Hilpoltstein, 28.01.2026 – Vergiftet, beschossen, in Fallen gefangen: Auch 2025 wurde Bayerns Großvögeln wieder skrupellos
nachgestellt. Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und die Gregor-Louisoder-Umweltstiftung (GLUS)
haben vergangenes Jahr so viele Fälle von Naturschutzkriminalität dokumentiert wie seit vier Jahren nicht mehr. Insgesamt registrierten die
Naturschützerinnen und Naturschützer 30 vergiftete Vögel und mehrere weitere schwere Straftaten gegen geschützte Arten. Dazu zählten unter
anderem Beschüsse sowie illegale Fangmethoden. Darüber hinaus ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. "Die illegale Verfolgung
geschützter Arten ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat. Dass uns im vergangenen Jahr so viele Hinweise erreicht haben, zeigt,
wie aufmerksam und engagiert viele Menschen inzwischen hinschauen", sagt LBV-Projektmitarbeiterin Nicole Meier.
Insgesamt wurden 133 tote Großvögel gemeldet, bei denen zumindest ein anfänglicher Verdacht auf illegale Verfolgung bestand – fast
dreimal so viele wie 2024. Ist die Todesursache des Vogels bei einer Obduktion nicht ersichtlich, wird für gewöhnlich eine toxikologische
Untersuchung eingeleitet. Auf diese Weise konnten vergangenes Jahr 30 Fälle von Vergiftung nachgewiesen werden. Besonders oft griffen die
Täter zu dem seit 2008 in der EU verbotenen Insektizid Carbofuran. "Das Nervengift Carbofuran wirkt bereits bei Hautkontakt und ist auch
für Menschen und Haustiere gefährlich. Wenn ein Greifvogel einen damit präparierten Giftköder frisst, kommt er oft nur noch wenige Meter
weit, bevor er qualvoll stirbt", erklärt Nicole Meier.
Für besonders viel Aufregung sorgte ein Fall im niederbayerischen Landkreis Dingolfing-Landau. Ende Juli wurden der Polizei dort
mehrere tote Greifvögel gemeldet. Bei einer Absuche konnten insgesamt mehr als zwölf tote Vögel auf engem Raum gefunden werden, darunter
Arten wie Schwarzmilan, Rotmilan und Mäusebussard. Die Tiere starben alle an Vergiftungen mit Carbofuran, wie Untersuchungen zeigten. Die
Polizei ermittelt hier nach wie vor intensiv.
Ebenfalls Aufsehen erregte eine Tat im westlichen Landkreis Haßberge, wo im Oktober ein Mäusebussard mit dem verbotenen Insektizid
Parathion – auch bekannt als E605 – vergiftet worden war. Parathion ist ein hochtoxisches Nervengift, das schon bei Hautkontakt zu
Erbrechen, Durchfall, Atemlähmung, schweren Krämpfen oder sogar dem Tod führen kann. Im näheren Umkreis zum Fundort des Mäusebussards
starben im gleichen Jahr auch mehrere Hunde, nachdem sie Symptome einer Vergiftung aufzeigten. Das Ermittlungsverfahren wurde
zwischenzeitlich eingestellt.
Tauben als lebendige Köder
Neben Fleisch oder Schlachtabfällen kommen auch immer wieder sogenannte "Kamikazetauben" als Köder zum Einsatz. Die Täter streichen dabei
züchterisch uninteressante Tauben mit Gift im Nacken ein und lassen sie als Köder in der Nähe ihres Schlags fliegen. Ziel solcher Taten ist
es meist, Greifvögel wie Habicht oder Wanderfalke zu vergiften, in deren Natur es liegt, andere Vögel in der Luft zu jagen. Werden die
Tauben nicht erbeutet, sterben sie selbst an dem Gift, welches sie langsam über die Haut aufnehmen. 2025 wurden zwei Fälle solcher
Kamikazetauben registriert – im Landkreis Regensburg und im Landkreis Miesbach.
Auch
fahrlässige Vergiftungen gefährden
Neben vorsätzlichen Tötungen beschäftigen die Naturschutzverbände seit Jahren auch Fälle fahrlässiger oder unbeabsichtigter Vergiftungen.
So starb im März ein Gänsegeier im Unterallgäu an einer Bleivergiftung. Der seltene Vogel hatte das Schwermetall vermutlich aufgenommen,
weil er Aas eines Wildtieres fraß, das mit bleihaltiger Jagdmunition beschossen worden war. Der LBV setzt sich daher seit Langem für eine
flächendeckende Jagd mit bleifreier Munition ein – wie sie im bayerischen Staatswald bereits erfolgreich umgesetzt wird.
Greifvögel werden zudem immer wieder Opfer sogenannter Sekundärvergiftungen durch Rattengifte wie Brodifacoum. Ratten nehmen das Gift auf,
sterben jedoch oft erst nach mehreren Tagen. In dieser Zeit können sie von Greifvögeln erbeutet werden, die sich dadurch selbst vergiften
und verenden. Im Jahr 2025 traf es auf diese Weise einen Mäusebussard, einen Rotmilan und einen Uhu.
Fallen und
Schüsse: Weitere Formen illegaler Verfolgung
Geschützten Vögeln wird jedoch nicht nur mit Gift nachgestellt. Täter setzen auch Fallen ein, etwa sogenannte Habichtfangkörbe, in denen
häufig lebende Tauben als Lockvögel missbraucht werden. Einen solchen Fall meldete eine LBV-Aktive im niederbayerischen Landkreis
Deggendorf der Polizei.
Darüber hinaus registrierten die Naturschutzverbände im Rahmen des Projekts insgesamt drei Beschüsse. Zwei Sperber in der Oberpfalz starben
an Schussverletzungen. Ein Weißstorch im Unterallgäu hatte Glück: Ehrenamtliche brachten ihn rechtzeitig in eine Klinik.Projektile steckten
in beiden Flügeln,einer davon war durch den Beschuss gebrochen. Nach seiner Genesung in der LBV-Vogelauffangstation konnte der Storch erfolgreich wieder ausgewildert werden.
Sensibilisierung von Behörden und Gesellschaft bleibt essenziell
Im Rahmen des Projekts führen der LBV und die GLUS auch immer wieder Schulungen rund um Naturschutzkriminalität durch – zum Beispiel an
Landratsämtern. Auch der Austausch zwischen Behörden, Ehrenamtlichen und Polizei wird bei Fachtagungen angeregt. Durch die wertvolle
Aufklärungsarbeit ist das Thema in vielen Behörden mittlerweile bekannt, und die nötigen Abläufe zur Meldung und Dokumentation haben sich
etabliert. Zudem gibt es inzwischen einen Handlungsleitfaden für alle Polizeibehörden in Bayern. "Die Sensibilisierung von Gesellschaft,
Polizei, Staatsanwaltschaften und Behörden ist entscheidend, um bei der Strafverfolgung tatsächlich Erfolge zu erzielen. Wir hoffen, dass
so zukünftig viele der Delikte aufgeklärt werden können. Bisher konnten leider nur in wenigen Fällen Tatverdächtige ausfindig gemacht
werden", erklärt Franziska Baur, GLUS-Fachreferentin für Naturschutz.