnen und Tierhalter vor Ort besser beraten und beim standortangepassten Herdenschutz unterstützt werden. Öffentliche politische Statements, die den Eindruck erwecken, der Wolf könne künftig regulär und deutlich einfacher bejagt werden, hält der LBV für irreführend. Der Erhaltungszustand des Wolfs ist nach Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs auf lokaler, nationaler und gegebenenfalls grenzüberschreitender Ebene zu bewerten.

Jagd auf gefährdete Vogelarten
Kritisch sieht der LBV darüber hinaus die geplanten Regelungen zur Jagd auf zahlreiche Vogelarten. Viele jagdbare Arten befinden sich in einem ungünstigen Erhaltungszustand oder weisen seit Jahren negative Populationstrends auf. Besonders betroffen ist das Rebhuhn, der Vogel des Jahres 2026, als eine der am stärksten rückläufigen Vogelarten in Deutschland und Europa. „Wir erheben nicht die Forderung, das Rebhuhn aus dem Jagdrecht zu nehmen. Wegen der starken Gefährdung dieser Art sollte die Jagd aber so lange ausgesetzt werden, bis Schutzmaßnahmen greifen und sich die Bestände nachweislich erholen“, sagt der Landesfachbeauftragte.

Schonzeit für Enten und Möwen gefordert
Für Entenvögel wie Pfeif-, Krick-, Spieß-, Berg-, Tafel- und Samtente sowie die Wald-Saatgans spricht sich der Naturschutzverband für eine ganzjährige Schonzeit in Bayern aus. Gleiches gilt für die Waldschnepfe, für deren Bejagung aus Sicht des LBV kein sachlicher Grund erkennbar ist. Auch die Jagd auf Großmöwen hält der Verband für fachlich nicht begründbar. „Auf der Liste der im Freistaat jagdbaren Arten steht die Silbermöwe. Wir gehen allerdings davon aus, dass die nahen Verwandten Steppen- und Mittelmeermöwen, die nicht jagdbar sind, auch schon mal ins Visier geraten“, erklärt Andreas von Lindeiner. Hier stellt sich grundsätzlich die Frage, warum Möwen in Bayern bejagt werden. Die erlegten Tiere können nicht sinnvoll verwertet werden und die Möwen verursachen keine Schäden.

Darüber hinaus kritisiert der LBV die Pläne, den Zugang zu Informationen über jagdliche Entnahmen einzuschränken. „Transparente Daten über Abschüsse – insbesondere bei Arten mit Managementbedarf wie Wolf oder Graureiher – sind unverzichtbar, um den Erhaltungszustand bewerten und gegebenenfalls Management- und Schutzmaßnahmen anpassen zu können. Die Öffentlichkeit hat ein berechtigtes Interesse an diesen Informationen“, so von Lindeiner.

Zahlen zur Entwicklung der Wolfsterritorien stellt die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) bereit: https://www.dbb-wolf.de/Wolfsvorkommen/territorien/status-und-reproduktion

 

Presseinformation 02-25
 
Vom Stadtpark bis zum Dorfrand: Ganz Bayern zählt Wintervögel
Nordische Gäste und Daheimgebliebene: Wer zeigt sich zur „Stunde der Wintervögel“? – Große Mitmachaktion startet am Wochenende
 

 

Hilpoltstein, 07.01.2026 – Nach eine einer milden Phase im Dezember meldet sich nun der Winter zurück und bringt frostige Temperaturen und Schnee. Passend dazu rufen der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und sein bundesweiter Partner NABU zum 21. Mal zur „Stunde der Wintervögel“ auf. Eine Stunde lang sollen Bürgerinnen und Bürger am Wochenende vom 9. bis 11. Januar die Vögel im eigenen Garten, auf dem Balkon oder im Park zählen und melden – egal ob in der Stadt oder auf dem Land. „Wer eine Stunde lang bewusst hinschaut, entdeckt oft mehr als erwartet. Gerade im Winter tauchen manchmal überraschende Gäste auf“, erklärt die LBV-Biologin Dr. Angelika Nelson. So könnten in diesem Jahr Finkenvögeln wie Bergfinken oder Erlenzeisige, die aus Skandinavien nach Bayern kommen, für Freude am Futterhaus sorgen. Ihre Beobachtungen können Teilnehmende hier melden: www.stunde-der-wintervoegel.de.
Ist das Samenangebot in den borealen Nadelwäldern Skandinaviens mau, machen sich viele Finkenarten auf den Weg nach Süden, um dort nach Nahrung zu suchen. Dabei tauchen auch Arten auf, die sonst nicht oder nur selten in Bayern vorkommen. „Vergangenes Jahr kam es beispielsweise zu einem außergewöhnlich starken Einflug von Bergfinken. Auch Erlenzeisige gehören zu den möglichen Wintergästen“, erläutert Angelika Nelson. „Die Chancen, dass einige von ihnen auch heuer nach Bayern kommen und bei der Wintervogelzählung auffallen, stehen gut.“ Gleichzeitig erhalten heimische Finkenarten im Winter Verstärkung aus dem Norden: Buchfink, Grünfink oder Stieglitz brüten zwar auch in Bayern, doch als sogenannte Teilzieher verbringen Individuen aus Nord- und Osteuropa den Winter ebenfalls im Freistaat. Auch Kernbeißer können im Winter an Futterstellen auftauchen. Wo und wie viele Finken am Zählwochenende zu beobachten sein werden, hängt stark vom Wetter und dem Nahrungsangebot in den unterschiedlichen Regionen Bayerns ab. „Sind Samen in den Wäldern rar oder durch Frost und Schnee nicht zugänglich, weichen viele Arten auf Gärten oder Parks aus. Gerade in Kältephasen zeigen sich deshalb auch Finkenvögel gerne am Futterhaus und fressen dort Sonnenblumenkerne oder Fettfutter“, so die Ornithologin.

