Artenschutzhaus Münchsteinach

 

Schwalben galten schon immer als Glücksbringer. Im Volksglauben heißt es, dass am Haus brütende Schwalben Schutz vor Unwetter bringen. Als Kulturfolger sind Rauch- und Mehlschwalben eng mit menschlichen Siedlungen verbunden. Mehlschwalben brüten außen an Gebäuden, Rauchschwalben bevorzugen geschützte Brutplätze innerhalb von Gebäuden. Für unsere gebäudebrütenden Arten wird es immer schwieriger Nistplätze an Privathäuser oder anderen Gebäuden zu finden.

 

Nachdem Robert Willner schon begeistert beim Schwalbenhaus in Dachsbach geholfen und mitfinanziert hatte, entschied er sich, auch in seiner Heimatgemeinde so ein Bauwerk umzusetzen. Damit wurde bereits das dritte Haus seiner Art im Landkreis geschaffen. Das Projekt begann im Winter mit dem Aussuchen eines geeigneten Standortes. Ein solches Artenschutzhaus kann, wenn man auf möglich viele Bewohner hofft, nicht einfach überall aufgestellt werden. 

 

Von entscheidender Bedeutung ist beispielsweise eine hindernisfreie An- und Abflugmöglichkeit von allen Seiten. Zusammen mit dem Bürgermeister Herrn Jürgen Riedel und einigen Bürgern von Münchsteinach wurde der Platz auf Gemeindegrund an der Sängerlinde festgelegt. Die LBV-Kreisgruppe Neustadt Aisch-Bad Windsheim stand dabei beratend zur Seite. Wichtig war es auch das Haus aufzustellen, bevor die Zugvögel in ihr Brutgebiet zurückkehren. 

Das Vogelhaus wurde von der Schreinerei Grau, Unterntief, ( Inh. Uwe Fleischmann) gefertigt. Der Durchmesser beträgt etwa 2,8 Meter und die Gesamthöhe 7 Meter. Das markante Bauwerk bietet Nistmöglichkeiten für 24 Mehlschwalben- und 18 Mauerseglerpaare. Auch Fledermäuse und Wespen können sich in den Spaltenquartieren verstecken.

 

Das neue Angebot muss sich jetzt unter den Vögeln "rumsprechen". Das erste Haus in Bad Windsheim wurde zunächst von Haussperling, Kohlmeise, Star und Hausrotschwanz bewohnt, nach 2 Jahren zogen die ersten Schwalben ein. Voriges Jahr wurde es nachträglich mit 12 zusätzlichen Mehlschwalbennestern nachgerüstet. 

 

Dieses Vogelschutzhaus ist eine kleine Hilfe für den Arterhalt, denn die Bestandszahlen der gebäudebrütenden Vogelarten nehmen seit Jahren sehr stark ab. Schuld sind unter anderem fehlende Nistmöglichkeiten und Nahrungsmangel. An modernen Häusern mit glatten Fassaden ohne Nischen und Vorsprüngen finden die keinen Platz für den Nestbau. Nach einem Hausumbau oder der Zerstörung von Nestern, benötigen die ortstreuen Tiere viel Energie , um neue Nistmöglichkeiten zu suchen. Durch die zunehmende industrielle Landwirtschaft und den Einsatz von Pestiziden werden auch die Insekten, Hauptnahrungsquelle der Schwalben, immer weniger. In stark versiegelten Wohngebieten finden sie außerdem oft kein Baumaterial für ihre Nester. Dabei kann jeder den glückbringenden Koloniebrütern ganz einfach helfen, zum Beispiel mit Schwalbenpfützen, rauen Holzbrettchen oder Kunstnestern. 

 

Mehlschwalben brüteten ursprünglich an steilen Felsen und Klippen. Heute bauen sie ihre Nester geschätzt an Gebäudefassaden. Ihre Nester aus Lehm oder lehmiger Erde haben die Form von Halb- oder Viertelkugeln mit einem schmalen Einschlupfloch. Innen werden sie mit feinem Material , z.B. Federn, ausgepolstert.

 

Häufig fehlt den Schwalben geeignetes Nistmaterial, also feuchte, lehmige Erde. Künstliche Lehmpfützen sind eine gute Hilfestellung. Dazu können sie entweder eine lehmige Pfütze feucht halten oder den Schwalben mit Wasser angerührten Lehm an einer geeigneten Stelle anbieten, z.B. in einer mit Plastikfolie ausgelegten kleinen Mulde oder in einem flachen Behälter. Solche künstlich angelegten Lehmpfützen müssen jedoch unbedingt sicher vor Katzen angelegt sein. Damit die Hauswand trotz vorhandener Schwalbennester nicht verdreckt, können unter den Nestern 25- 30 cm breite Bretter angebracht werden, die den Kot auffangen. Korbretter müssen mind. 50 cm unterhalb der Nester liegen, damit die keine Aufstiegshilfe für Nesträuber bieten.

 

Die Mauersegler, die nur ein geübtes Auge im Flug von den Schwalben unterscheidet, werden auch oft als "Schwalben" bezeichnet. Mit einer Flügelspannweite von über 40 cm sind Mauersegler jedoch erheblich größer als unsere heimischen Schwalben. Sie haben lange, sichelförmige Flügel und einen kurzen, gegabelten Schwanz. Bis auf die grauweiße Kehle ist das gesamte Gefieder bräunlich- bis rußschwarz, wobei Weibchen und Männchen gleich gefärbt sind. Jungvögel sind an der weiß geschuppten Stirn und den größeren Kehlfleck zu erkennen. Der Schnabel und die Füße sind schwärzlich, die Iris ist tiefbraun. Gesang sind schrille, gezogene, hohe Rufe "sriiihrr".

 

Der Mauersegler war ursprünglich ein Fels- und Baumbrüter. Heute ist er hauptsächlich ein Bewohner menschlicher Siedlungen, wo er in Einzelhöfen, Dörfern und vor allem in Städten mit hohen Gebäuden, wie Wohnblocks , Türmen und Fabriken, vorkommt.  

 

Mauersegler fressen ausschließlich in der Luft schwebende Insekten und Spinnen, die sie gezielt anfliegen und fangen. Die jagen meist in großer Höhe von bis zu 3.000 Metern über der Erde. Die Flughöhe schwankt mit dem Nahrungsangebot. Bei schlechtem Wetter fliegen sie auch flach über dem Grund. Mauersegler trinken im schnellen, geraden Gleitflug direkt aus Gewässern aller Art. Außerhalb der Fortpflanzungszeit verbringen Mauersegler mehrere Monate am Stück fliegend. Sie schlafen sogar im Flug.

 

Schwalben, Mauersegler und Co sowie ihre Nester sind durch das Bundesnaturschutzgesetz ganzjährig geschützt. Die Nester dürfen auch in der Zeit, wenn die Vögel in Afrika überwintern, weder beschädigt noch zerstört werden.

 

Sind Schwalben bei Ihnen willkommen und kreisen über Haus und Hof? Dann bewerben Sie sich mit unserem Online-Bewerbungsformular um eine LBV-Plakette für Ihr "Schwalbenfreundliches Haus".

 

 

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