Darüber hinaus stehen dieses Jahr wieder typische Wintervögel wie Kohl- und Blaumeise, Amsel, Haussperling, Feldsperling oder Rotkehlchen im Fokus der „Stunde der Wintervögel“. „Man muss kein Vogelprofi sein, um bei der Aktion mitzumachen. Vielen Arten ist man im Alltag schon oft begegnet. Sie einmal bewusst wahrzunehmen, macht Spaß und öffnet den Blick für die Vielfalt direkt vor der eigenen Haustür“, sagt Angelika Nelson. Die Daten helfen dem LBV zu verstehen, wie sich die Vogelwelt von Jahr zu Jahr verändert. In den vergangenen milden Wintern sind etwa immer mehr Kurzstreckenzieher in Bayern geblieben, statt weiter nach Süden zu ziehen. Arten wie Zilpzalp, Mönchsgrasmücke oder Star werden deshalb häufiger bei der Aktion beobachtet als noch vor einigen Jahren. „Solche Verschiebungen lassen sich nur erkennen, wenn viele Menschen regelmäßig mitmachen und ihre Beobachtungen melden“, sagt die LBV-Biologin. „Aufgrund des außergewöhnlich milden Dezembers ist es dieses Jahr besonders spannend, welche Arten vermehrt in Bayern bleiben.“

Bayerns Stadtvögel gesucht!

Ein besonderes Augenmerk legt der LBV in diesem Jahr auf den Vergleich zwischen Stadt und Land. Traditionell nehmen bei der „Stunde der Wintervögel“ mehr Menschen aus dem ländlichen Raum teil, doch Vogelarten wie die Amsel haben Städte längst als Lebensraum mit einigen Vorteilen entdeckt. „Parks und Gärten in Städten bieten oft ein ganzjähriges Nahrungsangebot, besonders wenn es dort Futterstellen gibt. Außerdem herrscht dort ein wärmeres Mikroklima, das Vögeln das Überleben im Winter erleichtert”, weiß die Biologin. Der LBV appelliert deswegen auch an die Bürgerinnen und Bürger in den bayerischen Städten mitzumachen. „Wer keinen eigenen Garten hat, kann im Park oder auf Friedhöfen genauso gut beobachten und liefert damit wertvolle Informationen“, so Angelika Nelson.

Mitmachen und die eigene Beobachtung melden: So geht’s   
Wer bei der „Stunde der Wintervögel“ mitmachen will, braucht nicht viel: Es genügen eine Stunde Zeit und ein ruhiges Plätzchen, von dem die Vögel im Garten, auf dem Balkon oder im Park beobachtet werden können. Gemeldet wird immer die höchste Anzahl einer Art, die innerhalb der Zählstunde gleichzeitig beobachtet wurde. Auch wer keine oder wenige Vögel zählt, kann melden und liefert damit wichtige Daten. Die Beobachtungen vom Zählwochenende melden Teilnehmende am einfachsten online unter www.stunde-der-wintervoegel.de. Dort sind auch fortlaufend aktualisierte Zwischenstände einsehbar, die nach Landkreisen und Regierungsbezirken gefiltert werden können. Meldungen per Post sind ebenfalls möglich. Meldeschluss ist der 19. Januar 2026. Unter allen Teilnehmenden verlost der LBV attraktive Preise.

„Schulstunde der Wintervögel“
Vom 12. bis 16. Januar 2026 sind alle Lehrkräfte eingeladen, im Rahmen der „Schulstunde der Wintervögel“ gemeinsam mit ihren Schülerinnen und Schülern die heimischen Wintervögel spielerisch kennenzulernen und eine Stunde lang gemeinsam auf dem Pausenhof, im Park oder im Schulgarten zu zählen. Materialien zum Mitmachen sowie Spiele zu den häufigsten Wintervögeln für Schulkinder gibt es unter www.naturschwaermer.lbv.de/sdw.

Infos zur Aktion unter www.stunde-der-wintervoegel.de

 

Presseinformation 01-26
 
Ein Jahr im Zeichen des Rebhuhns: Amtszeit des Vogels des Jahres 2026 beginnt
Mit Glück Rebhuhn-Ketten in winterlicher Landschaft beobachten – Ungepflegt aussehende Brach- und Blühflächen bieten wichtigen Schutz
 

 

Hilpoltstein, 05.01.2026 – Mit dem neuen Jahr hat auch die Amtszeit des Rebhuhns begonnen. Mit dem eindringlichen Appell „Für Felder voller Leben“ hatte es im Herbst die deutschlandweite Wahl zum Vogel des Jahres 2026 gewonnen und löst den Hausrotschwanz als Jahresvogel ab. „Mit Glück lässt sich der scheue Hühnervogel in manchen Regionen Bayerns jetzt in kleine Gruppen von bis zu 25 Vögeln, sogenannte Ketten, auf Nahrungssuche in der winterlichen Landschaft beobachten“, erklärt die LBV-Biologin Dr. Angelika Nelson. Besonders auf Brachflächen, wo verblühte Pflanzen den Winter über stehen bleiben, findet der Vogel des Jahres jetzt Nahrung und Deckung. Das Rebhuhn ist ein Standvogel und bleibt somit das ganze Jahr über in seinem Brutgebiet, doch seine Bestände haben in den letzten Jahrzehnten dramatisch abgenommen.
Junge Rebhühner der vergangenen Brutsaison bleiben im Winter oft mit den Elternvögeln in sogenannten Ketten zusammen. Diesen kleinen Gruppen können sich auch einzelne Individuen anschließen. „Das gemeinsame Überwintern birgt viele Vorteile: In großen Gruppen sind die Tiere sicherer vor Fressfeinden wie Füchsen, außerdem können sie gemeinsam auf Nahrungssuche gehen“, weiß Angelika Nelson. Im Winter ist frische, grüne Nahrung knapp. Rebhühner scharren daher vor allem Samen von Wildkräutern und Gräsern unter dem Schnee frei. Fündig werden sie dabei vor allem auf mehrjährigen Brachflächen, die im Herbst nicht umgebrochen wurden. „Für das menschliche Auge wirken solche Flächen jetzt im Winter, wenn die Pflanzen alle verblüht sind, oft ungepflegt. Für das Rebhuhn und andere Tierarten sind sie aber überlebenswichtig“, erläutert die Ornithologin. Auch übrig gebliebene Getreidekörner auf abgeernteten Feldern bieten willkommene Nahrung. Sichere Verstecke finden Rebhühner dort in niedrigen Hecken, einzelnen Sträuchern oder nicht gemähten Säumen und Böschungen.

Das Rebhuhn erkennen und beobachten
In offenen, strukturreichen Kulturlandschaften mit Brachflächen und Wiesen lohnt es sich jetzt bei einem Winterspaziergang die Augen nach Rebhuhn-Ketten offen zu halten. In Bayern liegen die Verbreitungsschwerpunkte in Nordbayern sowie in der Region um die Donau und Niederbayern. Es hat einen rundlich kompakten Körper, mit bräunlichem Gefieder. Der Schwanz und die Beine sind kurz. Ausgewachsene Tiere sind etwa halb so groß wie ein Haushuhn. Verwechselt wird das Rebhuhn manchmal mit dem häufiger vorkommendenden Fasan, der allerdings deutlich größer ist.

Meistens bewegen sich Rebhühner schreitend voran. Werden sie überrascht, fliegen sie dicht über dem Boden bis zur nächsten Deckung und geben dabei ihr namensgebendes „repreprep“ von sich. „Wer das Rebhuhn beobachten möchte, sollte sich möglichst ruhig verhalten, denn die Tiere sind sehr scheu. Außerdem kostet es die Tiere viel Energie, wenn sie aufgescheucht werden. Wir appellieren deswegen an alle Naturliebhabenden, Hunde anzuleinen, auf den Wegen zu bleiben und so Rücksicht auf Rebhühner und alle anderen Bewohner der Feldflur zu nehmen“, sagt Angelika Nelson.

Kartierung ab Mitte Februar: Jetzt mitmachen
Ein wichtiger Baustein für den Schutz des Rebhuhns ist das Wissen um aktuelle Vorkommen und Bestände. Der LBV engagiert sich deshalb als Partner des Dachverbands Deutscher Avifaunisten bei der Kartierung von Rebhühnern im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel (MsB). Die nächste Erfassungsperiode findet von Mitte Februar bis Mitte März statt, wenn die Balz der Rebhähne beginnt. Die Erfassung von Rebhühnern eignet sich auch für den Einstig ins Vogelmonitoring, da der Fokus auf einer Art liegt und die Mitarbeit nur wenig Zeit erfordert. Wer Interesse hat, kann sich melden unter: [email protected].

Mehr Infos zum Brutbestandsmonitoring Rebhuhn:
www.dda-web.de/monitoring/msb/module/rebhuhn

Mehr Infos zum Rebhuhn: www.lbv.de/rebhuhn